- Vollkommener Wettbewerb: viele Preisnehmer, homogenes Gut, Transparenz, freier Zutritt. Die Firma sieht eine waagrechte Nachfrage, daher .
- Gewinnmaximum: , im Wettbewerb auf dem steigenden MC-Ast. Der Stückgewinn ist dort nicht maximal.
- Stilllegen, wenn , denn Fixkosten sind kurzfristig nicht vermeidbar. Die kurzfristige Angebotskurve ist die MC-Kurve über dem AVC-Minimum.
- Das Marktangebot ist die horizontale Summe der Firmenangebote. Nur die Mengensteuer verschiebt das Angebot, Gewinn- und Pauschalsteuer nicht.
- Langfristig: und ökonomischer Gewinn null durch Ein- und Austritt. Nullgewinn bedeutet normale Verzinsung, nicht Not.
- Die langfristige Angebotskurve ist waagrecht (konstante Kosten) oder steigend (steigende Kosten) und immer elastischer als die kurzfristige.
- Optimale Inputwahl: Wertgrenzprodukt = Faktorpreis. Das Wettbewerbsergebnis ist allokativ und produktiv effizient, solange kein Marktversagen vorliegt.
Inhalt10 Abschnitte
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1 Vollkommener Wettbewerb ★★★
Der vollkommene Wettbewerb ist der einfachste Marktaufbau und dient als Maßstab (Benchmark) für alle anderen. Wer ihn versteht, versteht auch, was passiert, wenn Unternehmen Marktmacht haben. Produzentenrente und ökonomische Rente werden hier nicht vertieft.
Die Annahmen
Vier Annahmen kennzeichnen den vollkommenen Wettbewerb:
Je nach Darstellung werden nur drei Annahmen genannt (Preisnehmer, Homogenität, freier Zutritt und Austritt). Die Transparenz wird oft als vierte ergänzt.
Markt und einzelne Firma: zwei verschiedene Kurven
Der Marktpreis entsteht aus Marktnachfrage und Marktangebot. Die einzelne Firma akzeptiert ihn, und bei diesem Preis findet sie für praktisch jede Menge Käufer. Ihre Nachfragekurve ist daher waagrecht auf Höhe des Marktpreises.
Prüfungsfalle: Marktnachfrage und Nachfrage aus Sicht der Einzelfirma verwechseln. Die Marktnachfrage ist fallend, die Firmennachfrage waagrecht.
Einfach erklärt: Ein Erdäpfelbauer am Wochenmarkt sieht überall denselben Preis. Verlangt er mehr, kauft man beim Nachbarn. Einen Preis darunter anzubieten, hat keinen Sinn, denn er verkauft ohnehin alles zum Marktpreis.
VertiefungWarum die Firmennachfrage waagrecht ist: Elastizität und Marktanteil
Je kleiner der Marktanteil einer Firma, desto elastischer ist die Nachfrage, die sie selbst spürt. Vereinfacht (die anderen Anbieter ändern ihre Menge nicht) gilt:
In Worten: Die Nachfrage der einzelnen Firma ist um so elastischer, je kleiner ihr Marktanteil s ist. Bei einem verschwindend kleinen Anteil wird sie unendlich elastisch.
Beispiel ansehen
Die Marktnachfrage hat .
Ab einem winzigen Anteil ist die Nachfrage praktisch waagrecht. Die Firma ist Preisnehmerin.
Herleitung: Die Firma verkauft . Ändert sich die Marktmenge bei einer Preisänderung um und bleiben die anderen Anbieter gleich, ist das auch die Mengenänderung der Firma. Bezogen auf die viel kleinere Firmenmenge ist die prozentuale Änderung -mal so groß wie am Gesamtmarkt.
VertiefungWofür man welche Annahme braucht
Jede Annahme sorgt für eine bestimmte Eigenschaft. Fällt sie weg, verändert sich auch das Ergebnis:
| Annahme | Sorgt für | Wenn verletzt |
|---|---|---|
| Preisnehmer | Preis = Grenzerlös | Preissetzung, Marktmacht |
| Homogenes Gut | ein einziger Marktpreis | Markenbindung, eigene Preisspielräume |
| Transparenz | Käufer wechseln zum Billigsten | verschiedene Preise für dasselbe Gut |
| Freier Zutritt | Nullgewinn auf lange Sicht | Dauergewinne durch Barrieren |
Der vollkommene Wettbewerb ist ein Idealfall. Märkte für Rohstoffe, Agrarprodukte oder Aktien kommen ihm nahe. Er ist trotzdem nützlich, weil man an ihm abliest, was Marktmacht verändert.
