- Ändert sich der Preis des Gutes selbst, bewegt man sich entlang der Kurve; jede andere Einflussgröße verschiebt die ganze Kurve.
- Angebotskurve rückt nach rechts bei technischem Fortschritt, höherer Produktivität, billigeren Inputs, mehr Anbietern oder Subventionen.
- Gleichgewicht: . Bei zu hohem Preis entsteht Überschussangebot, Anbieter unterbieten sich und der Preis sinkt; bei zu niedrigem Preis umgekehrt.
- Bei einem Schock sind Preis- und Mengenrichtung eindeutig, bei zwei gleichzeitigen Schocks nur eine der beiden Größen.
- Preiselastizität : elastisch, unelastisch; senkrecht, waagrecht.
- Der Erlös ist bei maximal; bei unelastischer Nachfrage kann mehr Angebot den Umsatz senken.
- Gerade Nachfrage: Steigung konstant, Elastizität variiert; log-linear: Elastizität konstant. Langfristig meist elastischer, außer bei langlebigen Gütern.
- Höchstpreis unter erzeugt Knappheit, Mindestpreis darüber Überschuss; gehandelt wird die kürzere Marktseite.
Inhalt13 Abschnitte
Alles auf einer Seite. Vertiefungen klappst du bei Bedarf auf. setzt ein Lesezeichen, markiert eine schwierige Stelle.
1 Die Nachfrage ★★★
Die Nachfrage beschreibt, was Käufer bei welchem Preis haben wollen. Du musst vor allem die Einflussgrößen kennen und wissen, wann sich die Kurve verschiebt.
Nachfragemenge und Nachfragekurve
Nachfragemenge (): die Menge eines Gutes, die Konsumenten bei gegebenen Marktbedingungen kaufen wollen und können. Sie ergibt sich daraus, dass Haushalte ihren Nutzen maximieren (Grundprinzipien #1 bis #4).
Die Nachfragekurve fällt: Je teurer ein Gut, desto weniger wird gekauft. Man weicht auf andere Güter aus, oder das Budget reicht für weniger.
Einfach erklärt: Kostet der Cappuccino im Stammcafé plötzlich 6 € statt 3 €, trinken viele nur noch einen statt zwei oder holen sich den Kaffee in der Bäckerei nebenan.
Inverse Nachfragefunktion: Gezeichnet wird der Preis auf der senkrechten, die Menge auf der waagrechten Achse. Rechnerisch steht aber meist die Menge links: . Beim Umformen und Einzeichnen musst du also aufpassen.
Die Kurve gilt ceteris paribus: alle anderen Einflussgrößen sind festgehalten.
VertiefungWarum die Nachfragekurve fällt
Dahinter stecken zwei Gedanken, die oft zusammenwirken:
Die Kurve als Zahlungsbereitschaft gelesen: Jeder Punkt der Kurve sagt auch, wie viel jemand für die letzte gekaufte Einheit höchstens zahlen würde. Bei 5 € Marktpreis kaufen nur Leute, die mindestens 5 € zahlen wollen. Fällt der Preis auf 3 €, kommen alle dazu, deren Zahlungsbereitschaft zwischen 3 € und 5 € liegt.
Lesehilfe: Was passiert auf der Grafik, wenn der Preis fällt? Du wanderst auf der Kurve nach unten und nach rechts. Die Kurve selbst bleibt liegen.
Sonderfälle: In seltenen Ausnahmen steigt die Nachfrage mit dem Preis (etwa bei Prestigegütern wie Luxusuhren, bei denen der hohe Preis selbst den Reiz ausmacht). Diese Fälle sind nicht der Normalfall und kommen im Grundmodell nicht vor.
Was die Nachfrage bestimmt
In Worten: Die nachgefragte Menge hängt vom eigenen Preis ab, aber auch von Einkommen, anderen Preisen, Vorlieben, Erwartungen, Stimmung und Zahl der Käufer.
| Einflussgröße | Symbol | Wirkung (Beispiel) |
|---|---|---|
| Preis des Gutes | Bewegung entlang der Kurve | |
| Einkommen | normales Gut: mehr Einkommen, mehr Nachfrage | |
| Preise anderer Güter | Substitut teurer: Nachfrage steigt | |
| Präferenzen | Trend: Nachfrage steigt | |
| Preiserwartung | Preisanstieg erwartet: heute mehr kaufen | |
| Verbrauchervertrauen | mehr Zuversicht, mehr Nachfrage | |
| Zahl der Käufer | mehr Käufer, mehr Nachfrage |
Normale und inferiore Güter
Beziehungen zwischen Gütern im Konsum
Prüfungsfalle: Ob ein Gut normal oder inferior ist, hängt von der Reaktion auf Einkommen ab, nicht davon, ob es billig oder minderwertig ist. Dasselbe Gut kann für Arme inferior und für Reiche normal sein.
Von der Einzel- zur Marktnachfrage
Die Marktnachfrage entsteht aus den Wünschen vieler Haushalte. Das Zusammenzählen läuft immer nach demselben Muster.
In Worten: Die Marktnachfrage ist die Summe der Nachfragemengen aller Haushalte, jeweils bei demselben Preis. Grafisch addiert man die Kurven waagrecht.
Beispiel ansehen
Bei einem Preis von 4 € wollen drei Gäste 2, 1 und 0 Stück kaufen.
Ergebnis: Die Marktnachfrage bei 4 € beträgt Stück. Sind alle Haushalte gleich, gilt einfach .
VertiefungWaagrecht addieren: warum und mit Knick
Warum waagrecht? Die Preise sind für alle Käufer gleich. Man hält also den Preis fest (senkrechte Achse) und zählt die Mengen aller Haushalte zusammen (waagrechte Achse). Würde man die Preise addieren, käme Unsinn heraus.
Rechenbeispiel Zwei Haushalte mit verschiedenem Höchstpreis
Haushalt A: (kauft bis zu einem Preis von 10). Haushalt B: (kauft nur bis zu einem Preis von 6).
Ergebnis: Die Marktnachfrage hat bei einen Knick. Oberhalb ist sie steiler, weil B nicht mehr dabei ist.
