- Ökonomische Kosten = explizite + implizite Kosten (Opportunitätskosten eigener Ressourcen). Versunkene Kosten sind nicht rückholbar und für Entscheidungen irrelevant.
- ; MC hängt nur von den variablen Kosten ab und ist die Steigung der Gesamtkostenkurve.
- und : Sinkt das Grenzprodukt, steigen die Grenzkosten. MC schneidet AVC und ATC je in deren Minimum.
- Das ATC-Minimum liegt rechts vom AVC-Minimum, weil die durchschnittlichen Fixkosten immer weiter fallen.
- Kostenminimum: . Wird Arbeit teurer, ersetzt die Firma sie durch Kapital, die Kosten steigen aber trotzdem.
- Die LAC ist die Hüllkurve der kurzfristigen ATC. Kurzfristige Kosten liegen nie unter den langfristigen, im Berührpunkt gilt und .
- Größenvorteile () sind weiter gefasst als Skalenerträge. Verbund-, Lern- und Beschaffungsvorteile verschieben die ganze LAC.
Inhalt9 Abschnitte
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1 Welche Kosten zählen? ★★★
Die Wirtschaftswissenschaft rechnet anders als die Buchhaltung: Entscheidend sind nicht nur die bezahlten Rechnungen, sondern alles, worauf man durch die Entscheidung verzichtet. Außerdem muss man wissen, welche Kosten man überhaupt noch beeinflussen kann.
Buchhalterische und ökonomische Kosten
Buchhalterische Kosten: tatsächliche Ausgaben plus Abschreibungen, also das, was in der Bilanz steht.
Ökonomische Kosten: alle Opportunitätskosten der eingesetzten Inputs, also der Wert der besten aufgegebenen Alternative. Dazu gehört auch, was nie als Zahlung fließt.
Rechenbeispiel Café: Gewinn buchhalterisch und ökonomisch
Eine Person kündigt ihren Job (Gehalt 40.000 € pro Jahr) und eröffnet ein Café im eigenen, schon abbezahlten Lokal (Marktmiete 12.000 € pro Jahr). Die bezahlten Rechnungen (Waren, Strom, Personal) betragen 60.000 €, der Umsatz 100.000 €.
Buchhalterisch sieht das nach Erfolg aus, ökonomisch wäre der alte Job plus Vermietung besser gewesen.
Einfach erklärt: Opportunitätskosten sind der Preis der Option, die du nicht gewählt hast. Wer einen Nachmittag lernt, „zahlt" den entgangenen Nebenjob-Verdienst, auch wenn kein Euro den Besitzer wechselt.
VertiefungNormalgewinn: Unternehmerlohn und Zins als Kosten
Implizite Kosten bestehen meist aus drei Posten:
Zusammen ergeben sie den Normalgewinn: Das ist der Betrag, den ein Unternehmen mindestens verdienen muss, damit sich der Einsatz gegenüber der besten Alternative lohnt. Ein ökonomischer Gewinn über null ist also ein echter Überschuss über diesen Normalgewinn.
Rechenbeispiel Friseursalon mit eigenem Geld
Die Inhaberin steckt 60.000 € Eigenkapital in den Salon (anderswo würden 4 % Zinsen winken) und arbeitet selbst (als Angestellte bekäme sie 30.000 € pro Jahr). Umsatz 150.000 €, bezahlte Rechnungen 100.000 €.
Hier lohnt sich die Selbständigkeit auch ökonomisch.
Abschreibung: Buchhalterisch folgt sie einer festgelegten Nutzungsdauer. Ökonomisch zählt der tatsächliche Wertverlust in der Periode. Ein Lieferwagen für 30.000 €, der steuerlich über sechs Jahre mit je 5.000 € abgeschrieben wird, kann im ersten Jahr am Markt vielleicht 6.000 € an Wert verlieren. Dann sind die ökonomischen Kosten dieses Jahres höher als die buchhalterischen.
VertiefungNur die beste Alternative zählt
Opportunitätskosten sind der Wert der besten verzichteten Möglichkeit, nicht die Summe aller.
