VWL · Kapitel 1/8

Grundlagen, Grundprinzipien & PPF

Mikroökonomie17 Min. LesezeitRelevanz ★★★
Auf einen Blick
  • Knappheit zwingt zur Wahl; die wahren Kosten einer Entscheidung sind die Opportunitätskosten, also die beste aufgegebene Alternative.
  • Positive Aussagen beschreiben und sind prüfbar (auch wenn sie falsch sind); normative bewerten und beruhen auf Werturteilen.
  • Neun Grundprinzipien: #1 bis #4 betreffen Einzelentscheidungen (Wahl, Opportunitätskosten, marginal, Anreize), #5 bis #9 das Zusammenwirken.
  • Marginal entscheiden heißt Grenznutzen gegen Grenzkosten abwägen; Fixkosten und versunkene Kosten zählen dabei nicht.
  • Pareto-effizient heißt nicht gerecht; technische Effizienz ist Voraussetzung für ökonomische, aber nicht umgekehrt.
  • PPF: auf der Kurve effizient, innen ineffizient, außen unerreichbar; MRT = Betrag der Steigung = Opportunitätskosten von Gut 1.
  • Handel lohnt über komparative Vorteile (niedrigere Opportunitätskosten), auch wenn eine Seite bei allem absolut besser ist.
  • Realpreis = Nominalpreis × VPIBasisjahr/VPIt; ein Gut kann nominal teurer und real billiger sein.
Inhalt9 Abschnitte
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1 Knappheit, Allokation, Mikro und Makro ★★

Alles in der VWL beginnt bei der Knappheit. Wer die Grundbegriffe sauber auseinanderhält, spart sich später viele Fehler.

Knappheit und Allokation

Knappheit: Die verfügbaren Ressourcen reichen nicht aus, um alle gewünschten Verwendungen gleichzeitig zu erfüllen.

Ressourcen: alles, womit sich etwas anderes herstellen lässt – Arbeit, Kapital, Boden samt Rohstoffen, Zeit und Wissen (Humankapital).

Allokation: die Verteilung knapper Ressourcen auf ihre möglichen Verwendungen. Jede Entscheidung ist in diesem Sinn eine Allokationsentscheidung.

Volkswirtschaftslehre: untersucht, wie Güter unter Knappheit produziert, verteilt und konsumiert werden. Ein klassischer Satz dazu stammt von Lionel Robbins (1935): Es geht um menschliches Verhalten zwischen Zielen und knappen Mitteln, die man alternativ verwenden kann.

Einfach erklärt: Du hast pro Tag 24 Stunden. Jede Stunde im Kaffeehaus ist eine Stunde, die du nicht lernst, nicht arbeitest und nicht schläfst. Das ist Knappheit im Kleinen.

Mikro und Makro

MikroökonomieMakroökonomie
Einzelne Haushalte, Firmen, MärkteDie Volkswirtschaft als Ganzes
Preisbildung, MarktversagenWachstum, Inflation, Konjunktur
Reaktion auf PreisänderungenArbeitslosigkeit, Geld- und Fiskalpolitik

Einfach erklärt: Die Makroebene ist die Summe vieler Mikroentscheidungen. Kaufen viele Haushalte gleichzeitig weniger, sinkt die Gesamtnachfrage und damit das BIP.

Dieses Kapitel gehört zur Mikroökonomie. Ihre Methoden (Modelle und Statistik) lassen sich auch auf Fragen außerhalb von Märkten anwenden, etwa auf Familie, Bildung oder Kriminalität (bekannt dafür: Gary Becker).

2 Positive und normative Analyse, Modelle ★★

Wirtschaftswissenschaft arbeitet mit zwei Arten von Aussagen und mit bewusst vereinfachten Modellen. Beides gehört zum Handwerkszeug für jede spätere Aufgabe.

Positive und normative Analyse

Positive Analyse: beschreibt und erklärt, wie die Welt ist. Sie untersucht Ursache und Wirkung und ist grundsätzlich empirisch überprüfbar.

Normative Analyse: bewertet, wie die Welt sein sollte. Sie beruht auf Werturteilen und lässt sich nicht allein mit Daten entscheiden.

PositivNormativ
Eine Zuckersteuer senkt den Limonadenkonsum.Limonade sollte stärker besteuert werden.
Höhere Mieten verringern die Zahl der Interessenten.Mieten sollten für alle leistbar sein.

Faustregel: Wörter wie „sollte", „besser", „gerecht" oder „fair" deuten auf eine normative Aussage hin.

Prüfungsfalle: Eine positive Aussage kann auch falsch sein und bleibt trotzdem positiv. Entscheidend ist, ob man sie mit Daten prüfen könnte, nicht, ob sie stimmt.

VertiefungWie man Aussagen sicher einordnet

Stell dir bei jeder Aussage eine einzige Testfrage: Könnte ich sie mit Messdaten widerlegen?

„Der Mindestlohn hat in Region X die Beschäftigung um 2 % gesenkt." → Daten könnten das widerlegen: positiv (auch wenn sie falsch sein mag).
„Ein Mindestlohn ist ungerecht." → Kein Datensatz kann entscheiden, was gerecht ist: normativ.
„Wer nicht arbeiten will, sollte keine Unterstützung bekommen." → enthält ein „sollte": normativ.