Lesehilfe: Was passiert auf der Grafik, wenn ein neuer Haushalt dazukommt? Zu jedem Preis wird seine Menge auf die bisherige Marktmenge aufgeschlagen, die Kurve verschiebt sich nach rechts. Das ist genau die Einflussgröße „Zahl der Käufer".
2 Das Angebot ★★★
Das Angebot beschreibt, was Unternehmen bei welchem Preis verkaufen wollen. Besonders wichtig sind die Verschiebungen der Angebotskurve.
Angebotsmenge und Angebotskurve
Angebotsmenge (): die Menge, die Unternehmen bei gegebenen Marktbedingungen verkaufen wollen und können. Sie ergibt sich aus der Gewinnmaximierung der Firmen.
Die Angebotskurve steigt: Je höher der Preis, desto mehr lohnt sich die Produktion. Bestehende Firmen weiten aus, auch wenn jedes zusätzliche Stück meist teurer herzustellen ist (steigende Grenzkosten), und neue Anbieter kommen dazu.
Einfach erklärt: Bei 2 € pro Brot backt die Bäckerei nur die Standardmenge. Bei 4 € lohnen sich Überstunden und ein zweiter Ofen.
Auch hier ist die Kurve eine inverse Funktion (Preis senkrecht) und gilt ceteris paribus.
VertiefungWarum die Angebotskurve steigt: die Sicht der Firma
Eine Firma bietet ein zusätzliches Stück nur an, wenn der Preis mindestens so hoch ist wie ihre Grenzkosten, also die Kosten dieses zusätzlichen Stücks. Weil die Grenzkosten meist mit der Menge steigen (der Ofen läuft heiß, Überstunden sind teurer), braucht die Firma für jede weitere Einheit einen höheren Preis.
Rechenbeispiel Die Bäckerei und ihre Grenzkosten
Das erste Brot kostet in der Herstellung 1 €, das zweite 1,50 €, das dritte 2,50 €, das vierte 4 €.
| Marktpreis | Wie viele Brote? | Warum? |
|---|---|---|
| 1 € | 1 | nur das erste deckt seine Kosten |
| 2 € | 2 | das dritte kostet 2,50 € |
| 3 € | 3 | das vierte kostet 4 € |
| 4 € | 4 | alle decken ihre Kosten |
Ergebnis: Mit jedem höheren Preis bietet die Firma mehr an. Die Angebotskurve ist die Linie ihrer Grenzkosten (genauer begründet im Kapitel zur Gewinnmaximierung).
Lesehilfe: Was passiert auf der Grafik, wenn der Preis steigt? Du läufst auf der Kurve nach oben und nach rechts. Mit dem höheren Preis lohnen sich Mengen, die vorher unter dem Preis lagen. Zusätzlich treten Firmen mit höheren Kosten in den Markt ein.
Was das Angebot bestimmt
In Worten: Die angebotene Menge hängt vom eigenen Preis ab, aber auch von Steuern, Kosten der Inputs, Preisen anderer Güter, Technologie, Erwartungen, Stimmung und Zahl der Anbieter.
Bewegung oder Verschiebung beim Angebot
Ändert sich der Preis des Gutes selbst, bewegt man sich nur entlang der Kurve. Ändert sich etwas anderes, verschiebt sich die ganze Kurve.
S₀S₁S₂mehr Angebotweniger AngebotPreis PMenge Q| Angebot steigt: Kurve nach rechts | Angebot sinkt: Kurve nach links |
|---|---|
| Technischer Fortschritt, höhere Produktivität | Produktionsprobleme, Missernte |
| Billigere Inputs (Löhne, Energie, Rohstoffe) | Teurere Inputs |
| Mehr Anbieter im Markt | Anbieter steigen aus |
| Subventionen, niedrigere Steuern | Höhere Steuern, strengere Auflagen |
| Ein anderes herstellbares Gut wird billiger | Ein anderes herstellbares Gut wird teurer |
Einfach erklärt: Eine neue Maschine macht jedes Brot billiger in der Herstellung. Die Bäckerei kann zu jedem Preis mehr anbieten als vorher, die ganze Kurve rutscht nach rechts.
Nach rechts ist bei der Angebotskurve dasselbe wie nach unten: Die Firma ist zu einem niedrigeren Preis bereit, dieselbe Menge zu liefern. Bei Kostensenkungen (Technologie, Inputpreise) zeichnest du also die Kurve rechts bzw. unten.
Prüfungsfalle: „Steigt der Preis, verschiebt sich die Angebotskurve nach rechts" ist falsch. Eine Preisänderung des Gutes selbst ist eine Bewegung entlang der Kurve.
VertiefungRechts gleich unten: ein Zahlenbeispiel
Das Angebot eines Fahrradverleihs lautet . Ein neues Leihsystem senkt die Kosten, jetzt gilt .
Beide Beschreibungen meinen dieselbe Verschiebung. In Aufgaben ist die Richtung oft in Worten gefragt: Sinkende Kosten bedeuten Angebot steigt, Kurve nach rechts.
Steuer pro Stück: Eine Steuer erhöht die Kosten, das Angebot sinkt, die Kurve verschiebt sich nach links (bzw. nach oben). Eine Subvention wirkt umgekehrt. Wer von einer Steuer am Ende wie viel trägt, hängt von den Elastizitäten ab: Die unelastischere Marktseite trägt mehr.
Beziehungen zwischen Gütern in der Produktion
Hier denkt man umgekehrt wie beim Konsum:
Von der Einzel- zur Marktangebotskurve
Das Marktangebot ist die Summe der Angebotsmengen aller Firmen bei jedem Preis: . Sind alle Firmen gleich, gilt . Grafisch addiert man die Kurven wieder waagrecht.
3 Bewegung entlang der Kurve oder Verschiebung der Kurve ★★★
Das ist der häufigste Fehler in Prüfungen. Die Regel gilt für Nachfrage und Angebot gleichermaßen.