Der Gedanke ist derselbe wie bei der Produktionsmöglichkeitenkurve: Jede Wahl kostet das, was man dafür aufgibt. Hier wird er nur auf Euro-Beträge übertragen.
2 Kostenarten, versunkene Kosten und Faktorpreise ★★★
Nicht jede Kostenart lässt sich gleich schnell beeinflussen. Diese Unterscheidung entscheidet später darüber, ob eine Firma weiterproduziert oder schließt.
Die vier Kostenarten
| Art | Bedeutung | Beispiel Bäckerei |
|---|---|---|
| Fixkosten | unabhängig vom Output, erst langfristig abbaubar | Miete der Backstube |
| Quasi-fixe Kosten | nur bei Betrieb, aber nicht mengenabhängig | Licht und Kühlung |
| Variable Kosten | ändern sich mit dem Output | Mehl, Butter |
| Versunkene Kosten | schon angefallen, nicht rückholbar | Spezialumbau des Ladens |
Die ersten drei Arten lassen sich im Prinzip vermeiden, Fixkosten allerdings erst langfristig oder durch Betriebsschluss. Versunkene Kosten lassen sich nicht mehr vermeiden. Quasi-fixe Kosten gibt es oft auch langfristig und sie begünstigen Größenvorteile (siehe Abschnitt 8).
Auch bei den Inputs gibt es diese Dreiteilung. Die Kosten eines Inputs ergeben sich immer als Menge mal Preis.
Versunkene Kosten
Versunkene Kosten (sunk costs): bereits ausgegebene Kosten, die sich nicht zurückholen lassen. Für jede künftige Entscheidung sind sie vollkommen irrelevant.
Nur vermeidbare, künftige Kosten und künftige Erlöse zählen. Wer weiterzahlt, „weil schon so viel drinsteckt", tappt in die sunk cost fallacy.
Einfach erklärt: Du hast eine Kinokarte um 12 € gekauft, der Film ist grottenschlecht. Die 12 € sind weg, ob du bleibst oder gehst. Die einzige Frage lautet: Ist die restliche Zeit im Kino oder draußen mehr wert?
Prüfungsfalle: „Wegen der bereits getätigten Investition muss weiterproduziert werden" ist falsch. Maßgeblich sind nur die künftigen vermeidbaren Kosten im Vergleich zu den künftigen Erlösen.
VertiefungFix, quasi-fix, versunken: wo die Grenzen verlaufen
Die Begriffe unterscheiden sich nach Vermeidbarkeit und Zeithorizont:
Rechenbeispiel Weiterbetreiben trotz Gesamtverlust
Ein Spezialumbau (50.000 €, nicht rückholbar) ist bereits bezahlt. Für das kommende Jahr erwartet der Betrieb Erlöse von 30.000 € und vermeidbare Kosten von 20.000 €.
Es lohnt sich weiterzumachen, auch wenn die Gesamtrechnung inklusive Umbau ein Minus zeigt. Die 10.000 € verkleinern den Verlust.
Vorsicht bei Restwerten: Lässt sich die Maschine noch zu 8.000 € verkaufen, sind diese 8.000 € keine versunkenen Kosten, sondern Opportunitätskosten. Weiterbetreiben bedeutet dann, auf den Verkaufserlös zu verzichten.
Die beiden Faktorpreise
In Worten: Die Gesamtkosten sind der Preis fürs Kapital mal eingesetztes Kapital plus der Lohn mal eingesetzte Arbeit.
Beispiel ansehen
Eine Firma mietet 3 Maschinen zu je 40 € pro Tag (r = 40) und beschäftigt 5 Personen zu je 24 € pro Tag (ω = 24).
240 €
VertiefungFaktorpreise genauer: was in r und ω steckt
Kapitalnutzungskosten sind auch dann Kosten, wenn die Maschine dir gehört:
Arbeitskosten sind der Bruttolohn plus Lohnnebenkosten:
Auf das Verhältnis kommt es später an: Es bestimmt, welche Mischung aus Arbeit und Kapital billiger ist (Abschnitt 5).