Gemischte Aussagen: Viele Sätze enthalten beides, etwa „Weil Rauchen Kosten für andere verursacht, sollte es besteuert werden." Der erste Teil ist positiv, der zweite normativ. Aufgaben verlangen dann meist, die Teile getrennt zu betrachten.

Warum die Trennung wichtig ist: Zwei Menschen können sich über die positiven Fakten einig sein und trotzdem verschiedene Politik wollen, weil sie unterschiedliche Werte haben. Die positive Analyse liefert die Faktenbasis, die normative Analyse die Zielauswahl. Ökonom:innen können zu positiven Fragen mehr beitragen als zu normativen.

Modelle, ceteris paribus, Ökonometrie

Modell: eine bewusste Vereinfachung der Wirklichkeit auf Basis vereinfachender Annahmen, meist mathematisch formuliert und grafisch dargestellt. Es muss nicht realistisch sein, sondern Zusammenhänge erklären und gute Vorhersagen liefern.

Ceteris paribus („unter sonst gleichen Bedingungen"): Man verändert eine Einflussgröße und hält alle anderen fest. Nur so lässt sich eine Ursache-Wirkungs-Beziehung isolieren.

Ökonometrie: überprüft ökonomische Hypothesen mit statistischen Methoden und echten Daten.

Endogen: wird im Modell bestimmt (z. B. Gleichgewichtspreis und -menge). Exogen: kommt von außen und wird als gegeben angenommen (z. B. Einkommen, Wetter, Technologie).

Einfach erklärt: Eine U-Bahn-Karte lässt fast alles weg (Straßen, Häuser, echte Abstände) und ist trotzdem genau das, was du zum Umsteigen brauchst. So arbeiten Modelle.

VertiefungWie ein Modell gebaut und geprüft wird
1Annahmen treffen: Was ist wichtig, was lasse ich weg? (z. B. „Alle Kaffeetrinker mögen Kaffee gleich gern", „es gibt nur zwei Güter".)
2Beziehungen formulieren: in Worten, als Grafik oder als Gleichung (z. B. Menge hängt vom Preis ab).
3Vorhersagen ableiten: Was passiert, wenn sich eine exogene Größe ändert?
4Mit Daten prüfen: Passen die Vorhersagen zur Wirklichkeit? Wenn nicht, werden Annahmen verändert.

Der Wert eines Modells liegt also in der Prognosekraft, nicht im Realismus jeder Annahme. Ein Modell mit 100 Annahmen wäre vielleicht realistischer, aber unbrauchbar, weil niemand mehr durchblickt.

Zwei typische Denkfehler bei Ursache und Wirkung

Korrelation ist nicht Kausalität: Im Sommer steigen Eisverkäufe und Sonnenbrände gleichzeitig. Das Eis verursacht den Sonnenbrand aber nicht, beides hängt an der Hitze.
Umgekehrte Kausalität: Wer viele Nachhilfestunden nimmt, hat schlechtere Noten. Nicht die Nachhilfe macht schlecht, sondern schlechte Noten führen zu Nachhilfe.

Genau dafür brauchen Ökonom:innen die ceteris-paribus-Idee und die Ökonometrie: Sie versuchen, den einen Einfluss sauber von allen anderen zu trennen.

3 Grundprinzipien: Wie Einzelne entscheiden (#1 bis #4) ★★★

Das ökonomische Denken lässt sich in neun Grundprinzipien gliedern. Die ersten vier betreffen einzelne Personen und Firmen und tauchen später in jedem Kapitel wieder auf.

Nr.PrinzipKernaussage
#1KnappheitWahl ist unvermeidlich
#2OpportunitätskostenEchte Kosten = beste aufgegebene Alternative
#3Marginales DenkenGrenznutzen gegen Grenzkosten
#4AnreizeMan nutzt Chancen zur Besserstellung

#1 Knappheit zwingt zur Wahl

Weil Ressourcen begrenzt sind, bedeutet „mehr von A" immer „weniger von B". Ohne Knappheit gäbe es keine Ökonomie, denn niemand müsste sich entscheiden.

#2 Die wahren Kosten sind Opportunitätskosten

Opportunitätskosten: der Wert der besten Alternative, auf die du verzichtest, wenn du dich für etwas entscheidest.

Sie enthalten explizite Kosten (tatsächlich bezahltes Geld) und implizite Kosten (entgangene Möglichkeiten, z. B. Zeit).

Einfach erklärt: Ein Kinoabend kostet 10 € Ticket. Hättest du in den drei Stunden aber Nachhilfe für 15 € pro Stunde geben können, kostet der Abend in Wahrheit 10 € + 45 € = 55 €.

Prüfungsfalle: Gemeint ist der Wert der besten Alternative, nicht die Summe aller Alternativen.

VertiefungOpportunitätskosten Schritt für Schritt rechnen

So gehst du bei jeder Aufgabe vor:

1Alle Alternativen auflisten, die du hast.
2Jede bewerten (in Euro oder Nutzen).
3Die beste auswählen, die du nicht wählst. Ihr Wert sind die Opportunitätskosten.
4Zu den expliziten Kosten der gewählten Möglichkeit dazuzählen.
Rechenbeispiel Selbstständig oder angestellt?