Bewegung entlang der KurveVerschiebung der KurvePQPQABDD₁D₂| Nachfrage steigt (Kurve nach rechts), wenn … | Nachfrage sinkt (Kurve nach links), wenn … |
|---|---|
| das Einkommen steigt (normales Gut) | das Einkommen sinkt (normales Gut) |
| ein Substitut teurer wird | ein Substitut billiger wird |
| ein Komplement billiger wird | ein Komplement teurer wird |
| das Gut beliebter wird | das Gut aus der Mode kommt |
| mehr Käufer dazukommen | Käufer wegfallen |
| man künftig höhere Preise erwartet | man künftig niedrigere Preise erwartet |
Merkhilfe: „Verschiebung nach rechts" heißt bei beiden Kurven mehr Menge bei gleichem Preis.
Einfach erklärt: Wird Bio-Milch billiger, kaufst du mehr davon: Du rutschst entlang deiner Kurve nach unten. Wird dagegen Bio-Milch plötzlich als gesünder bekannt, kaufst du bei jedem Preis mehr: Deine Kurve rückt nach rechts.
Auch die Sprache ist ein Hinweis: Eine Änderung der Nachfragemenge ist die Bewegung entlang der Kurve, eine Änderung der Nachfrage die Verschiebung. Beim Angebot gilt dasselbe.
Prüfungsfalle: Wird ein Gut billiger, steigt die Nachfragemenge, die Nachfragekurve selbst verschiebt sich aber nicht.
Prüfungsfalle: Wird ein Substitut teurer, verschiebt sich die Nachfragekurve nach rechts. Es ist dann keine Bewegung entlang der Kurve.
VertiefungSechs Ereignisse durchgespielt
So gehst du bei jeder Aufgabe vor: erst fragen, welche Kurve betroffen ist (Nachfrage oder Angebot), dann, in welche Richtung sie sich verschiebt, und zuletzt, was mit Preis und Menge im neuen Gleichgewicht passiert.
| Ereignis | Betroffene Kurve und Richtung |
|---|---|
| Studierende kommen im Herbst in die Stadt (Mietmarkt) | Nachfrage nach rechts |
| Hagel zerstört einen Teil der Tomatenernte | Angebot nach links |
| Kaffee wird teurer (Markt für Tee) | Nachfrage nach Tee nach rechts |
| Kaffee wird teurer (Markt für Kaffee) | nur Bewegung entlang der Kurve |
| Löhne in der Bäckerei sinken | Angebot nach rechts |
| Gerücht: Tickets werden nächste Woche teurer | Nachfrage heute nach rechts |
Wichtig: Der Preis des Gutes selbst taucht in Aufgaben oft als Folge auf, nicht als Ursache. Ein Schock verschiebt die Kurve, und der Preis passt sich danach entlang der anderen Kurve an.
Parallele Verschiebung oder Drehung? Verschiebt sich die Kurve parallel, ändert sich nur die Konstante (z. B. Einkommen). Ändert sich dagegen die Preisreaktion selbst (die Steigung, z. B. weil sich Kundinnen preissensibler verhalten), dreht sich die Kurve. Beides sind Veränderungen der Kurve, und beides ist keine Bewegung entlang der Kurve.
4 Das Marktgleichgewicht ★★★
Hier kommen Angebot und Nachfrage zusammen. Beim Gleichgewicht planen Käufer und Verkäufer dieselbe Menge.
Preis PMenge QNachfrage DAngebot SGleichgewichtP*Q*Beim Gleichgewichtspreis wollen die Käufer genau so viel kaufen, wie die Verkäufer verkaufen wollen: . Alle können ihre Pläne umsetzen, es gibt weder Warteschlangen noch volle Lager. Man sagt, der Markt räumt sich.
Endogen und exogen: Im Marktmodell werden Preis und Menge gleichzeitig bestimmt, beide sind also endogen. Einkommen, Steuern, Inputpreise usw. sind exogen, sie sind von außen vorgegeben. Verändert sich eine exogene Größe, ändert sich das Gleichgewicht.
In Worten: Im Gleichgewicht ist die nachgefragte Menge gleich der angebotenen Menge. Man setzt die beiden Funktionen gleich und löst nach dem Preis auf.
Beispiel ansehen
Ein Fahrradverleih mit Tagesmiete in Euro. Nachfrage: . Angebot: .
Steigt die Nachfrage auf : , also und . Preis und Menge steigen beide.
VertiefungEine allgemeine Lösungsformel und typische Stolperfallen
Hat die Nachfrage die Form und das Angebot , gilt immer:
In Worten: Man zieht die Konstanten voneinander ab und teilt durch die Summe der beiden Steigungen.
Beispiel ansehen
Nachfrage , Angebot .
Wenn die Funktion „verkehrt" angegeben ist: Steht der Preis links (z. B. ), setzt du ebenfalls beide Gleichungen gleich, jetzt aber bezüglich . Im Beispiel und : , also , , .
Stolperfallen:
5 Ungleichgewicht: Warum der Preis zurückkehrt ★★★
Liegt der Preis nicht im Gleichgewicht, gehen die Pläne von Käufern und Verkäufern nicht auf. Dieser Druck bringt den Preis zurück.
ÜberschussangebotÜberschussnachfragePreis sinktPreis steigtGleichgewichtP₁P*P₂Nachfrage DAngebot SPreis PMenge QDie Antriebskraft sind Anreize (Grundprinzipien #4 und #6): Wer sich durch Über- oder Unterbieten besserstellen kann, tut es.
Preis zu hoch (): Überschussangebot
Preis zu niedrig (): Überschussnachfrage (Knappheit)
Einfach erklärt: Der Preis wirkt wie ein Thermostat. Ist er zu hoch, kühlt der Markt ab (Preis sinkt). Ist er zu niedrig, heizt er auf (Preis steigt). Ruhe herrscht erst im Gleichgewicht.
Ausnahme: Kann sich der Preis nicht bewegen, etwa wegen eines gesetzlichen Höchst- oder Mindestpreises, bleibt das Ungleichgewicht bestehen. Gehandelt wird dann nur die Menge der kürzeren Marktseite.
Prüfungsfalle: Bei einem Preis über dem Gleichgewicht herrscht Überschussangebot (nicht Knappheit). Knappheit gibt es bei einem Preis unter dem Gleichgewicht.