3 Kurzfristige Kosten: Begriffe und Kurven ★★★
Kurzfristig ist das Kapital fix, nur die Arbeit ist variabel. Dadurch gibt es für jede Outputmenge genau eine nötige Arbeitsmenge, und die Kosten lassen sich als Funktion der Menge Q schreiben.
Kurzfristige Kostenfunktion
Der kostenminimale Arbeitseinsatz hängt nur von der Outputmenge Q und vom fixen Kapital ab. Die Faktorpreise spielen für die Mengenwahl keine Rolle, denn es gibt nichts zu ersetzen: .
Die Kosten sind dann Fixkosten plus variable Kosten: . Der erste Teil ist FC (Kapital), der zweite VC (Arbeit).
Die Kostenbegriffe
| Kürzel | Bedeutung | Formel |
|---|---|---|
| FC | Fixkosten | unabhängig von Q |
| VC | variable Kosten | VC(Q) |
| TC bzw. C | Gesamtkosten | FC + VC |
| AFC | durchschnittliche Fixkosten | FC / Q |
| AVC | durchschnittliche variable Kosten | VC / Q |
| ATC bzw. AC | durchschnittliche Gesamtkosten | TC / Q = AFC + AVC |
| MC | Grenzkosten | ΔTC/ΔQ = ΔVC/ΔQ |
MC hängt nur von den variablen Kosten ab. Die Fixkosten sind bei jeder Mengenausweitung gleich und fallen bei der Ableitung weg.
Schreibweise: Oft steht AC (average cost) statt ATC und w statt ω. Gemeint ist jeweils dasselbe.
Variable Kosten als Summe der Grenzkosten: Zählt man die Grenzkosten aller produzierten Einheiten zusammen, erhält man die variablen Kosten, . Die erste Einheit kostet , das ist zugleich .
Verlauf der Kurven
KostenMenge qMCATCAVCBetriebsminimum (Min AVC)Betriebsoptimum (Min ATC)Grafisch lesen
Prüfungsfalle: Den Ausgangspunkt der Strahlen nicht vertauschen: Für AVC startet der Strahl bei (0, FC), für AC im Ursprung.
VertiefungWarum Strahlen die Durchschnittskosten zeigen
Die Steigung einer Geraden ist „Höhenunterschied durch Breitenunterschied".
Dreht man den Strahl vom Ursprung, solange er die Kostenkurve noch berührt, so ist die flachste Lage diejenige, die die Kurve gerade noch tangiert. Dort ist die Strahlsteigung (ATC) am kleinsten. Im Berührpunkt haben Strahl und Kurve dieselbe Steigung, also gilt MC = ATC. Das ist die Schnittpunkt-Regel in grafischer Form.
Dasselbe gilt für den Strahl von (0, FC): Seine flachste Lage berührt die Kurve im AVC-Minimum. Dieser Berührpunkt liegt links vom ATC-Minimum, denn das AVC-Minimum kommt vor dem ATC-Minimum (siehe Abschnitt 4).
VertiefungKosten Stück für Stück: eine Rechentabelle
Eine Firma hat FC = 20 und die Grenzkosten der ersten fünf Stück lauten 10, 8, 6, 9, 13. Die variablen Kosten ergeben sich als laufende Summe der Grenzkosten.
| Q | MC | AVC |
|---|---|---|
| 1 | 10 | 10 |
| 2 | 8 | 9 |
| 3 | 6 | 8 |
| 4 | 9 | 8,25 |
| 5 | 13 | 9,2 |
Dabei ist und . Die durchschnittlichen Gesamtkosten sind .
Lesehilfe:
4 Von der Produktion zu den Kosten ★★★
Die Kostenkurven sind das Spiegelbild der Produktkurven aus dem Kapitel Produktion. Sinkt das Grenzprodukt (abnehmender Grenzertrag), kostet jedes zusätzliche Stück mehr.
In Worten: Die Grenzkosten sind der Lohn geteilt durch das, was die letzte Arbeitskraft zusätzlich schafft. Schafft sie weniger, wird jedes zusätzliche Stück teurer.