Mara kann als Angestellte in einer Bäckerei 36.000 € im Jahr verdienen oder ein eigenes Café eröffnen. Im Café hat sie 60.000 € Einnahmen und bezahlt 30.000 € für Miete, Zutaten und Personal.

1Buchhalterischer Gewinn: 60.000−30.000=30.000 €
2Entgangenes Gehalt (implizite Kosten): 36.000 €
3Ökonomischer Gewinn: 30.000−36.000=−6.000 €

Ergebnis: Auf dem Papier sieht das Café nach 30.000 € Gewinn aus. Wirtschaftlich zahlt sich der Schritt aber nicht aus, weil die beste Alternative (die Anstellung) mehr gebracht hätte.

Merke: Opportunitätskosten sind subjektiv und situationsabhängig. Für eine Studentin mit viel Freizeit kostet ein Abend im Kino wenig, für jemanden mit gut bezahltem Nebenjob viel.

#3 Rationale Menschen denken marginal

Marginale Änderung: eine kleine Ausweitung oder Einschränkung einer Tätigkeit. Rational ist, sie vorzunehmen, wenn der Grenznutzen (Zusatznutzen) größer ist als die Grenzkosten (Zusatzkosten).

Einfach erklärt: Die dritte Kugel Eis bringt dir 1,50 € Freude, kostet aber 1,80 €. Du lässt sie weg, auch wenn die ersten beiden Kugeln super waren.

Nicht direkt relevant für die Entscheidung über „noch eine Einheit" sind:

versunkene Kosten (bereits bezahlt, nicht mehr rückholbar),
Fixkosten (fallen unabhängig von der Menge an),
Durchschnittskosten (der Mittelwert sagt nichts über die nächste Einheit).

Prüfungsfalle: „Bei der Entscheidung über eine zusätzliche Einheit zählen die Fixkosten" ist falsch. Entscheidend sind Grenznutzen und Grenzkosten.

VertiefungVersunkene Kosten und die Eisdiele in Zahlen

Versunkene Kosten sind schon bezahlt und kommen nicht zurück, egal, wie du dich jetzt entscheidest. Deshalb dürfen sie die Entscheidung nicht beeinflussen.

Einfach erklärt: Du hast eine Konzertkarte um 40 € gekauft, wirst aber krank. Ob du trotzdem hingehst, soll nur davon abhängen, ob dir der Abend mehr wert ist als das, was du sonst tun könntest. Die 40 € sind weg, ob du gehst oder nicht.

Rechenbeispiel Wie viele Kugeln?

Der Zusatznutzen einer Kugel sinkt mit jeder weiteren, eine Kugel kostet 1,80 €.

KugelZusatznutzenKaufen?
1.3,00 €ja
2.2,20 €ja
3.1,50 €nein

Ergebnis: Du kaufst zwei Kugeln. Bei der dritten ist der Grenznutzen (1,50 €) kleiner als die Grenzkosten (1,80 €). Wichtig: Der Durchschnittsnutzen der ersten drei Kugeln (rund 2,23 €) wäre höher als der Preis, trotzdem wäre die dritte ein Verlustgeschäft.

Marginal heißt „am Rand": Man entscheidet nie über „alles oder nichts", sondern immer über noch ein bisschen mehr oder weniger. Das ist der Grundgedanke hinter fast allen späteren Optimierungsaufgaben (Gewinnmaximum, Nutzenmaximum): Man geht so weit, bis Grenznutzen und Grenzkosten gleich sind.

#4 Menschen reagieren auf Anreize

Anreiz: die Aussicht auf eine Besserstellung (mehr Nutzen oder weniger Kosten), die eine Verhaltensänderung auslöst.

Menschen nutzen solche Chancen, bis sie ausgeschöpft sind. Dieses Verhalten ist die Grundlage der Modelle von Nutzenmaximierung (Haushalte) und Gewinnmaximierung (Unternehmen). Ein Beispiel: Wird für Flaschen ein Pfand verlangt, werden mehr Flaschen zurückgebracht.

4 Grundprinzipien: Wie Entscheidungen zusammenwirken (#5 bis #9) ★★★

Hier geht es um das Zusammenspiel vieler Entscheidungen auf Märkten und um die Rolle des Staates.

Nr.PrinzipKernaussage
#5HandelBeide Seiten gewinnen
#6GleichgewichtMärkte streben dorthin
#7EffizienzKnappes sparsam einsetzen
#8MärkteMeist effizient
#9MarktversagenStaat kann helfen

#5 Handel führt zu Gewinnen

Handel ist normalerweise eine Win-win-Situation, zwischen Personen, innerhalb eines Landes und zwischen Ländern. Nach der Theorie der komparativen Vorteile (David Ricardo) lohnt er sich sogar, wenn eine Seite bei allem absolut besser ist (mehr dazu in Abschnitt 6).

Gewinne entstehen durch Spezialisierung und Austausch, größere Produktvielfalt sowie Wissenstransfer und stärkeren Wettbewerb.

#6 Märkte tendieren zum Gleichgewicht

Gleichgewicht: ein Zustand, in dem niemand einen Anreiz hat, sein Verhalten zu ändern.

Auf Märkten bedeutet das meist, dass ein Preis erreicht ist, bei dem Angebot gleich Nachfrage ist. Abweichungen werden meist über Preisänderungen abgebaut (Details im Kapitel Angebot und Nachfrage).