VertiefungÜberschuss ausrechnen und die kürzere Marktseite
Im Beispiel des Fahrradverleihs (, , Gleichgewicht bei 8 €) rechnest du so:
Rechenbeispiel Preis von 11 € und von 5 €
Preis 11 € (zu hoch): , . Es gibt ein Überschussangebot von .
Preis 5 € (zu niedrig): , . Es gibt eine Überschussnachfrage von .
In beiden Fällen wird nur die kleinere der beiden Mengen tatsächlich gehandelt (38 bzw. 32), denn niemand wird zum Kaufen oder Verkaufen gezwungen.
Warum die kürzere Seite zählt: Beim Überschussangebot findet jede Käuferin ihre Ware, aber nicht jede Verkäuferin einen Kunden. Käufer bestimmen also, was gehandelt wird. Bei Überschussnachfrage ist es umgekehrt: Die Verkäufer entscheiden, wer etwas bekommt.
Lesehilfe: Was passiert auf der Grafik? Bei einem Preis über dem Gleichgewicht zeichnest du eine waagrechte Linie durch die beiden Kurven. Die Strecke zwischen Nachfrage (links) und Angebot (rechts) ist der Überschuss. Bei einem Preis darunter liegt die Angebotskurve links und die Nachfragekurve rechts, die Lücke ist die Knappheit.
Im Alltag: Ein ausverkauftes Konzert zeigt einen zu niedrigen Preis, am Schwarzmarkt steigt er in Richtung Gleichgewicht. Ein Räumungsverkauf zeigt einen zu hohen Preis, der Händler senkt ihn.
6 Komparative Statik: Was passiert bei Schocks? ★★★
Was passiert mit Preis und Menge, wenn sich eine äußere Größe ändert? Das ist einer der häufigsten Aufgabentypen.
Komparative Statik: Vergleich des Gleichgewichts vor und nach der Änderung einer exogenen Größe.
Schock: Änderung einer exogenen Einflussgröße. Beim Angebot heißt sie Angebotsschock, bei der Nachfrage Nachfrageschock, und sie verschiebt die jeweilige Kurve. Positive Schocks erhöhen Angebot bzw. Nachfrage, negative senken sie.
Ein Schock allein
| Schock | Preis | Menge |
|---|---|---|
| Nachfrage steigt | steigt | steigt |
| Nachfrage sinkt | sinkt | sinkt |
| Angebot steigt | sinkt | steigt |
| Angebot sinkt | steigt | sinkt |
Einfach erklärt: Ein Hitzesommer treibt die Nachfrage nach Eis, Preis und Menge steigen. Ein Frost vernichtet die Erdbeerernte, das Angebot sinkt: Erdbeeren werden teurer und seltener.
Zwei Schocks gleichzeitig
| Nachfrage und Angebot | Preis | Menge |
|---|---|---|
| beide steigen | ? | steigt |
| beide sinken | ? | sinkt |
| Nachfrage steigt, Angebot sinkt | steigt | ? |
| Nachfrage sinkt, Angebot steigt | sinkt | ? |
Lesehilfe: Bei einem Schock ist die Richtung von Preis und Menge immer eindeutig. Bei zwei Schocks ist eine Größe eindeutig, die andere (?) hängt davon ab, welcher Schock stärker ist.
D₀D₁S₀S₁vorhernachher: Preis ↑, Menge ?Preis PMenge QVertiefungZwei Schocks mit Zahlen: derselbe Preis, verschiedene Menge
Wieder der Fahrradverleih mit Ausgangslage , . Die Nachfrage steigt und das Angebot sinkt, aber in verschiedener Stärke.
Rechenbeispiel Zwei Fälle im Vergleich
Fall 1: Nachfrage stark, Angebot schwach. , . Gleichsetzen: , also , .
Fall 2: Nachfrage schwach, Angebot stark. , . Gleichsetzen: , also , .
Ergebnis: In beiden Fällen steigt der Preis (8 → 11 bzw. 13). Die Menge steigt in Fall 1 (44 → 50) und sinkt in Fall 2 (44 → 40). Genau darum ist die Menge in der Tabelle mit einem Fragezeichen versehen.
So gehst du bei solchen Aufgaben vor: Wird nichts über die Stärke der Verschiebungen gesagt, lautet die richtige Antwort: „Der Preis steigt, die Veränderung der Menge ist unbestimmt." Wird dagegen genannt, welche Seite stärker ist, kannst du die Mengenrichtung angeben (die stärkere Seite gewinnt bei der Menge).
Wie stark reagieren Preis und Menge?
Das hängt von der Größe des Schocks und von den Elastizitäten ab (Abschnitt 7):
Einfach erklärt: Kommt zu einem Festival plötzlich ein Drittel mehr Publikum, steigt der Preis für Bier kaum, wenn die Stände einfach mehr Fässer ausschenken können. Hat ein Seehotel nur 40 Zimmer, steigt der Zimmerpreis dagegen kräftig, denn die Menge kann nicht ausweichen.
VertiefungDerselbe Schock bei steiler und flacher Nachfrage
Das Angebot des Fahrradverleihs sinkt um 12 Räder, . Wir vergleichen zwei Nachfragekurven, die beide durch den Punkt gehen:
| Nachfrage | Neuer Preis | Neue Menge |
|---|---|---|
| steil: | 10 (+2) | 40 (−4) |
| flach: | 9,2 (+1,2) | 36,8 (−7,2) |
Lesen: Bei der flachen (elastischeren) Nachfrage steigt der Preis weniger, dafür bricht die Menge stärker ein. Bei der steilen (unelastischeren) Nachfrage ist es umgekehrt. Das passt zum Grundsatz: Wer wenig auf Preise reagiert, „schluckt" den Schock im Preis.
Lesehilfe auf der Grafik: Verschiebst du die Angebotskurve nach links, wandert der Schnittpunkt auf der Nachfragekurve nach oben. Auf einer steilen Kurve geht es weit nach oben, aber nur wenig nach links. Auf einer flachen Kurve ist es umgekehrt.
Überraschender Umsatzeffekt
D (unelastisch)S₀S₁ (gute Ernte)P₀P₁Preis fällt
starkMenge steigt kaumPreis PMenge QBei unelastischer Nachfrage kann ein positiver Angebotsschock den Umsatz () senken. Umgekehrt kann ein negativer Angebotsschock den Umsatz der Anbieter erhöhen.