Beispiel ansehen
Eine Arbeitsstunde kostet 24 €.
Herleitung: Eine Stunde mehr kostet und bringt . Also .
Analog gilt für die variablen Durchschnittskosten .
Prüfungsfalle: „Das Maximum von entspricht dem Maximum von MC" ist falsch. Weil der Kehrwert (mal ω) ist, kehrt sich alles um.
VertiefungVon der Produktionstabelle zur Kostentabelle
Ein Betrieb zahlt € pro Arbeitsstunde. Die Produktion steigt mit dem Arbeitseinsatz so:
| L (Output Q) | MP → MC | AP → AVC |
|---|---|---|
| 1 (Q = 8) | 8 → 3,00 € | 8 → 3,00 € |
| 2 (Q = 20) | 12 → 2,00 € | 10 → 2,40 € |
| 3 (Q = 29) | 9 → 2,67 € | 9,67 → 2,48 € |
| 4 (Q = 35) | 6 → 4,00 € | 8,75 → 2,74 € |
| 5 (Q = 39) | 4 → 6,00 € | 7,8 → 3,08 € |
Lesehilfe:
Warum AVC = ω/AP? Die variablen Kosten sind , der Output ist . Also .
Die Schnittpunkt-Regel
Die MC-Kurve schneidet AVC und ATC jeweils in deren Minimum.
Dahinter steckt wieder die Durchschnittslogik:
Das ATC-Minimum liegt rechts vom AVC-Minimum. Im AVC-Minimum ist MC = AVC, also noch unter dem ATC, weil AFC > 0. Das ATC fällt dort noch und erreicht sein Minimum erst bei einer größeren Menge.
Einfach erklärt: Dein Notendurchschnitt sinkt, wenn die neue Prüfung besser ist als dein bisheriger Schnitt, und er steigt, wenn sie schlechter ist. Die Grenzkosten sind die „neue Prüfung", die Durchschnittskosten der „bisherige Schnitt".
VertiefungBeweis der Schnittpunkt-Regel mit einer Ableitung
Die durchschnittlichen Kosten sind . Nach der Quotientenregel gilt:
In Worten: Die Durchschnittskosten steigen genau dann, wenn die Grenzkosten darüber liegen, und fallen, wenn sie darunter liegen. Bei Gleichstand ist die Steigung null.
Beispiel ansehen
Bei Q = 4 sind die Gesamtkosten 52 und die Grenzkosten 15. Es ist .
+0,5 → AC steigt, weil MC über AC liegt.
Dasselbe Argument gilt für AVC mit statt . Weil immer fällt, kann man außerdem zeigen, warum ATC später sein Minimum erreicht: Aus folgt . Im AVC-Minimum ist der erste Summand null, der zweite negativ. ATC fällt dort also noch.
Rechenbeispiel Kostenkurven berechnen: TC = 36 + 3q + q²
ATC-Minimum: MC = ATC → 3 + 2q = 36/q + 3 + q → q = 36/q → q² = 36 → q = 6.
Dort: ATC = 6 + 3 + 6 = 15 und MC = 3 + 12 = 15. Passt.
| q | MC | ATC |
|---|---|---|
| 2 | 7 | 23 |
| 4 | 11 | 16 |
| 6 | 15 | 15 |
| 8 | 19 | 15,5 |
Vor q = 6 liegt MC unter ATC (ATC fällt), danach darüber (ATC steigt).
Bei dieser Funktion ist AVC = 3 + q von Anfang an steigend. Sein Minimum liegt bei q = 0 (AVC = 3). Eine echte U-Form der AVC braucht einen kubischen Term in der Kostenfunktion.
Rechenbeispiel U-förmige AVC: VC = q³ − 6q² + 14q, FC = 20
AVC-Minimum: MC = AVC → 3q² − 12q + 14 = q² − 6q + 14 → 2q² = 6q → q = 3. Dort ist AVC = 9 − 18 + 14 = 5 und MC = 27 − 36 + 14 = 5.