#7 Ressourcen sollen effizient eingesetzt werden

Technische Effizienz: maximaler Output aus gegebenen Inputs oder minimaler Input für einen gegebenen Output. Es wird nichts verschwendet.

Ökonomische Effizienz: minimale Kosten für einen gegebenen Output oder maximaler Output bei gegebenen Kosten. Hier kommen die Faktorpreise ins Spiel.

Pareto-Effizienz: Niemand kann bessergestellt werden, ohne dass jemand anderer schlechtergestellt wird.

Einfach erklärt: Bekommt eine Person die ganze Torte, ist das pareto-effizient: Jedes Stück, das du jemand anderem gibst, fehlt ihr. Gerecht ist es trotzdem nicht. Darum gibt es oft einen Zielkonflikt (Trade-off) zwischen Effizienz und Gleichheit, und Verteilungsfragen sind normativ.

Prüfungsfalle: Pareto-effizient heißt nicht gerecht.
Prüfungsfalle: Technische Effizienz ist Voraussetzung für ökonomische Effizienz, aber nicht umgekehrt. Eine Bäckerei kann technisch effizient arbeiten und trotzdem zu teuer, wenn sie zu viele teure Arbeitskräfte statt günstiger Maschinen einsetzt.

VertiefungPareto-Verbesserung und Verteilung genauer

Pareto-Verbesserung: Eine Änderung, bei der mindestens eine Person besser dasteht und niemand schlechter. Gibt es noch eine Pareto-Verbesserung, ist die Lage nicht pareto-effizient. Gibt es keine mehr, ist sie es.

Rechenbeispiel Tauschen macht beide besser

Eva hat zwei Äpfel und mag lieber Birnen. Tim hat zwei Birnen und mag lieber Äpfel. Sie tauschen je einen Apfel gegen eine Birne und sind beide zufriedener.

Ergebnis: Das war eine Pareto-Verbesserung. Nach dem Tausch gibt es keine weitere, die Lage ist pareto-effizient.

Viele effiziente Punkte: Pareto-Effizienz ist kein einzelner Punkt, sondern es gibt viele effiziente Verteilungen. Die ganze Torte für Anna, die ganze Torte für Ben oder zwei Hälften: alle sind effizient. Welche man wählt, ist eine Frage der Gerechtigkeit und damit normativ.

Warum Umverteilung Effizienz kosten kann: Wer Einkommen umverteilt (etwa über Steuern), verändert Anreize. Ein Teil des Kuchens kann dabei „verloren gehen" (weniger Arbeit, Ausweichen). Das ist der Zielkonflikt zwischen Effizienz und Gleichheit. Wie viel Ungleichheit man in Kauf nimmt, ist wieder normativ.

#8 Märkte führen normalerweise zu effizienten Ergebnissen

Adam Smith nannte es die unsichtbare Hand (1776): Wer sein Eigeninteresse verfolgt, fördert über Preise oft ungewollt das Gesamtwohl. Zentrale Voraussetzung ist vollkommener Wettbewerb.

Auch bei unvollkommenem Wettbewerb koordinieren Märkte wirtschaftliche Aktivitäten meist ziemlich gut.

#9 Bei Marktversagen kann der Staat die Wohlfahrt erhöhen

Marktversagen: Das Marktergebnis ist nicht pareto-effizient, es bleiben also Möglichkeiten zur Besserstellung ungenutzt.

Typische Ursachen:

Marktmacht (z. B. ein Monopol),
Externalitäten (Kosten oder Nutzen bei Unbeteiligten),
öffentliche Güter,
asymmetrische Information.

Staatsversagen: Ein Eingriff verschlechtert das Ergebnis statt es zu verbessern.

Prüfungsfalle: „Bei Marktversagen verbessert ein Staatseingriff das Ergebnis immer" ist falsch. Er kann es, Staatsversagen ist aber möglich.

VertiefungDie vier Ursachen mit eigenen Beispielen
Marktmacht: Die einzige Apotheke im Tal kann einen höheren Preis verlangen und weniger verkaufen, als bei Wettbewerb. Es bleibt ein Gewinn aus Handel ungenutzt.
Externalität: Eine Druckerei verursacht Lärm und Abgase für die Nachbarschaft. Die Kosten tragen Unbeteiligte, im Preis der Druckerzeugnisse stecken sie nicht, es wird zu viel gedruckt.
Öffentliches Gut: Ein Feuerwerk am Stadtfest sieht jeder, auch wer nichts bezahlt hat. Niemand zahlt freiwillig, also gibt es zu wenig davon.
Asymmetrische Information: Wer ein Gebrauchtauto verkauft, kennt dessen Mängel besser als der Käufer. Der Käufer misstraut und zahlt weniger, gute Autos kommen gar nicht erst auf den Markt.

Warum Staatsversagen möglich ist: Behörden haben ebenfalls begrenzte Informationen, folgen selbst Anreizen und können falsch eingreifen. Ob ein Eingriff lohnt, hängt davon ab, ob der Nutzen die Kosten (inklusive Verzerrungen) übersteigt.

5 Die Produktionsmöglichkeitenkurve (PPF) ★★★

Die PPF macht Knappheit (#1), Opportunitätskosten (#2) und Effizienz (#7) in einem einfachen Bild sichtbar.