Rechenbeispiel Erdäpfelernte
Die Nachfrage nach Erdäpfeln ist unelastisch. Eine Rekordernte lässt den Preis von 1,00 € auf 0,70 € je kg fallen, die verkaufte Menge steigt von 100 auf nur 110 kg.
Ergebnis: Trotz Rekordernte nehmen die Bauern insgesamt weniger ein.
Prüfungsfalle: „Mehr Angebot bedeutet immer mehr Umsatz für die Anbieter" ist falsch. Bei unelastischer Nachfrage sinkt der Umsatz.
VertiefungSchocks genau berechnen (log-lineares Modell)
Mit Logarithmen lässt sich genau ausrechnen, um wie viel Prozent Preis und Menge auf einen Schock reagieren. Man braucht dafür nur die beiden Elastizitäten.
In Worten: Angebot und Nachfrage in Logarithmen. Die Zahlen vor ln P sind die Elastizitäten. Ein Schock ändert die Konstante c: Steigt c um 0,01, verschiebt sich die Kurve um etwa 1 %.
Die Ergebnisse in Worten – das reicht für die meisten Aufgaben:
| Schock | Preis ändert sich um … | Menge ändert sich um … |
|---|---|---|
| Nachfrage +1 % | ||
| Angebot +1 % |
So merkst du es dir:
Rechenbeispiel Nachfrage steigt um 9 %
Angebotselastizität , Nachfrageelastizität . Summe = 3.
Weil das Angebot elastisch ist, landet der größere Teil des Schocks in der Menge.
Rechenbeispiel Angebot sinkt um 6 %
Gleiche Elastizitäten: , . Summe = 3.
Probe: Der Preis steigt um 2 %, die Nachfrage mit sinkt dadurch um 2 %. Das passt zur Mengenänderung.
Woher die Formeln kommen (zwei Zeilen): Im Gleichgewicht gilt . Ein Nachfrageschock hebt an, also muss neu aufgehen, und das ergibt . Eine Erhöhung von um 1 % verschiebt den Zähler um 1 % und damit um .
7 Die Preiselastizität der Nachfrage ★★★
Die Elastizität ist das Herzstück dieses Kapitels. Sie sagt, wie stark die Menge auf eine Preisänderung reagiert.
Preis PMenge Qelastisch: |ε| > 1|ε| = 1 (Mitte)unelastisch: |ε| < 1DPreisreaktion oder Elastizität?
In Worten: Um wie viel Prozent ändert sich die gekaufte Menge, wenn der Preis um 1 % steigt? Das Ergebnis ist fast immer negativ, deshalb schaut man meist auf den Betrag.
Beispiel ansehen
Ein Café senkt den Absatz seiner Tageskarte: Der Preis steigt von 8 € auf 10 €, die Menge fällt von 50 auf 45 Stück.
Umsatz: vorher €, nachher €. Die Preiserhöhung hat sich gelohnt.
Die Elastizität wird auch mit bezeichnet. Für sehr kleine Änderungen schreibt man sie mit der Ableitung: .
VertiefungWarum Prozent und wie die Formel entsteht
Der Einheitentest: Ein Kaffee kostet 3 €, bei 3,30 € werden statt 100 nur 95 Tassen verkauft. Rechnest du in Cent (300 → 330), wäre statt 0,30, und wird 100-mal kleiner, obwohl sich am Verhalten der Kundschaft nichts geändert hat. Die Prozentrechnung schluckt solche Einheiten, daher ist die Elastizität vergleichbar.
Umformen der Formel: Die Prozentänderungen sind und . Teilt man sie, entsteht der Doppelbruch , und der lässt sich umstellen zu . Der erste Faktor ist die Preisreaktion (Steigung), der zweite das Verhältnis von Preis zu Menge im Ausgangspunkt.
Das Ergebnis in Worten lesen:
Warum meist der Betrag zählt: Die Nachfrage fällt, also ist fast immer negativ. Man vergleicht deshalb mit 1. Das Vorzeichen allein sagt in diesem Fall nichts Neues.
Achtung bei der Ausgangsbasis: Prozentänderungen beziehen sich auf den alten Wert. Im Beispiel: , nicht .
Einteilung nach dem Betrag
| Betrag | Bezeichnung | Bedeutung |
|---|---|---|
| elastisch | Menge reagiert stärker als der Preis | |
| einheitselastisch | Menge reagiert genau gleich stark | |
| unelastisch | Menge reagiert schwächer als der Preis | |
| vollkommen unelastisch | senkrechte Kurve | |
| vollkommen elastisch | waagrechte Kurve |
Die beiden Grenzfälle
vollkommen elastisch: |ε| = ∞Schon eine kleine Preiserhöhung:
Menge fällt auf nullvollkommen unelastisch: ε = 0Menge bleibt gleich,
egal wie hoch der PreisDDPQPQVertiefungGrafik-Lesehilfen für die Grenzfälle
Senkrechte Nachfrage (): Die Menge ist fix. Verschiebt sich das Angebot, ändert sich nur der Preis, die Menge bleibt gleich. Nimmt das Angebot ab, steigt der Preis oft stark, der Erlös der Anbieter steigt mit.
Waagrechte Nachfrage (): Der Preis ist fix. Verschiebt sich das Angebot, ändert sich nur die Menge, der Preis bleibt gleich. Das ist die Situation einer einzelnen Firma im vollkommenen Wettbewerb: Sie kann beliebig viel zum Marktpreis verkaufen, aber nichts zu einem höheren.
Fließende Übergänge: Je flacher die Kurve in einem Punkt, desto elastischer die Nachfrage dort, je steiler, desto unelastischer (bei gleichem Punkt, siehe Falle bei der Geraden). Für die Nachfrage der gesamten Branche ist die Kurve meist steiler als für die einzelne Firma, weil Kunden zwischen Firmen leichter wechseln als zwischen ganzen Gütern.
