- Kurze Frist: mindestens ein Input ist fix. Lange Frist: alle Inputs sind variabel. Beides sagt etwas über Anpassbarkeit, nicht über Kalenderzeit.
- Technisch effizient heißt maximaler Output aus gegebenen Inputs; ökonomisch effizient heißt zusätzlich minimale Kosten bei gegebenen Faktorpreisen.
- ist der Zusatzoutput der letzten Arbeitskraft, der Durchschnitt. Liegt MP über AP, steigt AP; im AP-Maximum gilt .
- Abnehmender Grenzertrag gilt nur kurzfristig, wenn ein Input fix ist. Das Q-Maximum liegt dort, wo gilt.
- Isoquante: alle Input-Kombinationen mit gleichem Output. Sie ist fallend und konvex, weil die GRTS entlang der Kurve abnimmt.
- . Vollkommene Substitute: Gerade, konstante GRTS. Leontief: L-förmig, keine Substitution.
- Skalenerträge: alle Inputs steigen gemeinsam. Bei Cobb-Douglas entscheidet die Exponentensumme (über 1 steigend, 1 konstant, unter 1 sinkend).
- Abnehmender Grenzertrag (ein Input, kurzfristig) ist nicht abnehmende Skalenerträge (alle Inputs, langfristig). Beides kann gleichzeitig vorkommen.
Inhalt8 Abschnitte
Alles auf einer Seite. Vertiefungen klappst du bei Bedarf auf. setzt ein Lesezeichen, markiert eine schwierige Stelle.
1 Produktionsfunktion, Fristen und Effizienz ★★
Bevor ein Unternehmen über Kosten oder Gewinn nachdenken kann, muss klar sein, was es technisch überhaupt herstellen kann. Genau das beschreibt die Produktionsfunktion. Dieses Kapitel ist das Fundament für alle folgenden Kapitel (Kosten, Gewinnmaximierung).
Produktionsfunktion
Produktion: Umwandlung von Ressourcen (Inputs, Produktionsfaktoren) in Güter (Output).
In Worten: Der Output Q hängt davon ab, wie viel Kapital K und Arbeit L eingesetzt werden. F steht für die Technologie: Sie sagt, wie viel man aus den Inputs höchstens herausholt.
Beispiel ansehen
Eine Fahrradwerkstatt hat 2 Werkbänke (K = 2) und 3 Mechaniker:innen (L = 3) und schafft damit höchstens 12 Reparaturen pro Tag: .
Mit K = 4 und L = 6 sind vielleicht möglich.
Maximal ist wichtig: Die Funktion zeigt immer den höchsten erreichbaren Output für die gegebenen Inputs. Es wird also nichts verschwendet.
VertiefungWas zu Kapital und Arbeit zählt und wie Technologie wirkt
Kapital sind alle langlebigen Produktionsmittel: Maschinen, Gebäude, Werkzeuge, Fahrzeuge. Gemessen wird oft in Maschinenstunden. Arbeit wird in Arbeitsstunden oder Beschäftigten gemessen. Manchmal kommen weitere Inputs dazu (Rohstoffe, Energie, Boden), im Grundmodell reichen zwei.
Technologie als „Rezept": Die Funktion bestimmt, wie viel aus den Inputs entsteht. Verbessert sich die Technologie, kommt aus denselben Inputs mehr Output heraus.
Rechenbeispiel Fortschritt in einer einfachen Funktion
Eine Bäckerei produziert . Mit , und ist .
Eine neue Teigmaschine hebt auf 1,5: .
Ergebnis: Bei gleichem und gibt es 50 % mehr Output, die Technologie ist besser. Das entspricht einer Verschiebung der Produktionsmöglichkeitenkurve nach außen und, aus Sicht des Marktes, einer Verschiebung der Angebotskurve nach rechts.
Wichtig: Eine Änderung von oder bewegt dich entlang der Produktionsfunktion. Eine Änderung der Technologie verändert die Funktion selbst.
Kurze und lange Frist
Die Fristen sind keine Kalenderzeit, sondern eine Aussage darüber, was das Unternehmen anpassen kann.
Wie lang die lange Frist in Jahren ist, hängt von der Branche ab: bei einem Kraftwerk sind es Jahrzehnte, bei einem Marktstand ein paar Tage.