Produktionsmöglichkeitenkurve: zeigt alle Kombinationen zweier Güter, die eine Volkswirtschaft mit gegebenen Ressourcen und gegebener Technologie höchstens herstellen kann.

Lage des PunktesBedeutung
auf der Kurvetechnisch effizient
innerhalbtechnisch ineffizient, Ressourcen liegen brach
außerhalbnicht erreichbar
Links: Punkte auf, innerhalb und außerhalb der PPF. Rechts: Mehr Ressourcen verschieben die ganze Kurve nach außen; Fortschritt nur bei Gut 1 dreht sie auf der Achse von Gut 1 nach außen.A: effizientB: ineffizientC: nicht erreichbarheutemehr Ressourcengepunktet: Fortschritt nur bei Gut 1Gut 2Gut 1Gut 2Gut 1
← Grafik seitlich wischen →
Links: Punkte auf, innerhalb und außerhalb der PPF. Rechts: Mehr Ressourcen verschieben die ganze Kurve nach außen; Fortschritt nur bei Gut 1 dreht sie auf der Achse von Gut 1 nach außen.

Grenzrate der Transformation (MRT)

Grenzrate der Transformation (MRT): der Betrag der Steigung der PPF. Sie misst die Opportunitätskosten von Gut 1, ausgedrückt in Einheiten von Gut 2.

FormelGrenzrate der Transformation
MRT=∣ΔQ2ΔQ1∣

In Worten: Wie viele Einheiten von Gut 2 muss ich aufgeben, um eine Einheit mehr von Gut 1 zu bekommen?

Q1,Q2 = Mengen von Gut 1 und Gut 2Δ = Änderung
Beispiel ansehen

Eine Bäckerei hat 60 Arbeitsstunden am Tag. Ein Brot braucht 1 Stunde, ein Kuchen 2 Stunden.

Nur Brot: höchstens 60/1=60 Stück
Nur Kuchen: höchstens 60/2=30 Stück
Die PPF ist hier eine Gerade: Q1+2Q2=60
MRT=30/60=0,5

Ergebnis: Ein zusätzliches Brot kostet 0,5 Kuchen. Umgekehrt kostet ein Kuchen 2 Brote.

Rechenbeispiel Punkte im Vergleich (gleiche Bäckerei)
(40 Brot, 10 Kuchen): braucht 40+20=60 Stunden, liegt auf der Kurve, effizient.
(30 Brot, 10 Kuchen): braucht 50 Stunden, 10 Stunden bleiben ungenutzt, ineffizient.
(40 Brot, 15 Kuchen): braucht 70 Stunden, nicht erreichbar.

Form der Kurve

Typischerweise ist die PPF nach außen gewölbt (konkav). Der Grund: Ressourcen sind nicht für alles gleich gut geeignet. Wer immer mehr von einem Gut herstellt, muss zunehmend Ressourcen abziehen, die im anderen Gut besonders produktiv wären, und die Opportunitätskosten steigen. Wären alle Ressourcen gleich gut geeignet, wäre die PPF eine Gerade mit konstanter MRT (wie im Beispiel oben).

VertiefungWarum die Kurve gewölbt ist: ein Zahlenbeispiel

Ein Bauernhof kann Getreide und Gemüse anbauen. Die Felder sind unterschiedlich: Die ersten Felder sind für Getreide ideal, die letzten für Gemüse.

Getreide (Tonnen)Gemüse (Tonnen)Zusatzverlust Gemüse
040–
10364 für die ersten 10 t
20288 für die nächsten 10 t
301612 für die nächsten 10 t
40016 für die letzten 10 t

Lesen: Die ersten 10 t Getreide kosten nur 4 t Gemüse (0,4 pro Tonne), die letzten 10 t kosten 16 t Gemüse (1,6 pro Tonne). Die Opportunitätskosten von Getreide steigen mit jeder Ausweitung. Genau das bedeutet „nach außen gewölbt": Die Kurve wird nach rechts immer steiler.

Was passiert auf der Grafik? Du wanderst von links oben nach rechts unten. Zu Beginn verzichtest du auf wenig Gemüse für viel Getreide, am Ende ist es umgekehrt.

Grenzfälle:

Gerade PPF: Alle Ressourcen sind in beiden Gütern gleich gut. Die MRT ist überall gleich.
Nach innen gewölbte PPF: Kommt selten vor, etwa wenn größere Mengen eines Gutes die Produktion effizienter machen (steigende Skalenerträge).

Verschiebungen der PPF

Mehr Ressourcen oder allgemeiner technischer Fortschritt: die ganze Kurve rückt nach außen.
Fortschritt nur bei Gut 1: die Kurve dreht sich auf der Achse von Gut 1 nach außen. Bei gleicher Menge von Gut 2 geht mehr von Gut 1.

Einfach erklärt: Ein neuer Ofen macht nur das Brot schneller. Die maximale Kuchenmenge bleibt gleich, die maximale Brotmenge steigt.

Prüfungsfalle: Bei Fortschritt nur in einem Gut verschiebt sich nicht die ganze Kurve. Der Achsenabschnitt des anderen Guts bleibt gleich, die Kurve „dreht" sich.

Was die PPF nicht sagt

Die PPF zeigt nur, was möglich ist, nicht, welcher Punkt gewählt wird. Das hängt von Nachfrage, relativen Preisen und Marktform ab. Bei kostenminimaler Produktion gilt später MRT=MC1/MC2 (Verhältnis der Grenzkosten, siehe Kapitel zu Kosten).