Wovon die Elastizität abhängt
Die Nachfrage ist umso elastischer, je mehr davon zutrifft:
Empirische Schätzungen schwanken stark nach Gut, Markt, Zeitraum und Methode. Grob gilt: Güter mit wenig Ersatz und hoher Notwendigkeit (Strom, Heizen) reagieren schwach, Güter mit vielen Alternativen (Softdrinks, Flugreisen) stärker.
8 Elastizität und Erlös ★★★
Der Erlös hängt direkt von der Elastizität ab. Dazu kommt die Bogenelastizität für größere Preissprünge.
Elastizität und Erlös
Das ist ein sehr beliebter Aufgabentyp. Der Erlös (Umsatz) ist Preis mal Menge, und bei einer Preisänderung wirken zwei Kräfte gegeneinander.
In Worten: Der Erlös ist der Preis mal die verkaufte Menge. Sinkt der Preis, bekommt man weniger pro Stück, verkauft aber mehr Stück. Welche Kraft gewinnt, entscheidet die Elastizität.
Beispiel ansehen
Eine Eisdiele senkt den Preis von 2,00 € auf 1,50 € (−25 %), die Menge steigt von 100 auf 150 Kugeln (+50 %).
Ergebnis: Bei elastischer Nachfrage steigt der Erlös durch die Preissenkung.
| Bei einer Preissenkung | Erlös |
|---|---|
| elastisch () | steigt |
| einheitselastisch () | bleibt gleich (Maximum) |
| unelastisch () | fällt |
Bei einer Preiserhöhung gilt genau das Umgekehrte. Merksatz: Der Erlös ist dort maximal, wo .
Prüfungsfalle: Bei unelastischer Nachfrage erhöht eine Preiserhöhung den Erlös, bei elastischer Nachfrage senkt sie ihn.
VertiefungErlösänderung schnell ausrechnen und das Maximum herleiten
Die Schnellformel: Weil , addieren sich bei kleinen Änderungen die Prozentänderungen ungefähr: . Mit wird daraus:
In Worten: Der Erlös ändert sich ungefähr um (1 plus Elastizität) mal die Preisänderung. Ist die Elastizität unter −1, dreht sich das Vorzeichen.
Beispiel ansehen
Ein Wiener Kino erhöht den Preis um 10 %.
Ergebnis: Bei unelastischer Nachfrage lohnt sich die Preiserhöhung, bei elastischer verliert das Kino Erlös.
Herleitung des Maximums bei einer Geraden: Für ist . Die Ableitung ergibt und . Das ist genau der Punkt .
Der Gedanke dahinter: Oberhalb dieses Punkts bringt eine Preissenkung mehr zusätzliche Käufer, als sie an Preis kostet. Unterhalb bringt eine weitere Senkung weniger Käufer, als sie kostet. Der Erlös steigt also bis zum Punkt und sinkt danach.
Wichtig: Das Erlösmaximum ist nicht automatisch das Gewinnmaximum. Der Gewinn berücksichtigt auch die Kosten (siehe Kapitel zu Kosten und Gewinnmaximierung).
Bogenelastizität
In Worten: Wie die normale Elastizität, aber mit dem Durchschnitt aus altem und neuem Preis bzw. alter und neuer Menge. So kommt dasselbe heraus, egal ob man von „vorher" oder „nachher" aus rechnet.
Beispiel ansehen
Wie oben: Preis 8 → 10, Menge 50 → 45.
Auch hier unelastisch. Das Ergebnis ist nur etwas genauer als −0,4.
9 Lineare und log-lineare Nachfrage ★★★
Die Form der Nachfragefunktion entscheidet, was entlang der Kurve konstant bleibt: die Steigung oder die Elastizität.
Die Falle bei der Geraden
Bei einer geraden Nachfragekurve ist die Steigung überall gleich, die Elastizität aber nicht. Oben (hoher Preis, kleine Menge) ist sie elastisch, genau in der Mitte gilt , unten (niedriger Preis, große Menge) ist sie unelastisch.
Grund: In der Formel bleibt gleich, aber das Verhältnis ändert sich entlang der Kurve stark.
In Worten: Bei einer Geraden ist die Steigung konstant (der Wert b), die Elastizität wächst aber mit dem Verhältnis von Preis zu Menge.
Beispiel ansehen
Nachfrage (Höchstpreis 30, größte Menge 60).
Ergebnis: Die Steigung bleibt gleich, die Elastizität sinkt von −5 auf −0,2. Der Erlös ist bei am größten.
Prüfungsfalle: „Steile Kurve heißt unelastisch" stimmt nur beim Vergleich im selben Punkt. Gehen zwei Kurven durch denselben Punkt, ist dort die flachere elastischer. Bei verschiedenen Preisen und Mengen sagt die Steigung allein nichts.
VertiefungElastizität an den Enden und in der Mitte einer Geraden
Mit dem Höchstpreis lässt sich die Elastizität an jedem Punkt der Geraden direkt aus dem Preis ablesen: .
Das siehst du an : Setzt man in ein, kürzt sich weg.
| Lage auf der Geraden | Elastizität |
|---|---|
| beim Höchstpreis (Menge nahe 0) | nahe , sehr elastisch |
| bei halbem Höchstpreis | genau |
| bei Preis nahe 0 (große Menge) | nahe 0, sehr unelastisch |
Zur Probe mit (): Bei ist , bei ist , bei ist . Das stimmt mit den Werten oben überein.
Lesehilfe: Was passiert auf der Grafik, wenn du die Gerade nach rechts verschiebst? Sie bleibt parallel (gleiche Steigung ), der Höchstpreis steigt aber. Der Mittelpunkt mit wandert mit nach oben und rechts. Bei gleichem Preis ist die verschobene Kurve unelastischer als die alte, weil dort die Menge größer und das Verhältnis kleiner ist.
Log-lineare (isoelastische) Nachfrage
In Worten: Die Zahl vor ln P ist direkt die Elastizität, und zwar überall auf der Kurve gleich.
Beispiel ansehen
Nachfrage:
Die Näherung gilt für kleine Änderungen. Bei großen Preissprüngen weicht das Ergebnis etwas ab.
| Gerade Nachfrage | Log-lineare Nachfrage | |
|---|---|---|
| Formel | ||
| Steigung | überall gleich | ändert sich |
| Elastizität | ändert sich | überall gleich |
10 Weitere Elastizitäten und der Faktor Zeit ★★
Neben dem eigenen Preis wirken auch Einkommen und fremde Preise. Außerdem hängt alles vom Zeithorizont ab.