Preis, Durchschnittserlös und Grenzerlös
In Worten: Jedes zusätzliche Stück bringt genau den Marktpreis, denn der Preis ändert sich durch die eigene Menge nicht. Preis, Durchschnittserlös und Grenzerlös sind gleich.
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Marktpreis P = 5 €. Verkauft die Firma 10 Stück, ist . Bei 11 Stück ist .
Das 11. Stück bringt also 5 €, das ist MR. Der Durchschnitt ist ebenfalls 5. Daher: .
2 Gewinnmaximierung ★★★
Die zentrale Frage lautet: Wie viel soll das Unternehmen produzieren? Die Antwort ist ein Vergleich am Rand: Lohnt sich das nächste Stück?
Preis, KostenMenge qP = MRMCATCP = MCGewinnq*Gewinn und Optimalbedingung
Ökonomischer Gewinn: Erlös minus alle ökonomischen Kosten, . Die Kosten sind die minimalen Kosten aus der Kostenminimierung (Kapitel Kosten) und enthalten auch implizite Kosten (Unternehmerlohn, normale Kapitalverzinsung). Ein buchhalterisch positiver Gewinn kann daher ökonomisch null oder negativ sein, was im langfristigen Gleichgewicht (Abschnitt 6) wichtig wird.
Der Erlös ist . Wie Preis und Menge zusammenhängen, hängt von der Marktform ab.
In Worten: Produziere so lange, wie das nächste Stück mehr einbringt (Grenzerlös) als es kostet (Grenzkosten). Beim Gleichstand aufhören.
Beispiel ansehen
Ein Marmeladenproduzent verkauft jedes Glas für 5 €.
Optimal sind 11 Gläser. Hier gilt MR = MC.
In Worten: Im Wettbewerb bringt jedes Stück genau den Marktpreis ein (MR = P). Also: Produziere, bis die Grenzkosten den Preis erreichen.
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Kostenfunktion einer Konditorei: , also . Marktpreis P = 20.
→ 8
VertiefungStück für Stück zum Optimum: eine Tabelle
Eine Tischlerei verkauft Stühle zum Marktpreis von 40 €. Die Zusatzkosten des jeweils nächsten Stuhls steigen:
| Stuhl | Zusatzkosten (MC) | Zusatzgewinn |
|---|---|---|
| 1 | 10 | +30 |
| 2 | 14 | +26 |
| 3 | 20 | +20 |
| 4 | 28 | +12 |
| 5 | 40 | 0 |
| 6 | 55 | −15 |
Der Gewinn wächst bis zum 4. Stuhl (insgesamt vor Abzug der Fixkosten). Beim 5. Stuhl ändert sich nichts mehr: Hier ist , man ist indifferent. Der 6. Stuhl würde den Gewinn schmälern.
Das ist die Idee hinter der Ableitung: ist der Zusatzgewinn des nächsten Stücks, und im Optimum ist er null.
Zweite Bedingung
Die Bedingung allein reicht nicht. Die Grenzkosten müssen an dieser Stelle steigen. Formal verlangt das .
Bei einer U-förmigen MC-Kurve gibt es zwei Schnittpunkte mit der Preislinie. Nur der rechte, auf dem steigenden Ast, ist ein Gewinnmaximum. Links davon ist es ein Gewinnminimum.
Prüfungsfalle: Beim Gewinnmaximum den fallenden Ast der MC-Kurve zu wählen ist falsch. Dort wäre jede Mengenausweitung noch profitabel.
VertiefungZwei Schnittpunkte: Minimum und Maximum mit Zahlen
Ein Betrieb hat und . Damit ist . Der Marktpreis sei .
Schnittpunkte mit der Preislinie: → → oder .
Zweite Bedingung: Die Steigung der Grenzkosten ist .
Probe über den Gewinn :
| q | Gewinn |
|---|---|
| 0 | −20 |
| 1 | −24 |
| 2 | −22 |
| 3 | −20 |
| 4 | −24 |
Bei ist der Gewinn lokal am kleinsten, bei lokal am größten. Hier ist der Maximalgewinn −20, also genau der Verlust bei Stilllegung. Das passt, denn ist zugleich das AVC-Minimum (Abschnitt 3).