6 Komparative Vorteile ★★★

Warum lohnt sich Handel auch dann, wenn eine Seite alles besser kann? Die Antwort liegt in den Opportunitätskosten.

Absoluter Vorteil: Jemand kann ein Gut mit weniger Ressourcen herstellen als andere.

Komparativer Vorteil: Jemand hat bei einem Gut die niedrigeren Opportunitätskosten.

FormelOpportunitätskosten bei zwei Gütern
OKGut 1=max. Menge von Gut 2max. Menge von Gut 1

In Worten: Wie viel von Gut 2 gebe ich pro hergestelltem Stück von Gut 1 auf? Verglichen wird, wer das günstiger kann.

OK = Opportunitätskosten
Beispiel ansehen

Anna schafft pro Tag entweder 4 Kuchen oder 2 Hemden. Ben schafft entweder 1 Kuchen oder 1 Hemd.

Anna: 1 Hemd kostet 4/2=2 Kuchen, 1 Kuchen kostet 0,5 Hemden.
Ben: 1 Hemd kostet 1 Kuchen, 1 Kuchen kostet 1 Hemd.

Ergebnis: Anna ist bei beidem absolut besser, aber Ben hat bei Hemden den komparativen Vorteil (1 < 2) und Anna bei Kuchen (0,5 < 1).

Anna und Ben: Jede Person spezialisiert sich auf das, was sie vergleichsweise günstiger herstellen kann – dann tauschen beide.KuchenHemdBäckerinTausch: beide gewinnenSchneiderin
← Grafik seitlich wischen →
Anna und Ben: Jede Person spezialisiert sich auf das, was sie vergleichsweise günstiger herstellen kann – dann tauschen beide.

Warum Tausch beide besserstellt

Jede Seite spezialisiert sich auf das Gut mit den niedrigeren Opportunitätskosten und tauscht. Das Tauschverhältnis muss zwischen den beiden Opportunitätskosten liegen, hier also zwischen 1 und 2 Kuchen pro Hemd.

Rechenbeispiel Tausch zu 1 Hemd = 1,5 Kuchen

Beide wollen 0,5 Hemd haben.

1Ohne Handel: Anna braucht für 0,5 Hemd ein Viertel ihres Tages, im Rest schafft sie 3 Kuchen. Ben schafft mit 0,5 Hemd noch 0,5 Kuchen.
2Mit Handel: Ben macht nur Hemden (1 Stück) und gibt 0,5 Hemd gegen 0,75 Kuchen her. Anna macht nur Kuchen (4 Stück) und gibt 0,75 ab.
3Anna hat nun 0,5 Hemd und 3,25 Kuchen, Ben 0,5 Hemd und 0,75 Kuchen.

Ergebnis: Beide haben je 0,25 Kuchen mehr als ohne Handel.

Prüfungsfalle: Für Handelsgewinne zählt der komparative, nicht der absolute Vorteil. Auch wer bei allem absolut schlechter ist, hat bei mindestens einem Gut einen komparativen Vorteil.

VertiefungWie du den komparativen Vorteil schnell findest

Variante 1: Output pro Zeit (wie oben). Die Opportunitätskosten von Gut 1 sind der Quotient aus der Maximalmenge von Gut 2 und der Maximalmenge von Gut 1.

Variante 2: Zeit pro Stück. Manchmal ist angegeben, wie lange die Herstellung dauert. Dann gilt: Opportunitätskosten von Gut 1 = Zeit pro Gut 1 geteilt durch Zeit pro Gut 2.

Rechenbeispiel Zwei Werkstätten, Zeit pro Stück

Werkstatt A braucht 2 Stunden für einen Stuhl und 6 Stunden für einen Tisch. Werkstatt B braucht 4 Stunden für einen Stuhl und 8 Stunden für einen Tisch. A ist bei beidem schneller (absoluter Vorteil).

1Opportunitätskosten eines Tisches bei A: 6/2=3 Stühle
2Opportunitätskosten eines Tisches bei B: 8/4=2 Stühle
3Opportunitätskosten eines Stuhls bei A: 2/6≈0,33 Tische, bei B: 4/8=0,5 Tische

Ergebnis: B hat bei Tischen die niedrigeren Opportunitätskosten (2 < 3), A bei Stühlen (0,33 < 0,5). Obwohl A bei beidem schneller ist, sollte B Tische bauen und A Stühle.

Merkregel: Die Opportunitätskosten von Gut 1 und Gut 2 sind immer Kehrwerte voneinander (2 Stühle je Tisch bedeutet 0,5 Tische je Stuhl). Wer bei dem einen Gut die niedrigeren Kosten hat, hat beim anderen automatisch die höheren. Darum gibt es immer einen komparativen Vorteil für beide, solange die Opportunitätskosten verschieden sind.

Sonderfall gleiche Opportunitätskosten: Haben beide dieselben Opportunitätskosten, gibt es keinen komparativen Vorteil und damit keine Handelsgewinne durch Spezialisierung.

Handel über die PPF hinaus: Ohne Handel kann jeder nur Punkte auf der eigenen PPF konsumieren. Mit Handel liegen die Konsummöglichkeiten außerhalb der PPF, weil man sich auf das spezialisiert, was man günstig kann, und den Rest tauscht. Handel wirkt für das Land wie ein technischer Fortschritt, ohne dass sich die Technologie ändert.