ATC-Minimum: MC = ATC → 2q³ − 6q² − 20 = 0 → q ≈ 3,72. Dort ist ATC ≈ 10,9.
Das ATC-Minimum (q ≈ 3,72) liegt rechts vom AVC-Minimum (q = 3), wie die Regel verlangt.
5 Kostenminimierung in der langen Frist ★★★
Langfristig sind alle Inputs variabel. Die Frage ist, wie ein gegebener Output zu minimalen Kosten erzeugt wird. Dazu braucht man die Produktionsseite (Isoquanten) und die Kostenseite (Isokostengerade).
Isokostengerade
In Worten: Alle Kombinationen aus Arbeit und Kapital, die gleich viel kosten. Die Steigung ist −ω/r: So viel Kapital muss man aufgeben, um sich eine Einheit Arbeit mehr leisten zu können.
Beispiel ansehen
Budget C = 240, Lohn ω = 24, Kapitalpreis r = 40.
Höhere Kosten bedeuten eine Parallelverschiebung nach außen. Ändert sich ein Faktorpreis, ändert sich die Steigung (sie dreht sich).
Das Kostenminimum
Kapital KArbeit LIsoquanteC₂C₁ IsokostenC₀KostenminimumGesucht ist die niedrigste Isokostengerade, die die Isoquante für den Output noch berührt. Im Berührpunkt haben beide dieselbe Steigung.
In Worten: Im Kostenminimum bringt der letzte Euro für Arbeit genauso viel zusätzlichen Output wie der letzte Euro für Kapital. Sonst könnte man umschichten und sparen.
Beispiel ansehen
Es gilt , , , .
Arbeit bringt pro Euro mehr. Die Firma ist nicht im Kostenminimum und sollte mehr Arbeit und weniger Kapital einsetzen. Dabei sinkt und steigt , bis beide Verhältnisse gleich sind.
Einfach erklärt: Wie beim Einkaufen mit festem Budget. Du kaufst von jedem Produkt so lange, bis der letzte Euro überall gleich viel Nutzen bringt. Gibt der Euro bei Arbeit mehr her als bei Kapital, verschiebst du Geld zur Arbeit.
Prüfungsfalle: Das Kostenminimum verlangt gleiches Grenzprodukt pro Euro, nicht gleiches Grenzprodukt. Auch gleiche Faktormengen sind keine Bedingung.
VertiefungIsokostengerade und Isoquante in Worten lesen
Isokostengerade:
Isoquante: Ihre Steigung ist . Sie wird nach rechts flacher, weil Arbeit bei höherem Einsatz weniger leicht Kapital ersetzt.
Der Berührpunkt: Liegt man auf der Isoquante an einer Stelle, wo die Isoquante steiler ist als die Isokostengerade (), bringt Arbeit pro Euro mehr als Kapital. Dann wandert man nach rechts unten (mehr L, weniger K). Ist die Isoquante flacher, wandert man in die andere Richtung. Nur im Tangentialpunkt gibt es keinen Grund mehr zu wechseln.
VertiefungWarum die Regel stimmt: Umschichten Schritt für Schritt
Die Firma gibt 1 € weniger für Kapital aus und 1 € mehr für Arbeit.
Die Gleichheit ist daher die Bedingung, bei der kein Umschichten mehr nützt.
Rechenbeispiel Kostenminimum bei Q = K · L²
Hier gilt und , also . Preise: , . Gesucht ist die billigste Methode für .
Probe: und . Beide Seiten sind gleich.
6 Preisänderung, Sonderfälle und Expansionspfad ★★★
Wie reagiert die Firma, wenn ein Input teurer wird? Und was passiert bei Isoquanten, die nicht die übliche glatte Form haben?
Faktorpreisänderung
Steigt der Lohn von auf , wird Arbeit relativ zu Kapital teurer. Die Isokostengerade wird steiler.
Rechenbeispiel Lohnerhöhung bei Q = K · L
Hier gilt und , also . Gesucht ist die billigste Methode für Q = 100, mit r = 1.