Prüfungsfalle: „Die kurze Frist dauert höchstens ein Jahr" ist falsch. Es gibt keine feste Zeitspanne, entscheidend ist nur, ob alle Inputs angepasst werden können.
Fixe, quasi-fixe und variable Inputs
Dieselbe Unterscheidung gibt es später bei den Kosten (Kapitel zu Kosten).
Technische und ökonomische Effizienz
Einfach erklärt: Technisch effizient heißt: aus den Zutaten so viel Kuchen wie möglich. Ökonomisch effizient heißt: den Kuchen mit den billigsten Zutaten-Mengen backen. Ein technisch effizienter Kuchen kann trotzdem unnötig teuer sein.
Prüfungsfalle: Technisch effizient ist nicht automatisch ökonomisch effizient. Mehrere Input-Kombinationen können technisch effizient sein, aber nur eine davon ist die billigste.
VertiefungTechnisch effizient, aber nicht kostengünstig: ein Zahlenbeispiel
Eine Tischlerei kann 10 Tische mit zwei Input-Kombinationen herstellen: mit 8 Arbeitsstunden und 2 Maschinenstunden oder mit 2 Arbeitsstunden und 6 Maschinenstunden. Beide sind technisch effizient (keine verschwendet etwas).
Rechenbeispiel Welche ist die billigste?
Eine Arbeitsstunde kostet 30 €, eine Maschinenstunde 10 €.
Ergebnis: B ist ökonomisch effizient. Sind die Löhne höher als die Maschinenkosten, lohnt sich mehr Kapital. Steigt der Preis der Maschinenstunde stark, kann sich das Bild umdrehen. Welche Kombination die beste ist, hängt also von den Faktorpreisen ab.
Ineffizient im technischen Sinn wäre eine dritte Kombination mit 8 Arbeits- und 6 Maschinenstunden für dieselben 10 Tische: Sie nutzt mehr Inputs als nötig, ohne mehr Output.
2 Ein variabler Input: Produktbegriffe und Ertragsgesetz ★★★
Hier ist Kapital fix und nur die Arbeit wird verändert. Das ist die kurze Frist. Aufgaben drehen sich fast immer um den Zusammenhang von Grenz- und Durchschnittsprodukt.
Output qMP, APArbeit LArbeit LGesamtprodukt qMaximum von qWendepunktGrenzprodukt MPDurchschnittsprodukt APMax. MPMP = APMP = 0Die drei Produktbegriffe
Gesamtprodukt: der gesamte Output Q bei gegebenem Kapital und variabler Arbeit L.
In Worten: Wie viel Output schafft eine Arbeitskraft im Durchschnitt? Ein Produktivitätsmaß.
Beispiel ansehen
Ein Café-Team aus 5 Personen verkauft pro Tag 150 Torten-Stücke.
30 Stück pro Person
In Worten: Wie viel zusätzlicher Output kommt durch die letzte zusätzliche Arbeitskraft dazu? Bei kleinen Schritten ist das die Ableitung nach L.
Beispiel ansehen
Mit 5 Personen: 150 Stück, mit 6 Personen: 174 Stück.
24 Stück durch die sechste Person
Prüfungsfalle: Grenzprodukt (die letzte Person) und Durchschnittsprodukt (alle Personen im Schnitt) nicht verwechseln. Beide haben dieselbe Einheit, sagen aber etwas völlig anderes.
Das Gesetz vom abnehmenden Grenzertrag
Abnehmender Grenzertrag: Wird bei gegebenem Kapital immer mehr Arbeit eingesetzt, sinkt das Grenzprodukt der Arbeit ab einem bestimmten Arbeitseinsatz.
Der Grund ist nicht, dass die Leute schlechter werden. Sie teilen sich einen fixen Kapitalstock, und jede weitere Person hat weniger Maschinenzeit und weniger Platz.
Einfach erklärt: Eine Küche mit einem Herd. Die zweite und dritte Köchin helfen sehr. Bei der zehnten stehen alle im Weg, und der Zusatznutzen schrumpft.