Einkommenselastizität
In Worten: Um wie viel Prozent ändert sich die Nachfrage, wenn das Einkommen um 1 % steigt?
Beispiel ansehen
Das Einkommen steigt um 10 %, die Nachfrage nach Restaurantbesuchen um 15 %.
1,5: positiv und über 1, also normales Gut und sogar Luxusgut.
Würde die Nachfrage nach Instantnudeln dabei um 5 % sinken: , also ein inferiores Gut.
Kreuzpreiselastizität
In Worten: Wie reagiert die Nachfrage nach einem Gut, wenn ein anderes Gut teurer wird?
Beispiel ansehen
Kaffee wird 10 % teurer, die Nachfrage nach Tee steigt um 4 %.
+0,4: positiv, also Substitute.
Smartphones werden 10 % teurer, die Nachfrage nach Hüllen sinkt um 3 %: , negativ, also Komplemente.
Vorzeichen merken: positiv = Substitute, negativ = Komplemente, ungefähr null = unabhängige Güter.
Preiselastizität des Angebots
In Worten: Um wie viel Prozent mehr bieten die Firmen an, wenn der Preis um 1 % steigt? Das Ergebnis ist normalerweise positiv.
Beispiel ansehen
Der Preis für Brot steigt um 5 %, die Bäckerei liefert 10 % mehr.
2: Das Angebot ist elastisch.
Das Angebot ist umso elastischer, je mehr freie Kapazitäten da sind, je besser sich das Gut lagern lässt, je beweglicher die Produktionsfaktoren sind, je schneller sich die Produktion anpassen lässt und je länger der Zeithorizont ist.
Wofür man Elastizitäten braucht: für die Preissetzung von Unternehmen, für Umsatzwirkungen, für die Reaktion von Märkten auf Schocks, für Steuern (Einnahmen, Verteilung der Last) und für den Außenhandel.
VertiefungAngebotselastizität: Sonderfälle und Rechnung
Senkrechtes Angebot (): Die Menge ist fix, egal wie hoch der Preis ist. Beispiel: die Sitzplätze eines ausverkauften Stadions am Spieltag oder die Wohnungen einer Stadt im nächsten Monat.
Waagrechtes Angebot (): Zum gegebenen Preis wird beliebig viel angeboten, bei einem niedrigeren Preis nichts. Das ist eine Näherung für sehr langfristige Märkte mit gleichbleibenden Kosten.
Beispiel für die Rechnung: Das Angebot lautet . Bei ist .
0,73. Das Angebot ist hier unelastisch. Bei einem höheren Preis, z. B. (), ist . Der Wert ändert sich entlang der Kurve, nähert sich aber 1.
Merke: Eine Angebotskurve, die im Ursprung beginnt (z. B. ), hat überall .
Kurz- und langfristige Elastizitäten
| Fall | Kurzfristig | Langfristig |
|---|---|---|
| Nachfrage, Normalfall | unelastischer | elastischer |
| Nachfrage, langlebige Güter | elastischer | unelastischer |
| Angebot, Normalfall | unelastischer | elastischer |
| Angebot mit Zweitangebot | elastischer | unelastischer |
Prüfungsfalle: Dass die Nachfrage langfristig elastischer ist, gilt für den Normalfall, nicht für langlebige Güter.
11 Preisregulierung: Höchst- und Mindestpreis ★★
Der Staat kann den Preis nach oben oder unten begrenzen. Nur ein bindender Eingriff wirkt, also einer, der den Marktpreis tatsächlich verändert.
Höchstpreis
Preis PMenge QNachfrage DAngebot SHöchstpreisKnappheit (Überschussnachfrage)P*PmaxQˢQ*QᴰEin gesetzlicher Höchstpreis unter dem Gleichgewicht (z. B. ein Mietpreisdeckel):
Rechenbeispiel Höchstpreis beim Fahrradverleih
Wie oben: , , Gleichgewicht , .
Der Staat setzt einen Höchstpreis von 5 fest.
VertiefungWer verliert beim Höchstpreis und wie wirkt Zeit?
Nicht gehandelte Geschäfte: Ohne Deckel würden 44 Räder zu 8 € vermietet. Mit dem Deckel bei 5 € nur 32. Die 12 Räder dazwischen wären für beide Seiten ein gutes Geschäft gewesen (die Zahlungsbereitschaft der Kundschaft liegt über den Kosten). Sie finden nicht mehr statt. Diese verlorenen Geschäfte nennt man Effizienzverlust.
Wer bekommt das knappe Gut? Der Preis ordnet nicht mehr zu. Stattdessen entscheiden Wartezeit, Beziehungen, Losglück oder Zufall. Das Gut geht nicht mehr unbedingt an die, die es am dringendsten wollen.
Nicht bindender Höchstpreis: Läge der Deckel bei 10 € (über dem Gleichgewicht von 8 €), würde nichts passieren. Nachfrage und Angebot bei 10 € liegen im Gleichgewicht nicht weit weg, der Preis bleibt bei 8 €.
Zusammenhang zur Elastizität: Je elastischer Angebot und Nachfrage sind, desto größer ist die Knappheit bei gleichem Deckel. Weil beide Seiten langfristig elastischer werden, wächst die Knappheit mit der Zeit. Im Beispiel: Würde das Angebot langfristig flacher (), läge es bei nur noch bei 20, die Knappheit stiege von 18 auf 30.
Qualität statt Preis: Wenn Vermieter nicht mehr verlangen dürfen, was der Markt hergeben würde, sparen sie an Instandhaltung. Die Qualität sinkt, weil die Anbieter über die Menge hinaus auch über den Aufwand entscheiden.
Mindestpreis
Überschuss (Angebot > Nachfrage)MindestpreisQᴰQˢQ*PminP*Nachfrage DAngebot SPreis PMenge QEin gesetzlicher Mindestpreis über dem Gleichgewicht (z. B. ein Mindestlohn im einfachen Modell):
Rechenbeispiel Mindestpreis beim Fahrradverleih
Gleiche Funktionen. Der Staat setzt einen Mindestpreis von 11 fest.