Ausgangslage, ω = 4: Bedingung → K = 4L. Einsetzen: → L = 5, K = 20. Kosten: 1 · 20 + 4 · 5 = 40.
Nach Lohnerhöhung, ω = 9: Bedingung K = 9L. Einsetzen: → L ≈ 3,33, K = 30. Kosten: 1 · 30 + 9 · 3,33 = 60.
Die Firma ersetzt Arbeit durch Kapital (L von 5 auf 3,33, K von 20 auf 30). Die Kosten steigen, aber um 50 % und nicht um 125 % wie der Lohn. Das Ausweichen dämpft den Kostenanstieg.
Rechenbeispiel Kapital wird teurer: dieselbe Firma, anderer Preis
Wir bleiben bei , , . Ausgangslage mit : , Kosten 30.
Steigt der Kapitalpreis auf :
Die Firma ersetzt Kapital durch Arbeit. Der Kapitalpreis hat sich vervierfacht, die Kosten steigen aber nur um rund 59 %, weil die Firma ausweicht.
Verallgemeinert: Je leichter sich die Inputs ersetzen lassen (flachere, stärker gekrümmte Isoquanten), desto stärker kann die Firma einem Preisanstieg ausweichen und desto geringer fällt der Kostenanstieg aus.
Sonderfälle: Eckpunkte und feste Proportionen
VertiefungSonderfälle mit Zahlen
Vollkommene Substitute: , also und . Preise: , . Gesucht: .
Leontief: . Für braucht man und , mehr bringt nichts. Mit , :
VertiefungLagrange-Methode
Man minimiert unter der Nebenbedingung .
In Worten: Man bestraft eine Abweichung vom Zieloutput mit dem Multiplikator λ und leitet nach K, L und λ ab. Die Bedingungen erster Ordnung liefern das Kostenminimum.
Beispiel ansehen
Die Ableitungen nach L und K ergeben und . Die Ableitung nach λ liefert .
Teilt man die beiden ersten Gleichungen durcheinander, folgt .
In Worten: Beide Faktoren kosten pro zusätzlich produziertem Stück gleich viel. Dieser Betrag ist genau die Grenzkosten.
Der Multiplikator λ sind also die Grenzkosten: was eine weitere Outputeinheit im Kostenminimum kostet.
Langfristige Kostenfunktion und Expansionspfad
VertiefungExpansionspfad und Kostenfunktion in einem Beispiel
Bei mit , gilt auf jedem Output die Bedingung . Der Expansionspfad ist also die 45-Grad-Gerade.
| Q | L = K | C* |
|---|---|---|
| 1.000 | 10 | 30 |
| 8.000 | 20 | 60 |
| 27.000 | 30 | 90 |
Der Output wächst auf das Achtfache, die Kosten nur auf das Doppelte. Die Stückkosten fallen stark: Das ist ein Fall von Größenvorteilen (siehe Abschnitt 8).
7 Kurz- und langfristige Kostenkurven ★★★
Hier werden die beiden Zeithorizonte verglichen. Daraus folgt die U-Form der langfristigen Durchschnittskosten.
Kurzfristige und langfristige Kosten im Vergleich
KostenMenge qLACSAC₁SAC₂SAC₃Minimum der LAC← GrößenvorteileGrößennachteile →Angenommen, die vorhandene Anlagengröße ist für den heutigen Output genau richtig. Steigt der Output, kann das Unternehmen kurzfristig nur mehr Arbeit einsetzen. Langfristig kann es Arbeit und Kapital ausweiten, und das ist billiger.
Ein Zahlenbild: Für Q = 100 braucht ein Café langfristig mit der besten Mischung 400 € Kosten. Hat es aber nur den Raum für eine Maschine und muss alles über Personal ausgleichen, sind es 460 €.
Die U-Form der LAC
Die U-Form kommt nicht vom abnehmenden Grenzertrag, den gibt es langfristig nicht. Sie entsteht durch:
Die LMC schneidet die LAC in deren Minimum. Dieser Punkt heißt minimale effiziente Betriebsgröße (MES): die kleinste Menge mit minimalen Durchschnittskosten. Bei konstanten Skalenerträgen und konstanten Faktorpreisen verläuft die LAC waagrecht.