Das Gesetz gilt nur, solange mindestens ein Input fix ist, also kurzfristig. Es hat nichts mit Skalenerträgen zu tun (siehe Abschnitt 6).
Die drei Phasen der Grenzproduktivität
| Phase | Grenzprodukt | Gesamtprodukt |
|---|---|---|
| Anfang | steigt (Spezialisierung) | steigt immer schneller |
| Mitte | fällt, bleibt positiv | steigt, aber langsamer |
| Ende | wird negativ | fällt |
VertiefungWarum es die Anfangsphase gibt und wie weit die Firma geht
Anfangsphase: Mit einer einzigen Person muss alles allein gemacht werden: kochen, bedienen, kassieren. Kommt eine zweite dazu, teilt man die Aufgaben, jede wird besser, und der Zusatzoutput steigt. Erst wenn sich die Arbeitsteilung ausgeschöpft hat und der fixe Kapitalstock knapp wird, beginnt das Grenzprodukt zu fallen.
Nicht jede Funktion hat die Anfangsphase: Bei einfachen Modellen (z. B. ) fällt das MP von Anfang an. Das Gesetz vom abnehmenden Grenzertrag gilt trotzdem ab dem Punkt, an dem es fällt.
Warum eine Firma nie im negativen Bereich arbeitet: Eine zusätzliche Person bringt dort weniger Output und verursacht mehr Kosten. Es lohnt sich auch nicht, bis zu gehen, wenn Beschäftigte Lohn kosten.
Rechenbeispiel Wie viele Beschäftigte stellt die Pizzeria ein?
Zusätzliche Beschäftigte lohnen sich, solange ihr Beitrag zum Erlös mindestens ihren Lohn deckt: . Eine Pizza kostet 5 €, eine beschäftigte Person 40 € pro Tag. Die Grenzprodukte aus der Pizzeria-Tabelle (siehe weiter unten) sind 8, 14, 20, 18, 10, 2 und −6.
Ergebnis: Die Pizzeria stellt 5 Personen ein, obwohl das Gesamtprodukt bei 6 Personen noch etwas größer wäre. Die genaue Entscheidungsregel folgt im Kapitel zur Gewinnmaximierung.
3 Zusammenhang von MP und AP, Rechnen mit Tabellen und Funktionen ★★★
Das Grenzprodukt zieht den Durchschnitt hoch oder runter. Diese Regel steckt hinter einer der häufigsten Aufgaben.
Zusammenhang von MP und AP
Die MP-Kurve schneidet die AP-Kurve also genau im AP-Maximum. Das gilt auch dann, wenn das MP schon fällt: Solange es über dem Durchschnitt liegt, zieht es den Durchschnitt noch nach oben.
Einfach erklärt: Wie bei einem Notenschnitt. Eine neue Note besser als der Schnitt hebt ihn, eine schlechtere senkt ihn. Die neue Note ist das Grenzprodukt, der Schnitt das Durchschnittsprodukt.
In Worten: Der Durchschnitt steigt, wenn das Grenzprodukt über ihm liegt, und fällt, wenn es darunter liegt. Genau im Höchstpunkt ist die Änderung null, also sind beide gleich.
Beispiel ansehen
Aus folgt mit der Quotientenregel .
Null wird das genau bei .
Grafisch lesen
VertiefungLesehilfen für die Grafik in Worten
Was passiert auf der Grafik, wenn du auf der Gesamtproduktkurve nach rechts wanderst?
Die Reihenfolge der Punkte ist immer gleich: erst das Maximum von MP, dann das von AP, dann das von Q. Die MP-Kurve fällt also schon, wenn das AP noch steigt.
Schnell kontrollieren: Wenn in einer Tabelle das MP zum ersten Mal unter dem AP liegt, ist das AP-Maximum gerade überschritten, der größte AP-Wert steht eine Zeile davor.
Rechenbeispiel mit Tabelle
Rechenbeispiel Pizzeria mit einem Ofen
| L → Q | AP = Q/L | MP = ΔQ |
|---|---|---|
| 1 → 8 | 8 | 8 |
| 2 → 22 | 11 | 14 |
| 3 → 42 | 14 | 20 |
| 4 → 60 | 15 | 18 |
| 5 → 70 | 14 | 10 |
| 6 → 72 | 12 | 2 |
| 7 → 66 | 9,4 | −6 |
Ablesen:
Rechenbeispiel Mit einer Funktion rechnen: Q = 12L² − L³
Der Kapitalstock ist fix und in der Funktion schon eingebaut.