Gewinn grafisch und rechnerisch
Der Gewinn ist ein Rechteck: Menge mal Differenz aus Preis und Durchschnittskosten.
In Worten: Gewinn pro Stück mal Menge. Liegt der Preis über den Durchschnittskosten, macht die Firma Gewinn, sonst Verlust.
Beispiel ansehen
Konditorei mit , P = 20, .
Probe über Erlös und Kosten: , , also .
VertiefungGewinn als Abstand von Erlös und Kosten, Deckungsbeitrag
Abstand der Kurven: Im Mengen-Erlös-Diagramm ist eine Gerade durch den Ursprung mit Steigung P. Die Gesamtkostenkurve startet bei FC. Der Gewinn ist der senkrechte Abstand zwischen beiden. Er ist am größten, wo die Kostenkurve dieselbe Steigung hat wie die Erlösgerade, also .
Konditorei mit und :
| q | Erlös − Kosten | Gewinn |
|---|---|---|
| 4 | 80 − 72 | 8 |
| 6 | 120 − 100 | 20 |
| 8 | 160 − 136 | 24 |
| 10 | 200 − 180 | 20 |
| 13 | 260 − 261 | −1 |
Der Gewinn ist bei am größten. Bei etwa 3,1 und 12,9 Stück liegt die Gewinnschwelle (Break-even): Dazwischen verdient die Firma, außerhalb nicht.
Deckungsbeitrag: Zerlegt man , gilt
.
Der Ausdruck ist der Deckungsbeitrag: Er zeigt, was nach Abzug der variablen Kosten zur Deckung der Fixkosten übrig bleibt. Bei : , also und . Diese Darstellung braucht man im nächsten Abschnitt für die Stilllegungsregel.
Ein häufiger Fehler: die Gewinnspanne maximieren
Die Spanne pro Stück ist im Minimum der ATC am größten. Das ist aber nicht das Gewinnmaximum. Der Gesamtgewinn ist bei am höchsten, und das liegt rechts vom ATC-Minimum.
Rechenbeispiel Konditorei: Spanne gegen Gesamtgewinn
ATC ist am kleinsten bei q ≈ 6,32 (ATC ≈ 16,65). Bei P = 20 ist die Spanne pro Stück dort am größten: 3,35 €.
Die Spanne ist bei 8 Stück kleiner (3 € statt 3,35 €), der Gesamtgewinn aber größer. Die zusätzlichen Stück lohnen sich, solange P > MC.
Prüfungsfalle: „Ein Unternehmen maximiert den Gewinn dort, wo der Stückgewinn am größten ist" ist falsch. Es zählt P = MC auf dem steigenden Ast, nicht das Minimum der Durchschnittskosten.
3 Kurzfristige Outputentscheidung und Stilllegung ★★★
Kurzfristig sind die Fixkosten schon angefallen und lassen sich nicht abbauen. Die Frage lautet daher nicht „lohnt sich das Geschäft?", sondern „ist Produzieren besser als Nichtproduzieren?".
Die Stilllegungsregel
Preis, KostenMenge qMC = AngebotskurveATCAVCStilllegungspunkt (Min AVC)Warum die AVC und nicht die ATC? Bei Stilllegung verliert man genau die Fixkosten (sie fallen ja trotzdem an). Deckt der Preis die variablen Kosten pro Stück, bleibt bei jedem Stück etwas übrig, das zu den Fixkosten beiträgt. Der Verlust ist dann kleiner als FC. Deckt der Preis nicht einmal die AVC, macht jedes Stück den Verlust größer.
Gleichbedeutend: Produziere, wenn der Erlös mindestens die variablen Kosten deckt, .
Drei Preisbereiche
| Preisbereich | Entscheidung | Ergebnis |
|---|---|---|
| P > ATC | produzieren | Gewinn |
| AVC ≤ P < ATC | produzieren | Verlust kleiner als FC |
| P < AVC | stilllegen | Verlust = FC |
Rechenbeispiel Konditorei bei verschiedenen Preisen
, , , FC = 40.
Die Firma produziert also auch bei Verlust, solange P ≥ AVC.
Prüfungsfalle: Der Stilllegungspunkt liegt beim Minimum der AVC, nicht der ATC. Ein Preis unter ATC, aber über AVC bedeutet: weiter produzieren.