VertiefungDie Hüllkurve mit Zahlen: drei Betriebsgrößen
Ein Café kann eine kleine, eine mittlere oder eine große Anlage haben. Die kurzfristigen Durchschnittskosten (SAC) pro Stück bei verschiedenen Mengen:
| Q | Beste Größe | LAC |
|---|---|---|
| 10 | klein (SAC 11) | 11 |
| 20 | mittel (SAC 10) | 10 |
| 30 | groß (SAC 9,5) | 9,5 |
| 40 | groß (SAC 10,5) | 10,5 |
Die anderen Größen wären bei diesen Mengen teurer (bei Q = 30 etwa die mittlere mit 11 und die kleine mit 19). Langfristig wählt das Café je Menge die billigste Anlage. Die LAC ist die untere Begrenzung aller SAC-Kurven, hier U-förmig mit dem Minimum bei etwa Q = 30. Das ist auch die MES.
Warum ein Berührpunkt und kein Schnittpunkt? Die SAC liegt nie unter der LAC, berührt sie aber an einer Stelle. Würde sie die LAC schneiden, läge sie auf einer Seite darunter, was nicht sein kann. Zwei Kurven, die sich nur berühren, haben dort dieselbe Steigung.
VertiefungWarum im Berührpunkt auch MC = LMC gilt
Die Steigung der Durchschnittskosten ist (siehe Abschnitt 4). Im Berührpunkt sind AC und LAC gleich hoch und haben dieselbe Steigung. Setzt man das in die Formel ein, folgt:
mit → .
Zahlenbeispiel mit : Die Anlage ist so gebaut, dass fix ist (optimal für ). Soll jetzt hergestellt werden, braucht man , also . Kosten: 66,6. Langfristig wären es 60 (mit ). Die kurzfristigen Kosten liegen über den langfristigen, nur bei sind beide gleich (30).
8 Größenvorteile und weitere Kostenquellen ★★★
Warum können Großbetriebe pro Stück billiger sein, aber nicht müssen? Hier geht es um das Messen von Größenvorteilen und um ihre Ursachen.
Messung: Outputelastizität der Kosten
In Worten: Wie stark steigen die Kosten, wenn der Output um 1 % steigt? Steigen sie langsamer als der Output (unter 1), sinken die Stückkosten, das sind Größenvorteile.
Beispiel ansehen
Output +20 %, Kosten +12 %: → Größenvorteile.
Output +5 %, Kosten +6 %: → Größennachteile.
Über Grenz- und Durchschnittskosten: LMC = 6, LAC = 10 → . Das Stück kostet am Rand weniger als im Schnitt, die LAC fällt.
Größenvorteile sind nicht Skalenerträge
Skalenerträge gibt es nur, wenn alle Inputs im gleichen Verhältnis wachsen. Größenvorteile erlauben auch, dass sich die Faktorproportionen ändern. Sie sind der weitere Begriff.
Steigende Skalenerträge sind eine mögliche technologische Quelle von Größenvorteilen, sinkende von Größennachteilen.
Prüfungsfalle: „Größenvorteile bedeuten immer steigende Skalenerträge" ist falsch. Größenvorteile können auch aus Unteilbarkeiten, quasi-fixen Kosten oder geänderten Faktorproportionen kommen.
VertiefungSkalenerträge und Kostenelastik: der genaue Zusammenhang
Wächst der Output beim Verdoppeln aller Inputs auf das -Fache, so ist der Grad der Skalenerträge. Bei konstanten Faktorpreisen wachsen die minimalen Kosten dann mit . Damit ist .
| Skalenerträge | s | Kostenelastik |
|---|---|---|
| steigend | über 1 | unter 1 |
| konstant | gleich 1 | gleich 1 |
| sinkend | unter 1 | über 1 |
Beispiel: hat (alle Inputs verdoppeln → -facher Output). Die Kosten wachsen mit , also (siehe das Beispiel zum Expansionspfad).