AP-Maximum: → → → L = 6. Dort ist .
Größtes MP: Ableitung von MP null setzen: → L = 4 (MP = 48).
Größtes Q: → → L = 8 (Q = 256).
Reihenfolge der Punkte: MP-Maximum (L = 4), AP-Maximum (L = 6), Q-Maximum (L = 8).
VertiefungDie Funktion Q = 12L² − L³ als Zahlentabelle
So sieht man die Regeln direkt an den Werten:
| L | AP | MP |
|---|---|---|
| 2 | 20 | 36 |
| 4 | 32 | 48 |
| 5 | 35 | 45 |
| 6 | 36 | 36 |
| 7 | 35 | 21 |
| 8 | 32 | 0 |
Lesen:
Sonderfall ohne Anfangsphase: Bei ist und . Das MP liegt immer unter dem AP, das AP fällt von Anfang an. Das Gesamtprodukt ist bei , also , am größten ().
Was passiert bei mehr Kapital?
Ein größerer fixer Kapitalstock () verschiebt die Gesamtproduktkurve nach oben. Meist steigt auch das Grenzprodukt der Arbeit: Mit besseren Maschinen ist jede zusätzliche Arbeitsstunde produktiver.
Prüfungsfalle: „Mehr Kapital senkt das Grenzprodukt der Arbeit" ist in der Regel falsch. Mehr Kapital hebt die Produktivität der Arbeit (). Ausnahmen sind möglich, aber nicht der Normalfall.
VertiefungMehr Kapital in Zahlen
Eine Bäckerei produziert . Das Grenzprodukt der Arbeit ist .
Rechenbeispiel Ein zweiter Ofen
Ergebnis: Bei viermal so viel Kapital verdoppelt sich das Grenzprodukt der Arbeit. Jede zusätzliche Person arbeitet an besseren Maschinen. Die ganze Gesamtproduktkurve liegt höher.
Lesehilfe: Was passiert auf der Grafik? Die Kurve für bei liegt über der bei , und sie ist bei jedem steiler. Bei gleicher Arbeitsmenge hat die Firma jetzt mehr Output.
Wichtig für die Abgrenzung: Mehr Kapital bei gleichem ändert nicht das Gesetz vom abnehmenden Grenzertrag. Es verschiebt nur die Kurven. Auch mit dem größeren Kapitalstock fällt das MP irgendwann, nur später.
4 Zwei variable Inputs: Isoquanten und GRTS ★★★
Langfristig sind Kapital und Arbeit variabel. Dann stellt sich die Frage, wie sich die beiden gegeneinander ersetzen lassen. Das ist der Ausgangspunkt der Kostenminimierung (Kapitel zu Kosten).
Kapital KArbeit Lq₁q₂q₃mehr Output: q₁ < q₂ < q₃Isoquanten
Isoquante: Alle Kombinationen von K und L, die genau denselben Output liefern. Das Gegenstück zur Indifferenzkurve, nur mit Output statt Nutzen.
Eigenschaften der Isoquanten (bei „normaler" Technologie):
VertiefungEine Isoquante berechnen und die Eigenschaften begründen
Aus der Funktion zur Isoquante: Für und einen festen Output gilt , also .
| L | K |
|---|---|
| 1 | 16 |
| 2 | 8 |
| 4 | 4 |
| 8 | 2 |
| 16 | 1 |
Alle diese Punkte liefern 4 Stück. Verbindest du sie, erhältst du eine fallende, nach innen gewölbte Kurve.
Warum sie sich nicht schneiden: Angenommen, zwei Isoquanten (für 4 und für 6 Stück) schnitten einander in einem Punkt. Dann würde dieselbe Input-Kombination gleichzeitig 4 und 6 Stück liefern. Das widerspricht der Funktion, die jeder Kombination genau einen Output zuordnet.