7 Märkte und Marktformen ★★

Bevor man Preise erklären kann, muss klar sein, was ein Markt ist und wie viel Wettbewerb dort herrscht.

Was ein Markt ist

Markt: Käufer und Verkäufer eines Gutes, die durch ihr tatsächliches oder mögliches Zusammentreffen Preis und Menge bestimmen. Der Marktpreis ist der Preis, zu dem dort gehandelt wird.

Vollkommener Wettbewerbsmarkt: So viele Käufer und Verkäufer, dass keiner allein den Preis beeinflusst. Alle sind Preisnehmer (sie akzeptieren den Marktpreis als gegeben).

Marktdefinition: Wo zieht man die Grenze? Sachlich (gehören Tee und Kaffee in denselben Markt?) und räumlich (Wien oder ganz Österreich?). Im Kartellrecht wichtig: Wer den Markt eng abgrenzt, findet leichter Marktmacht.

Arbitrage: billig kaufen, teuer verkaufen. Sie sorgt dafür, dass innerhalb eines Marktes nur ein Preis besteht. Wo sie nicht möglich ist (ein Haarschnitt lässt sich nicht weiterverkaufen), können Preise dauerhaft auseinanderlaufen.

Einfach erklärt: Kostet dieselbe Semmel am Eck 1 € und gegenüber 2 €, kaufen alle am Eck. Der teure Laden muss runter oder verliert alle Kunden.

VertiefungMarktabgrenzung und Arbitrage genauer

Wie eng ist ein Markt? Das lässt sich oft mit einer Frage klären: Wenn der Preis dieses Gutes um 5 bis 10 % steigt, wechseln dann so viele Käufer zu einem anderen Gut, dass die Erhöhung sich nicht lohnt? Wenn ja, gehört das andere Gut zum selben Markt.

Enge Abgrenzung („Bio-Hafermilch im Wiener Bezirk"): Der Marktanteil einer Firma wirkt groß. Marktmacht scheint schnell vorzuliegen.
Weite Abgrenzung („alle Getränke in Österreich"): Dieselbe Firma wirkt klein.

Darum streiten Unternehmen und Wettbewerbsbehörden im Kartellverfahren oft zuerst über die Marktdefinition.

Warum Arbitrage Preise angleicht: Kostet ein Gut in Stadt A 10 € und in Stadt B 12 €, kaufen Händler in A und verkaufen in B. Die Nachfrage in A steigt (Preis dort steigt), das Angebot in B steigt (Preis dort sinkt). Das geht, bis der Unterschied nur noch die Transportkosten deckt. Man nennt das das Gesetz des einen Preises.

Wo Arbitrage versagt: bei Dienstleistungen (Haarschnitt), bei persönlichen Leistungen, bei verderblichen Waren, bei hohen Transportkosten oder wenn der Weiterverkauf verboten ist (personalisierte Tickets). Dort können Preise dauerhaft auseinanderliegen.

Die vier Marktformen

MarktformAnbieter und GüterEintrittsbarrieren
Vollkommener Wettbewerbviele, gleichartige Güterkeine
Monopolistische Konkurrenzviele, unterschiedliche Güterkeine
Oligopolwenige, gleichartig oder verschiedeneinige
Monopoleiner, einzigartiges Guthohe

Eigene Annäherungen:

Vollkommener Wettbewerb: Weizen auf dem Weltmarkt, Devisenhandel.
Monopolistische Konkurrenz: Cafés und Friseure einer Großstadt.
Oligopol: die großen Supermarktketten, Mobilfunk.
Monopol: eine lokale Wasserversorgung.

Merksatz: Je mehr Anbieter, je besser austauschbar die Güter und je niedriger die Eintrittsbarrieren, desto intensiver ist der Wettbewerb.

Marktformen sind Idealtypen. Reale Märkte lassen sich oft nur grob zuordnen, und die Zuordnung kann sich von Land zu Land und im Zeitverlauf ändern.

VertiefungWas Wettbewerb bedeutet und woher Barrieren kommen

Wie sich die Marktformen verhalten:

Vollkommener Wettbewerb: Jede Firma ist Preisnehmerin. Wer mehr als den Marktpreis verlangt, verkauft nichts. Langfristig bleiben nur normale Gewinne.
Monopolistische Konkurrenz: Jede Firma hat ein leicht anderes Produkt (Lage, Marke, Stil) und damit einen kleinen Preisspielraum. Neue Firmen kommen aber leicht nach.
Oligopol: Wenige Firmen beobachten einander genau. Preissenkungen werden oft sofort kopiert, Absprachen sind verlockend (und verboten).
Monopol: Die einzige Anbieterin legt Preis oder Menge fest. Sie ist keine Preisnehmerin.

Typische Eintrittsbarrieren:

Hohe Anfangskosten (ein Stromnetz lässt sich nicht einfach nachbauen).
Rechtliche Schranken (Patente, Lizenzen, Konzessionen).
Kontrolle über einen wichtigen Input (die einzige Quelle eines Rohstoffs).
Netzwerkeffekte und Markenbindung (eine Plattform ist nur für Nutzer attraktiv, wenn schon viele dort sind).