Der Zusammenhang gilt nur, wenn die Inputs im kostenminimalen Verhältnis wachsen und die Faktorpreise gleich bleiben. Bei Mengenrabatten oder Unteilbarkeiten gibt es Größenvorteile ohne steigende Skalenerträge.
Ursachen von Größenvorteilen und -nachteilen
Die Faktorpreise und die Technologie werden dabei als unverändert angenommen:
| Größenvorteile durch | Größennachteile durch |
|---|---|
| steigende Skalenerträge | sinkende Skalenerträge |
| Unteilbarkeiten, quasi-fixe Kosten | Abstimmungs- und Informationsaufwand |
| Spezialisierung, Arbeitsteilung | Anreiz- und Kontrollprobleme |
VertiefungUnteilbarkeiten: die gezackte Durchschnittskostenkurve
Ein Ofen kostet 120 € pro Tag und schafft höchstens 400 Brote. Jedes Brot verursacht 0,50 € variable Kosten (Mehl, Strom).
Die Durchschnittskosten fallen also, bis der Ofen voll ausgelastet ist, springen dann nach oben und fallen wieder. Das ergibt eine gezackte Kurve. Mit vielen kleinen Schritten (viele Öfen, viele Betriebe) glättet sich die Zacke zur U-Form. Unteilbare Anlagen sind eine wichtige Quelle für Größenvorteile bei kleinen Mengen, auch ohne steigende Skalenerträge.
Weitere Quellen niedrigerer Kosten
Diese drei Effekte verschieben (ceteris paribus) die ganze LAC-Kurve nach unten, anstatt sich entlang der Kurve zu bewegen:
Rechenbeispiel Verbundvorteile: Bäckerei
Nur Brot herzustellen kostet 100 €, nur Torten 80 €. Beides im selben Betrieb (gemeinsamer Ofen, gemeinsames Personal) kostet 150 €.
150 < 100 + 80 = 180 → Verbundvorteile von 30 €.
Prüfungsfalle: Ob Mengenrabatte zu den Größenvorteilen zählen, hängt von der Abgrenzung ab. Hier beschreiben Größenvorteile nur den Verlauf der LAC bei gegebenen Faktorpreisen. Mengenrabatte beim Einkauf gelten als Beschaffungsvorteil, der die ganze LAC nach unten verschiebt.
Prüfungsfalle: Lerneffekte hängen an der bisherigen Gesamtproduktion, nicht am aktuellen Output. Ein Betrieb kann also bei gleichem Output billiger werden, weil er mehr Erfahrung gesammelt hat.
Technologische und organisatorische Neuerungen können die LAC nicht nur verschieben, sondern auch ihre Form verändern. Dann ändert sich auch die minimale effiziente Betriebsgröße.
VertiefungLernkurve und Verbundvorteile in Zahlen
Lerneffekt: Angenommen, jede Verdoppelung der kumulierten Stückzahl senkt die Stückkosten um 20 % (Faktor 0,8).
| Kumulierte Menge | Stückkosten |
|---|---|
| 100 | 10,00 € |
| 200 | 8,00 € |
| 400 | 6,40 € |
Ein Betrieb, der über Jahre 400 Stück gesammelt hat, produziert also billiger als ein Neueinsteiger, obwohl beide aktuell gleich viel herstellen. Die Lernkurve verschiebt die Kostenkurve, sie ist keine Bewegung entlang der LAC.
Verbundvorteile messen: Man vergleicht getrennte und gemeinsame Herstellung.
In Worten: Um wie viel Prozent der gemeinsamen Kosten ist die getrennte Herstellung teurer? Ein Wert über null bedeutet Verbundvorteile.
Beispiel ansehen
Bäckerei: getrennt 100 + 80 = 180, gemeinsam 150.
0,20, also 20 % Ersparnis durch die Verbundproduktion.
Wäre die gemeinsame Herstellung 190 €, ergäbe sich . Dann gäbe es Verbundnachteile.