Kurz- und langfristige Preisuntergrenze
| Kurzfristig | Langfristig | |
|---|---|---|
| Höhe | Minimum der AVC | Minimum der AC |
| Grund | Fixkosten sind nicht vermeidbar | alle Kosten sind vermeidbar |
| P darunter | Produktion einstellen | Marktaustritt |
Kurzfristig heißt die Untergrenze Betriebsminimum, langfristig Betriebsoptimum. Darüber produziert die Firma bei auf dem steigenden Ast. Die Kernfrage lautet immer: Deckt der Erlös die Kosten, die man durch Nichtproduzieren vermeiden könnte?
VertiefungHerleitung der Stilllegungsregel in zwei Zeilen
Vergleiche die beiden Möglichkeiten:
Produzieren ist besser, wenn , also wenn . Das gilt genau dann, wenn P ≥ AVC ist.
Die Fixkosten kürzen sich auf beiden Seiten weg. Deshalb spielen sie für die Stilllegung keine Rolle. Die Mengenentscheidung () ist eine Grenzbetrachtung, die Stilllegungsentscheidung ein Vergleich mit dem Durchschnitt.
VertiefungBeispiel Eisdiele im Winter
Eine Eisdiele zahlt 3.000 € Pacht pro Monat, egal ob geöffnet oder nicht (Fixkosten).
In beiden Fällen lohnt sich das Geschäft insgesamt nicht, denn die Pacht ist nicht gedeckt. Entscheidend ist aber nur, ob der Umsatz die vermeidbaren Kosten übertrifft.
Quasi-fixe Kosten (etwa Strom für die Kühlung) entfallen bei Schließung. Für die Entscheidung gehören sie daher zu den vermeidbaren Kosten.
VertiefungWarum Firmen oft trotz Verlusten weitermachen
Es gibt zwei Gründe, bei P < ATC nicht sofort zu schließen:
Langfristig gilt das nicht: Bleibt der Preis dauerhaft unter der ATC, werden Verträge nicht verlängert, und die Firma scheidet aus (Abschnitt 6).
4 Kurzfristiges Angebot von Firma und Markt ★★★
Aus den Entscheidungsregeln ergibt sich direkt die Angebotskurve: Sie sagt, welche Menge die Firma bei welchem Preis anbietet.
Angebot der einzelnen Firma
Die kurzfristige Angebotskurve eines Wettbewerbsunternehmens ist die MC-Kurve oberhalb des AVC-Minimums. Darunter ist das Angebot null.
Der Punkt heißt Stilllegungspunkt (Betriebsminimum). Die Kurve ist steigend, weil das Grenzprodukt sinkt (Kapitel Kosten).
Rechenbeispiel Angebotsfunktion der Konditorei
Aus folgt für .
VertiefungDie Angebotskurve bei U-förmigen Kosten: ein Sprung
Ein Betrieb hat , . Dann ist und das AVC-Minimum liegt bei mit .
Löst man nach q auf (steigender Ast): .
| Preis | Menge |
|---|---|
| unter 5 | 0 |
| 5 | 3 |
| 14 | 4 |
| 29 | 5 |
Beim Preis von knapp unter 5 bietet die Firma nichts an, bei 5 sofort 3 Stück: Die Angebotskurve springt vom Nullpunkt auf den MC-Ast. Der fallende Teil der MC links von wird nie gewählt (er verletzt die zweite Bedingung), und unter 5 € lohnt sich die Produktion nicht. Bei genau ist die Firma zwischen 0 und 3 Stück indifferent.
Zwischen und (ATC-Minimum) bietet die Firma an, macht aber Verlust. Erst darüber verdient sie (Abschnitt 3, drei Preisbereiche).
Vom Firmen- zum Marktangebot
Horizontale Aggregation: Bei jedem Preis werden die Mengen aller Firmen addiert.
In Worten: Das Marktangebot ist die Summe aller Firmenangebote. Bei gleichen Firmen heißt das: Zahl der Firmen mal Angebot einer Firma.
Beispiel ansehen
12 identische Konditoreien mit je Firma. Marktangebot: .
Marktnachfrage . Gleichgewicht: → , .
Jede Firma bietet Stück an. Probe: .
Unterschiedliche Firmen
Firmen können sich in ihren Grenzkosten unterscheiden (Management, Qualifikation, Technologie, Standort). Bei einem Preis bieten nur jene Firmen an, deren Preisuntergrenze erreicht ist. Firmen mit niedrigeren Grenzkosten bieten mehr an.