Warum sie fallen: Wer weniger Kapital einsetzt, verliert Output. Um ihn auszugleichen, braucht es mehr Arbeit. Eine steigende Isoquante hieße, mehr von beiden Inputs bringe denselben Output, also wäre Verschwendung eingebaut.
Lesehilfe: Was passiert auf der Grafik, wenn der Output steigt? Du gehst zu einer Isoquante weiter außen. Bei gleichem brauchst du dafür mehr . Die Isoquanten für , , liegen wie Zwiebelschalen ineinander.
Grenzrate der technischen Substitution (GRTS)
GRTS (MRTS): Wie viel Kapital man einsparen kann, wenn man eine Einheit Arbeit mehr einsetzt, ohne dass der Output sinkt. Es ist der Betrag der Isoquantensteigung.
In Worten: Wie viele Einheiten Kapital kann man einsparen, wenn man eine Einheit Arbeit mehr einsetzt und trotzdem gleich viel produziert? Das Verhältnis der Grenzprodukte gibt die Antwort.
Beispiel ansehen
Eine zusätzliche Arbeitsstunde bringt 8 Stück (), eine zusätzliche Maschinenstunde 2 Stück ().
4
Eine Stunde Arbeit mehr ersetzt 4 Maschinenstunden, ohne dass der Output sinkt.
Herleitung in zwei Zeilen: Entlang einer Isoquante bleibt der Output gleich. Gibt man auf und nimmt dazu, gilt . Umgeformt ergibt das .
Abnehmende GRTS und Konvexität
Entlang der Isoquante von links oben nach rechts unten nimmt die GRTS ab. Je mehr Arbeit und je weniger Kapital man schon einsetzt, desto weniger Kapital ersetzt die nächste Arbeitseinheit.
Das liegt am abnehmenden Grenzertrag: Das sinkt, das steigt (Kapital wird knapp). Deshalb sind die Isoquanten konvex zum Ursprung.
Rechenbeispiel Cobb-Douglas: Q = √(K·L)
Hier gilt und die GRTS ist .
Beide Punkte liegen auf derselben Isoquante (Q = 4). Von A nach B sinkt die GRTS von 4 auf 1: Die Isoquante wird flacher, sie ist konvex.
VertiefungDie GRTS in der Grafik lesen und was sie später bedeutet
Punkt gegen Strecke: Die GRTS in einem Punkt ist die Steigung der Tangente dort. Zwischen zwei Punkten, z. B. von A (L = 2, K = 8) nach B (L = 4, K = 4), kannst du auch die durchschnittliche Steigung berechnen: . Dieser Wert liegt zwischen den Tangentensteigungen 4 (bei A) und 1 (bei B).
Lesehilfe: Was passiert auf der Grafik beim Wandern nach rechts? Du setzt mehr Arbeit und weniger Kapital ein. Die Isoquante wird flacher: Die nächste Arbeitseinheit ersetzt weniger Kapital. Das ist der Grund, warum eine Mischung aus beiden Inputs sinnvoll ist und nicht die Randlösung nur Arbeit oder nur Kapital.
Ausblick: Eine Firma, die Kosten minimieren will, vergleicht die GRTS mit dem Verhältnis der Faktorpreise (Lohn zu Kapitalkosten). Solange die GRTS größer ist als , ersetzt eine Arbeitseinheit mehr Kapital, als sie kostet: Es lohnt sich, Kapital durch Arbeit zu ersetzen. Im Optimum sind beide gleich. Die genaue Herleitung kommt im Kapitel zu den Kosten.
5 Drei Standardtechnologien ★★★
Je nachdem, wie gut sich die Inputs ersetzen lassen, gibt es drei Grundtypen. Sie unterscheiden sich in Form und GRTS der Isoquanten.
| Technologie | Isoquante | GRTS |
|---|---|---|
| Vollkommene Substitute | Gerade | konstant |
| Cobb-Douglas | stetig gekrümmt | fällt entlang der Kurve |
| Fixe Proportionen (Leontief) | L-förmig (rechtwinklig) | nicht definiert, keine Substitution |
Vollkommene Substitute: Die Inputs sind im festen Verhältnis austauschbar, z. B. . Eine Arbeitseinheit ersetzt immer 3 Kapitaleinheiten, die GRTS ist überall 3.