Prüfungsfalle: Ein Höchstpreis wirkt nur unter dem Gleichgewichtspreis, darüber ist er wirkungslos. Beim Mindestpreis ist es umgekehrt: Nur ein Mindestpreis über dem Gleichgewicht wirkt.
VertiefungMindestpreis und Mindestlohn genauer
Wer gewinnt, wer verliert? Die Beschäftigten, die zum höheren Preis (Lohn) weiter arbeiten, gewinnen. Die, die ihre Stelle verlieren oder gar nicht erst eine finden, verlieren. Auch die Käufer (Arbeitgeber) verlieren, weil sie zu einem höheren Preis weniger bekommen.
Verbindung zum Erlös: Ist die Nachfrage nach dem Gut unelastisch, sinkt die gehandelte Menge nur wenig, und die Gesamteinnahmen der Anbieterseite (Preis mal gehandelte Menge) können durch den Mindestpreis sogar steigen. Bei elastischer Nachfrage bricht die Menge stark ein, und die Gesamteinnahmen sinken. Im Mindestlohnbeispiel: Wie stark die Gesamtlohnsumme steigt oder fällt, hängt davon ab, wie elastisch die Arbeitsnachfrage der Firmen ist.
Rechnung im Beispiel: Gleichgewicht: € Gesamtausgaben. Mindestpreis 11: €. Die Gesamtausgaben steigen, weil die Nachfrage in diesem Bereich unelastisch ist (E bei , : ).
Unterschied zur Realität: Das einfache Modell setzt vollkommenen Wettbewerb und gleiche Arbeitskräfte voraus. In der Praxis kann der Effekt auf die Beschäftigung kleiner (oder bei Marktmacht der Arbeitgeber sogar anders) ausfallen. Das ist eine Frage der Daten und gehört zur positiven Analyse.
12 Anwendung: ein einfaches Modell des Mietwohnungsmarkts ★★
Ein einfaches Modell zeigt, wie viel sich mit Angebot und Nachfrage erklären lässt, auch über Effizienz.
Annahmen und Gleichgewicht
Reservationspreis: der höchste Preis, den ein Haushalt für eine Innenstadtwohnung zu zahlen bereit ist. Je höher die Miete, desto weniger Haushalte wollen eine, daher fällt die Nachfragekurve.
Angebot: Kurzfristig ist die Zahl der Innenstadtwohnungen fix, die Angebotskurve ist senkrecht.
Gleichgewicht: Die Miete entspricht dem Reservationspreis des marginalen Haushalts, also des letzten, der gerade noch eine Wohnung bekommt. Die Wohnungen gehen an die Haushalte mit den höchsten Zahlungsbereitschaften. Das Ergebnis ist pareto-effizient (Grundprinzipien #7 und #8).
Was passiert bei Änderungen?
| Situation | Ergebnis | Pareto-effizient? |
|---|---|---|
| Wettbewerbsmarkt | Miete = Reservationspreis des marginalen Haushalts | ja |
| Ein Vermieter besitzt alle Wohnungen (Monopol) | höhere Miete, Wohnungen bleiben leer | nein |
| Monopolist verlangt von jedem dessen Reservationspreis | alle vermietet, Vorteil beim Vermieter | ja |
| Bindender Höchstpreis | Knappheit, Zuteilung nicht mehr nach Zahlungsbereitschaft | in der Regel nein |
| Mehr Wohnungen | Angebot rechts, Miete sinkt | ja |
| Steuer auf Vermietung | Miete unverändert, Vermieter tragen sie | ja |
Warum trägt bei fixem Angebot der Vermieter die Steuer? Er kann nicht ausweichen, die Zahl der Wohnungen bleibt gleich, und die Mieter zahlen weiterhin höchstens ihren Reservationspreis. Weil sich die Menge nicht ändert, entsteht auch keine Verzerrung.
Prüfungsfalle: „Bei fixem Angebot wird eine Steuer auf Vermietung voll an die Mieter weitergegeben" ist falsch. Bei senkrechter Angebotskurve tragen die Anbieter die ganze Steuer.
VertiefungMonopol-Vermieter und Steuer in Zahlen
Rechenbeispiel Warum der Monopolist Wohnungen leer lässt
Es gibt 8 Wohnungen und 8 Haushalte mit den Reservationspreisen 900, 700, 550, 450, 400, 350, 280 und 250 €. Alle Wohnungen gehören einer Vermieterin.
| Verlangte Miete | Vermietet | Einnahmen |
|---|---|---|
| 250 € | 8 | 2.000 € |
| 280 € | 7 | 1.960 € |
| 350 € | 6 | 2.100 € |
| 400 € | 5 | 2.000 € |
Ergebnis: Die Vermieterin verlangt 350 € und lässt zwei Wohnungen leer. Im Wettbewerb wären alle 8 vermietet worden (zu 250 €). Die zwei Haushalte mit 280 und 250 € würden mehr zahlen, als die Vermietung die Vermieterin kostet. Dieses Geschäft kommt nicht zustande: nicht pareto-effizient.
Der Sonderfall der perfekten Preisdiskriminierung: Kann die Vermieterin von jedem Haushalt genau dessen Reservationspreis verlangen, vermietet sie alle Wohnungen, es bleibt keine leer. Das Ergebnis ist pareto-effizient, nur der ganze Vorteil liegt bei der Vermieterin. Effizienz und Verteilung sind eben zwei verschiedene Fragen.
Die Steuer in Zahlen: Bei fixem Angebot (z. B. 3 Wohnungen) bleibt die Miete bei 700 €, solange die Haushalte höchstens ihren Reservationspreis zahlen. Eine Steuer von 50 € pro Wohnung lässt die Vermieter netto nur noch 650 € behalten. Mieter zahlen weiterhin 700 €, und es werden weiterhin alle 3 Wohnungen vermietet.
Warum das mit der Elastizität zusammenhängt: Die Steuer wird von der unelastischeren Marktseite getragen. Das Angebot ist hier völlig unelastisch (), also tragen die Vermieter alles.