Rechenbeispiel Inframarginale Rente (Zusatz)
Drei Landwirte können je 100 kg Marillen liefern, mit Grenzkosten von 2 €, 4 € und 6 € pro kg. Die Nachfrage ist so hoch, dass alle drei gebraucht werden. Der Marktpreis ist 6 €: Der teuerste Anbieter (der marginale) legt ihn fest.
Die Gewinne von A und B sind inframarginale Renten: Sie kommen daher, dass sie billiger produzieren als der Preissetzer.
Dasselbe Prinzip steckt in der Merit Order am Strommarkt: Die Kraftwerke werden nach steigenden Grenzkosten gereiht, das letzte benötigte setzt den Preis.
VertiefungMarktangebot bei verschiedenen Firmen: die Treppenkurve
Zwei Konditoreien mit unterschiedlichen Grenzkosten:
Das Marktangebot hat daher zwei Teile (Knick bei ):
| Preisbereich | Marktangebot |
|---|---|
| P unter 4 | 0 |
| 4 bis 8 | (P − 4)/2 |
| ab 8 | P − 6 |
Ab 8 gilt . Die Marktangebotskurve wird bei flacher, weil Firma B dazukommt.
Bei Nachfrage : → , . Firma A liefert , Firma B . Die Summe ist 7.
VertiefungMerit Order am Strommarkt
Am Großhandelsmarkt für Strom ergibt sich das Angebot als Treppe: Die Kraftwerke werden nach ihren Grenzkosten gereiht, vom billigsten zum teuersten.
Eine vereinfachte Zahlenreihe (€ pro MWh, Leistung in MW):
| Kraftwerk | Grenzkosten | Leistung |
|---|---|---|
| Wind | 5 | 300 |
| Kohle | 60 | 100 |
| Gas | 110 | 200 |
Dieser Preis gilt für alle. Der Windpark hat sich in beiden Fällen nicht verändert, verdient aber bei 110 viel mehr (inframarginale Rente: statt ). Steigt der Gaspreis, steigt auch der Strompreis, selbst wenn der meiste Strom gar nicht aus Gas kommt.
5 Angebotsschocks: Kosten und Steuern ★★
Das Angebot folgt aus MR = MC. Alles, was die Grenzkosten oder den Netto-Grenzerlös verändert, verschiebt das Angebot.
Kostenseite
VertiefungWelche Kostenschocks ändern die Menge?
Nur Kosten, die an der Menge hängen, verschieben die MC und damit das Angebot.
Ein fixer Zuschlag pro Stück wirkt wie eine Mengensteuer. Eine Subvention pro Stück ist das Spiegelbild: Sie senkt die Grenzkosten und erhöht das Angebot.
Erlösseite: drei Arten von Steuern
In Worten: Vom Preis geht pro Stück die Mengensteuer t weg, vom Gewinn ein Prozentsatz, am Ende ein fixer Betrag T. Für die optimale Menge zählt nur t.
Beispiel ansehen
Die Bedingung erster Ordnung lautet , also .
Der Faktor ist nur ein Vorfaktor und ändert die Nullstelle nicht. T ist konstant und fällt beim Ableiten weg.
| Steuer | Wirkung auf die Menge | Warum |
|---|---|---|
| Mengensteuer (USt, Energie-, Tabaksteuer, Zölle) | sinkt | Netto-Grenzerlös ist P − t |
| Gewinnsteuer (Körperschaft-, Einkommensteuer) | unverändert | Faktor fällt bei MR = MC heraus |
| Pauschalsteuer | unverändert | unabhängig von Q |
Rechenbeispiel Drei Steuern bei der Konditorei
, P = 20.
Prüfungsfalle: „Eine Gewinnsteuer senkt die Angebotsmenge" ist falsch (bei Gewinnmaximierung). Sie ändert nur den Gewinn, nicht die Optimalbedingung. Nur die Mengensteuer verschiebt das Angebot.
VertiefungWer trägt die Mengensteuer? Preis und Menge am Markt
Wir nehmen die 12 Konditoreien: Marktangebot , Marktnachfrage . Ohne Steuer: , .
Der Staat erhebt eine Mengensteuer von pro Stück. Die Firma behält nur , also bietet sie an: .