Merke: Ein hoher Marktanteil allein ist noch kein Monopol. Entscheidend ist, ob andere leicht eintreten können und ob die Kundschaft wechseln kann.

Eine Faustformel für die Zuordnung (ohne Anspruch auf Vollständigkeit): Viele Anbieter + gleiche Güter = vollkommener Wettbewerb. Viele Anbieter + verschiedene Güter = monopolistische Konkurrenz. Wenige Anbieter = Oligopol. Ein Anbieter = Monopol.

8 Nominale und reale Preise ★★

Preise aus verschiedenen Jahren lassen sich nur vergleichen, wenn man die allgemeine Inflation herausrechnet.

Nominalpreis: der Preis in Euro des jeweiligen Jahres, nicht inflationsbereinigt.

Realpreis: auf die Kaufkraft eines Basisjahres umgerechnet. Nur damit sind Preise über Jahrzehnte vergleichbar.

Verbraucherpreisindex (VPI): misst, wie sich die Kosten eines typischen Warenkorbs im Zeitverlauf entwickeln, und dient als Maß für das allgemeine Preisniveau.

FormelRealpreis
Realpreis=Nominalpreis×VPIBasisjahrVPIt

In Worten: Man rechnet einen Preis aus einem beliebigen Jahr in die Kaufkraft des Basisjahres um. So sieht man, ob ein Gut wirklich teurer wurde oder nur die Inflation mitgemacht hat.

VPI = Verbraucherpreisindex (Maß für das allgemeine Preisniveau)t = das Jahr, aus dem der Nominalpreis stammt
Beispiel ansehen

Eine Tasse Kaffee kostete vor 30 Jahren nominal 1,50 €, heute 3,60 €. Der VPI lag damals bei 100, heute bei 180. Basisjahr ist heute.

1Preis von damals in heutiger Kaufkraft: 1,50×180/100= 2,70 €
2Vergleich mit heute: 3,60 € statt 2,70 € ergibt real +33 %
3Nominal sah es nach +140 % aus (1,50 → 3,60). Der größte Teil davon ist nur Inflation.
Rechenbeispiel Nominal teurer, real billiger

Ein Taschenrechner kostete damals 40 €, heute 60 € (nominal +50 %). Der VPI stieg von 100 auf 180.

1Preis von damals in heutigen Euro: 40×180/100=72 €
2Heute kostet er 60 € statt 72 € und ist damit real um etwa 17 % billiger geworden.

Prüfungsfalle: Ein Gut kann nominal teurer und real gleichzeitig billiger geworden sein, nämlich wenn sein Preis langsamer stieg als das allgemeine Preisniveau.

VertiefungMehr rund um den Preisindex

Was der VPI misst: Man legt einen typischen Warenkorb fest (Miete, Lebensmittel, Verkehr, Freizeit …) und vergleicht, was er in verschiedenen Jahren kostet. Der Wert im Basisjahr wird auf 100 gesetzt.

Inflationsrate: die prozentuale Veränderung des VPI.

Rechenbeispiel Inflationsrate und Kaufkraft

Der VPI steigt von 100 auf 104.

1Inflationsrate: (104−100)/100=4 %
2Kaufkraft: Mit 100 € bekommst du nur noch 100/1,04≈96,15 € vom früheren Warenkorb.

Wahl des Basisjahrs: Welches Jahr als Basis dient, ändert die Zahlen, nicht die Aussage. Man kann alles in Euro von 1990 oder von heute ausdrücken. Wichtig ist nur, dass man alle Preise in derselben Basis vergleicht.

Reale Größen auch bei Einkommen: Das gleiche Prinzip gilt für Löhne. Der Reallohn ist der Nominallohn, bereinigt um das Preisniveau. Steigt dein Lohn um 3 % und die Preise um 5 %, sinkt dein Reallohn um rund 2 %, obwohl auf dem Lohnzettel mehr steht.

Grenzen des VPI: Der Warenkorb ist ein Durchschnitt. Für eine Studentin mit viel Miete und wenig Einkauf kann die persönliche Inflation höher oder niedriger sein. Auch Qualitätsänderungen (ein Handy von heute kann viel mehr als eines von früher) sind schwer einzurechnen.

Checkliste: Das musst du können

Ich kann Knappheit, Ressourcen und Allokation erklären.
Ich kann positive von normativen Aussagen unterscheiden und weiß, dass positive auch falsch sein können.
Ich kann alle neun Grundprinzipien nennen und je einen Satz dazu sagen.
Ich kann Opportunitätskosten (explizit und implizit) berechnen und erkläre, warum Fixkosten und versunkene Kosten bei marginalen Entscheidungen nicht zählen.
Ich kann technische, ökonomische und Pareto-Effizienz unterscheiden und weiß, warum Pareto-Effizienz nicht Gerechtigkeit heißt.
Ich kann Punkte auf, in und außerhalb der PPF deuten, die MRT berechnen und Verschiebungen der PPF erklären.
Ich kann komparative Vorteile aus Opportunitätskosten bestimmen und begründen, warum Handel beiden nützt.
Ich kann die vier Marktformen mit Anbieterzahl, Gütern und Eintrittsbarrieren beschreiben.
Ich kann einen Realpreis berechnen und erklären, warum ein Gut nominal teurer und real billiger sein kann.

Fertig gelesen? Teste, ob es sitzt.

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