Fixe Proportionen (Leontief): Die Inputs werden nur im festen Verhältnis gebraucht, z. B. bei einem Bagger, der genau 2 Personen braucht. Mit K = 3 und L = 6 ergibt das Q = 3. Mit L = 8 bleibt Q = 3, die zusätzlichen Leute bringen nichts.
Cobb-Douglas: . Die Grenzprodukte sind und , die GRTS ist daher .
Wie leicht lassen sich Inputs ersetzen?
Je stärker die Isoquante gekrümmt ist, desto schlechter sind die Inputs ersetzbar. Gerade Isoquanten bedeuten perfekte Austauschbarkeit, ein rechter Winkel bedeutet gar keine.
Prüfungsfalle: „L-förmige Isoquanten bedeuten hohe Substituierbarkeit" ist falsch, es ist genau umgekehrt: keine Substitution. Die GRTS ist bei vollkommenen Substituten konstant, nicht bei fixen Proportionen.
VertiefungDie drei Typen im Detail mit Beispielen
Vollkommene Substitute: Zwei Heizungen, die denselben Raum erwärmen: eine Gas-, eine Ölheizung. Ist eine Arbeitseinheit immer 3 Maschineneinheiten wert (), ist die Isoquante eine Gerade. Eine Firma wird dann meist nur eine der beiden Inputs verwenden, nämlich den, der pro Outputeinheit billiger ist. Mischungen sind nur bei genau gleichen Kosten pro Outputeinheit gleich gut.
Fixe Proportionen: Ein Bagger braucht genau eine Fahrerin. Eine zweite Person bringt nichts, ein zweiter Bagger ohne Fahrerin ebenfalls nicht. Die Isoquante hat einen rechten Winkel, die Ecke liegt dort, wo beide Inputs im richtigen Verhältnis eingesetzt werden. Alle Punkte rechts oder oberhalb der Ecke verschwenden einen Input. Wer Kosten minimiert, bleibt an der Ecke.
Cobb-Douglas im Detail: Aus folgt durch Ableiten nach : . Genauso . Teilt man beide, kürzt sich weg: .
Rechenbeispiel Cobb-Douglas mit anderen Exponenten
mit , .
Ergebnis: Eine zusätzliche Arbeitseinheit ersetzt etwa 4,67 Kapitaleinheiten. Weil der Exponent von größer ist als der von , ist die Arbeit im Vergleich ergiebiger.
Ein Merkbild: Je mehr eine Isoquante einer Geraden ähnelt, desto leichter ersetzbar sind die Inputs. Je mehr sie einem rechten Winkel gleicht, desto eher braucht man beide im festen Verhältnis. Cobb-Douglas liegt dazwischen.
6 Skalenerträge ★★★
Hier ändern sich alle Inputs gemeinsam. Die Frage lautet: Wie reagiert der Output, wenn das ganze Unternehmen proportional größer wird? Das ist eine rein langfristige Betrachtung.
Die drei Fälle
Skalenerträge: Reaktion des maximal möglichen Outputs, wenn alle Inputs mit demselben Faktor s > 1 steigen, also von auf .
| Art | Bedingung | Mögliche Ursache |
|---|---|---|
| Steigend | Spezialisierung, Unteilbarkeiten | |
| Konstant | Anlage lässt sich einfach kopieren | |
| Sinkend | Koordinationsprobleme, Bürokratie |
Zur Sprache: Bei steigenden Skalenerträgen steigt der Output überproportional, bei konstanten proportional, bei sinkenden unterproportional.
Warum es steigende Skalenerträge gibt
Sinkende Skalenerträge entstehen eher durch Koordinations- und Kontrollprobleme. Konstante gibt es oft, wenn man einfach eine zweite identische Anlage danebenstellt.
Homogene Produktionsfunktionen
In Worten: Erhöht man alle Inputs mit dem Faktor s, steigt der Output mit dem Faktor s hoch γ. Ist γ größer als 1, wächst der Output überproportional.
Beispiel ansehen
hat .
Alles verdoppeln (s = 2): Output wächst um den Faktor 2,3. Das ist mehr als doppelt, also steigende Skalenerträge.
Bei Cobb-Douglas ist . Die Summe der Exponenten entscheidet.