Die Seite mit der geringeren Ausweichmöglichkeit (hier die Nachfrage, die weniger stark auf Preise reagiert als das Angebot) trägt mehr. Die Menge sinkt von 66 auf 63. Diese Mengenänderung ist der Wohlfahrtsverlust der Steuer: .
6 Langfristiges Gleichgewicht ★★★
Langfristig kann die Firma die Anlagengröße anpassen und ganz aus dem Markt ausscheiden, und neue Firmen können eintreten. Das verändert Angebot und Preis.
Preis, KostenMenge qLMCLACPP = Min LAC → Gewinn = 0q*Entscheidung der einzelnen Firma
Der Anpassungsmechanismus
Die Anpassung erfolgt also über Ein- und Austritt, nicht über einzelne Firmen, die ihren Preis ändern.
Das Gleichgewicht
Drei Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein:
In Worten: Langfristig verkauft jede Firma zum Minimum ihrer Stückkosten. Wäre der Preis höher, kämen neue Firmen, wäre er niedriger, würden Firmen aussteigen.
Beispiel ansehen
LAC-Minimum bei 18 € pro Stück, erreicht bei je Firma. Marktnachfrage .
Jede Firma produziert im Minimum der LAC. Das ist die produktive Effizienz: Das Gut wird zu den geringstmöglichen Stückkosten hergestellt.
Was bedeutet Nullgewinn?
Ökonomischer Nullgewinn heißt nicht, dass niemand etwas verdient. Die ökonomischen Kosten enthalten schon alle Opportunitätskosten, also das Unternehmergehalt und die normale Verzinsung des Kapitals. Die Firma verdient genau so viel wie in der besten Alternative. Buchhalterisch steht ein positiver Gewinn.
Prüfungsfalle: „Im langfristigen Wettbewerbsgleichgewicht verdienen die Firmen nichts" ist falsch. Sie verdienen die normale Verzinsung, nur keinen Überschuss darüber.
VertiefungEine Firma bei drei Preisen: Gewinn, Nullgewinn, Verlust
Langfristige Kosten einer Firma: (die 100 sind Kosten, die auch langfristig anfallen, etwa Zulassung und Grundausstattung). Dann ist und . Das LAC-Minimum liegt bei mit .
| Preis | Menge (P = LMC) | Gewinn |
|---|---|---|
| 26 | 13 | 338 − 269 = +69 |
| 20 | 10 | 200 − 200 = 0 |
| 14 | 7 | 98 − 149 = −51 |
VertiefungWarum im Gleichgewicht P = LMC = LAC_min gelten muss
Zwei Bedingungen kommen zusammen:
Beide gleichzeitig ergeben . Nach der Schnittpunkt-Regel (Kapitel Kosten) schneidet die Grenzkostenkurve die Durchschnittskosten nur im Minimum. Also muss die Firma genau dort produzieren: .
Der Wettbewerb drückt den Preis damit bis auf das Niveau der niedrigsten möglichen Stückkosten. Deshalb gilt er als effizient: Kein Gut kann billiger hergestellt werden.
VertiefungWenn der freie Zutritt fehlt
Die Nullgewinn-Aussage steht und fällt mit der Annahme, dass jede:r eintreten kann. Gibt es Barrieren, bleibt ein Gewinn bestehen:
In solchen Fällen kann der Preis dauerhaft über liegen. Das ist der Ausgangspunkt für Marktmacht und Monopol.
7 Anpassung bei Nachfrageänderung und langfristiges Angebot ★★★
Wie läuft die Anpassung an eine neue Nachfrage ab, und wie sieht die langfristige Marktangebotskurve aus?
Nachfrageanstieg im Wettbewerbsmarkt
Rechenbeispiel Nachfrage steigt: Anpassung über die Firmenzahl
Die Nachfrage steigt auf . Die Kosten bleiben gleich.
Bei konstanten Kosten passt sich langfristig die Menge an, nicht der Preis.
VertiefungDieselbe Anpassung mit einer Kostenfunktion durchgerechnet
Jede Firma hat (Abschnitt 6). Ihr Angebot ist . Anfangs gibt es Firmen und die Nachfrage .
Ausgangsgleichgewicht: Marktangebot . Aus folgt , , je Firma 10 Stück. Die Firmen verdienen null.
Nachfrage steigt auf :
Kurzfristig ist der Preis von 20 auf 25 gestiegen, langfristig fällt er wieder zurück. Die Menge hat sich dauerhaft erhöht (600 → 900).
Unterschiedliche Firmen
Sind die Firmen verschieden, gilt weiterhin bei jeder Firma, die produziert. Nullgewinn gibt es aber nur beim marginalen Unternehmen, also dem mit den höchsten Mindeststückkosten. Alle effizienteren Firmen behalten auch langfristig einen Gewinn.
Langfristige Marktangebotskurve
Ihre Form hängt davon ab, was mit den Kosten der einzelnen Firma passiert, wenn die ganze Branche wächst.
| Branchentyp | Verlauf | Grund |
|---|---|---|
| Konstante Kosten | waagrecht bei | Branche beeinflusst Inputpreise nicht |
| Steigende Kosten | steigend | knappe Inputs werden teurer |
| Fallende Kosten | fallend | Skalenvorteile, billigere Inputs |
Die langfristige Marktangebotskurve ist immer elastischer als die kurzfristige, weil Ein- und Austritt möglich sind.
VertiefungSteigende und fallende Kosten der Branche: Beispiele
Steigende Kosten: Wächst die Weinbranche, wird gutes Land knapper und teurer. Jede Firma zahlt mehr Pacht, ihre steigt.
| Branchenmenge | langfristiger Preis |
|---|---|
| 600 | 20 |
| 900 | 23 |
| 1.200 | 26 |
Die langfristige Angebotskurve steigt also, obwohl Ein- und Austritt frei sind. Im Gegensatz zum Fall konstanter Kosten reagiert hier auch der Preis auf die Branchengröße.
Fallende Kosten: Ballt sich eine Branche in einer Region (etwa Softwarefirmen in einer Stadt), entstehen spezialisierte Zulieferer, ein gemeinsamer Arbeitsmarkt und Wissensaustausch. Dann sinkt mit der Branchengröße. Die Vorteile entstehen hier für die Branche, nicht für die einzelne Firma. Das ist selten.
VertiefungVerschiedene Firmen im Gleichgewicht
Drei Betriebe haben Mindeststückkosten von 16, 18 und 20 €. Der Marktpreis betrage 20 € (der Betrieb mit den höchsten Kosten ist marginal), und jeder liefert 10 Stück.
Ein neuer Betrieb mit 22 € Mindestkosten kommt nicht in den Markt, weil er unter dem Preis anbieten müsste. Die Gewinne von A und B bleiben bestehen. Dahinter steckt oft ein knapper Input (guter Standort, besondere Fähigkeiten), der nicht beliebig vermehrbar ist. Müsste A für seinen Standort Pacht zahlen, die genau dem Vorteil entspricht, wäre der Gewinn wieder bei null: Die Pacht ist dann ein Kostenposten.
8 Gewinnmaximale Inputwahl (Vertiefung) ★★
Dieselbe Optimierung lässt sich auch direkt über die Inputs statt über die Menge lösen. Das Ergebnis passt zur Kostenminimierung.
Kurze Frist: nur Arbeit variabel
Kapital ist fix, gesucht ist der gewinnmaximale Arbeitseinsatz: .
In Worten: Stelle so lange Leute ein, wie die letzte Arbeitskraft mehr Erlös bringt (Stück mal Preis) als sie kostet.
Beispiel ansehen
Brotpreis P = 3 €, Lohn ω = 24 € pro Stunde. Die L-te Arbeitsstunde schafft Brote.
Probe: Bei L = 6 schafft die Stunde 8 Brote, Erlös 24 €, genau der Lohn. Bei L = 7 sind es nur 6 Brote und 18 €, die Stunde kostet aber 24 €, also nicht mehr einstellen.
Das Wertgrenzprodukt ist der Erlös der letzten Arbeitseinheit. Es sinkt mit steigendem L (abnehmender Grenzertrag). Im Optimum ist es gleich dem Lohn.
VertiefungDas Wertgrenzprodukt als Arbeitsnachfrage
Die Kurve des Wertgrenzprodukts zeigt zu jedem Lohn, wie viel Arbeit die Firma nachfragt. Sie fällt, weil sinkt.
Bei :
| Änderung | Bedingung | Ergebnis |
|---|---|---|
| Ausgangslage P = 3, ω = 24 | L = 6 | |
| Lohn steigt auf 30 | L = 5 | |
| Brotpreis steigt auf 4 | L = 7 |
So hängt die Arbeitsnachfrage vom Lohn und vom Produktpreis ab.