Rechenbeispiel Drei Funktionen, drei Skalenerträge
Auch Leontief und vollkommene Substitute haben , also konstante Skalenerträge.
Prüfungsfalle: Der Faktor A in ändert die Skalenerträge nicht. Es zählt nur die Summe der Exponenten.
VertiefungSkalenerträge Schritt für Schritt testen
Rezept: Ersetze durch und durch , klammere aus und vergleiche mit .
Rechenbeispiel Zwei weitere Funktionen
Funktion 1: . Mit und : . Also : steigende Skalenerträge.
Funktion 2: . Mit und : . Also : sinkende Skalenerträge. Verdopplung bringt nur das -Fache.
Wenn die Funktion nicht homogen ist: Dann lässt sich nicht ausklammern. Hier setzt du Zahlen ein. Beispiel : Bei ist . Bei ist . Das Doppelte von 90 wäre 180: Der Output wächst unterproportional, es liegen sinkende Skalenerträge vor. Die feste Konstante 50 wird nicht mitverdoppelt.
Typischer Fehler: Nur einen Input zu verdoppeln. Skalenerträge verlangen, dass alle Inputs mit demselben Faktor steigen.
7 Skalenelastizität und Abgrenzung zum Ertragsgesetz ★★★
Zwei Begriffe, die oft verwechselt werden: Abnehmender Grenzertrag betrifft einen steigenden Input, Skalenerträge betreffen alle gemeinsam.
Ertragsgesetz und Skalenerträge unterscheiden
| Merkmal | Abnehmender Grenzertrag | Skalenerträge |
|---|---|---|
| Frist | kurz | lang |
| Inputs | einer steigt, die anderen fix | alle steigen proportional |
| Frage | Wie ändert sich das MP? | Wie ändert sich Q insgesamt? |
Prüfungsfalle: Abnehmender Grenzertrag ist nicht dasselbe wie abnehmende Skalenerträge. Eine Funktion kann beides gleichzeitig haben, auch steigende Skalenerträge mit abnehmendem Grenzprodukt.
Rechenbeispiel Steigende Skalenerträge trotz abnehmendem Grenzertrag
: Die Exponentensumme 1,2 ergibt steigende Skalenerträge.
Der Exponent von L ist aber kleiner als 1. Mit fixem K steigt Q nur mit , also unterproportional. Das Grenzprodukt der Arbeit sinkt daher bei steigendem L.
Das ist kein Widerspruch: Beim Ertragsgesetz steigt nur ein Input, bei den Skalenerträgen alle.
VertiefungDieselbe Funktion, zwei Blickwinkel
Die Funktion zeigt beide Effekte nebeneinander.
Rechenbeispiel Ertragsgesetz oder Skalenerträge?
Blick 1: Nur L steigt, bleibt fix. Dann ist .
| L | Q | Zuwachs |
|---|---|---|
| 1 | 2 | – |
| 4 | 4 | +2 für 3 weitere Personen |
| 9 | 6 | +2 für 5 weitere Personen |
| 16 | 8 | +2 für 7 weitere Personen |
Jeder weitere Output von +2 verlangt immer mehr zusätzliche Arbeit: abnehmender Grenzertrag.
Blick 2: Beide Inputs steigen gleichzeitig. (K, L) = (1, 1) liefert 1, (2, 2) liefert 2, (4, 4) liefert 4.
Ergebnis: Verdoppelt man beides, verdoppelt sich der Output: konstante Skalenerträge. Dieselbe Funktion hat also fallenden Grenzertrag und konstante Skalenerträge.
Skalenelastizität (Vertiefung)
Bei Funktionen, die nicht homogen sind, kann die Art der Skalenerträge von der Betriebsgröße abhängen. Dann misst man sie lokal mit der Skalenelastizität.
In Worten: Um wie viel Prozent steigt der Output, wenn alle Inputs um 1 % steigen? Über 1 heißt steigende, genau 1 konstante, unter 1 sinkende Skalenerträge.
Beispiel ansehen
: Es gilt und .
1,2 → steigende Skalenerträge.
Bei homogenen Funktionen ist überall gleich . Bei anderen Funktionen kann sie sich mit der Betriebsgröße ändern.