Lange Frist: alles variabel
Es gelten und . Teilt man die beiden Bedingungen, folgt , genau die Bedingung der Kostenminimierung.
Zwei Herleitungen führen zum selben Ergebnis:
Marginalprinzip: Man setzt einen Faktor so lange ein, bis sein Zusatzerlös (Wertgrenzprodukt) nur noch seinen Preis deckt. Die gewinnoptimale Kombination ist zugleich die kostenminimale für die gewinnoptimale Menge.
VertiefungBeide Wege führen zum selben Ergebnis: ein Zahlenbeispiel
Kapital ist fix, die Produktion ist . Preis , Lohn .
Weg 1: über die Inputwahl. . Bedingung: → → → 20.
Weg 2: über die Kosten. Aus folgt . Variable Kosten: . Grenzkosten: . Bedingung : → 20.
Beide Wege liefern 20 Stück. Der Arbeitseinsatz ist zugleich die kostenminimale Arbeitsmenge für diesen Output.
9 Wohlfahrt im Wettbewerbsgleichgewicht ★★
Ist das Wettbewerbsergebnis auch für die Gesellschaft gut? Unter bestimmten Bedingungen ja, und genau das macht den Wettbewerb zum Maßstab.
Wohlfahrt =
Zahlungsbereitschaft
− GrenzkostenZahlungsbereitschaft (D)Grenzkosten (S)Q*letzte Einheit:
Nutzen = KostenPreis PMenge QAllokative Effizienz
Das Wettbewerbsgleichgewicht ist allokativ effizient: Es werden alle Einheiten produziert, bei denen der Nutzen die Kosten übersteigt. Bei der letzten gehandelten Einheit halten sich Nutzen und Kosten genau die Waage. Jede andere Menge senkt die Wohlfahrt.
Rechenbeispiel Warum die Gleichgewichtsmenge optimal ist
Eine Einheit ist dem Käufer 10 € wert und kostet 6 € in der Herstellung: Handel bringt +4 € Wohlfahrt.
Eine spätere Einheit ist dem Käufer nur 5 € wert, kostet aber 7 €: Wird sie produziert, entsteht ein Wohlfahrtsverlust von −2 €.
Optimal ist, genau bis zur Einheit zu produzieren, bei der Zahlungsbereitschaft und Grenzkosten gleich sind.
Prüfungsfalle: „Mehr Produktion erhöht immer die Wohlfahrt" ist falsch. Einheiten jenseits des Gleichgewichts kosten mehr, als sie den Käufern wert sind.
Zwei Arten von Effizienz
Wichtig: Das gilt nur ohne Marktversagen. Bei Marktmacht, Externalitäten, Informationsproblemen und öffentlichen Gütern ist das Ergebnis nicht effizient. Genau daran setzt das nächste Kapitel an.
VertiefungWohlfahrt ausrechnen: zu wenig, richtig, zu viel
Zahlungsbereitschaft (Nachfrage): . Grenzkosten (Angebot): .
Gleichgewicht: → , . Bei beträgt der Abstand zwischen den Kurven 40, bei null. Die Fläche ist ein Dreieck: 400.
| Menge | Wohlfahrt | Warum |
|---|---|---|
| 10 | 300 | Dreieck zwischen 10 und 20 fehlt (100) |
| 20 | 400 | Maximum |
| 30 | 300 | Einheiten 21 bis 30 kosten mehr als sie nützen (−100) |
Zu wenig (Q = 10, etwa durch einen Höchstpreis von 20): Die Einheiten 11 bis 20 würden Gewinn bringen, werden aber nicht hergestellt. Verlust: .
Zu viel (Q = 30): Die Einheiten 21 bis 30 kosten mehr, als sie wert sind. Auch hier sind es 100.
Mengensteuer als Beispiel: Eine Steuer von 10 verschiebt die Angebotskurve auf . Die neue Menge: → . Der Wohlfahrtsverlust ist . Die Einnahmen des Staates () bleiben der Gesellschaft erhalten, sie sind kein Verlust.
VertiefungEffizient heißt nicht gerecht
Allokative Effizienz sagt nur etwas über die Gesamtgröße der Wohlfahrt, nicht über ihre Verteilung.
Die Aussage „der Markt ist effizient" bedeutet deshalb nicht „der Markt ist fair". Sie gilt außerdem nur, wenn keine der vier Ursachen von Marktversagen vorliegt.