VWL · Kapitel 5/8

Gewinnmaximierung & Wettbewerb

Mikroökonomie21 Min. LesezeitRelevanz ★★★
Auf einen Blick
  • Vollkommener Wettbewerb: viele Preisnehmer, homogenes Gut, Transparenz, freier Zutritt. Die Firma sieht eine waagrechte Nachfrage, daher P=AR=MR.
  • Gewinnmaximum: MR=MC, im Wettbewerb P=MC auf dem steigenden MC-Ast. Der Stückgewinn ist dort nicht maximal.
  • Stilllegen, wenn P<AVC, denn Fixkosten sind kurzfristig nicht vermeidbar. Die kurzfristige Angebotskurve ist die MC-Kurve über dem AVC-Minimum.
  • Das Marktangebot ist die horizontale Summe der Firmenangebote. Nur die Mengensteuer verschiebt das Angebot, Gewinn- und Pauschalsteuer nicht.
  • Langfristig: P=LMC=LACmin⁡ und ökonomischer Gewinn null durch Ein- und Austritt. Nullgewinn bedeutet normale Verzinsung, nicht Not.
  • Die langfristige Angebotskurve ist waagrecht (konstante Kosten) oder steigend (steigende Kosten) und immer elastischer als die kurzfristige.
  • Optimale Inputwahl: Wertgrenzprodukt = Faktorpreis. Das Wettbewerbsergebnis ist allokativ und produktiv effizient, solange kein Marktversagen vorliegt.
Inhalt10 Abschnitte
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1 Vollkommener Wettbewerb ★★★

Der vollkommene Wettbewerb ist der einfachste Marktaufbau und dient als Maßstab (Benchmark) für alle anderen. Wer ihn versteht, versteht auch, was passiert, wenn Unternehmen Marktmacht haben. Produzentenrente und ökonomische Rente werden hier nicht vertieft.

Die Annahmen

Vier Annahmen kennzeichnen den vollkommenen Wettbewerb:

1Sehr viele Marktteilnehmer, jeder winzig: Keiner kann den Preis beeinflussen. Alle sind Preisnehmer.
2Homogenes Gut: Die Produkte sind gleich, Käufer haben keinen Grund, einen bestimmten Anbieter zu bevorzugen.
3Markttransparenz: Alle kennen Preise und Güter.
4Keine Ein- und Austrittsbarrieren (langfristig).

Je nach Darstellung werden nur drei Annahmen genannt (Preisnehmer, Homogenität, freier Zutritt und Austritt). Die Transparenz wird oft als vierte ergänzt.

Markt und einzelne Firma: zwei verschiedene Kurven

Der Marktpreis entsteht aus Marktnachfrage und Marktangebot. Die einzelne Firma akzeptiert ihn, und bei diesem Preis findet sie für praktisch jede Menge Käufer. Ihre Nachfragekurve ist daher waagrecht auf Höhe des Marktpreises.

Aus Sicht der Firma ist die Nachfrage vollkommen preiselastisch (ε=−∞).
Zu einem höheren Preis verkauft sie nichts, zu einem niedrigeren würde sie ohne Grund auf Erlös verzichten.
Die Marktnachfrage fällt ganz normal von links oben nach rechts unten.

Prüfungsfalle: Marktnachfrage und Nachfrage aus Sicht der Einzelfirma verwechseln. Die Marktnachfrage ist fallend, die Firmennachfrage waagrecht.

Einfach erklärt: Ein Erdäpfelbauer am Wochenmarkt sieht überall denselben Preis. Verlangt er mehr, kauft man beim Nachbarn. Einen Preis darunter anzubieten, hat keinen Sinn, denn er verkauft ohnehin alles zum Marktpreis.

VertiefungWarum die Firmennachfrage waagrecht ist: Elastizität und Marktanteil

Je kleiner der Marktanteil einer Firma, desto elastischer ist die Nachfrage, die sie selbst spürt. Vereinfacht (die anderen Anbieter ändern ihre Menge nicht) gilt:

FormelElastizität der Firmennachfrage
εFirma=εMarkts

In Worten: Die Nachfrage der einzelnen Firma ist um so elastischer, je kleiner ihr Marktanteil s ist. Bei einem verschwindend kleinen Anteil wird sie unendlich elastisch.

s = Marktanteil der Firma (zwischen 0 und 1)εMarkt = Preiselastizität der Marktnachfrage
Beispiel ansehen

Die Marktnachfrage hat εMarkt=−1,5.

Marktanteil 50 %: εFirma=−1,5/0,5= −3
Marktanteil 1 %: εFirma=−1,5/0,01= −150
Marktanteil 0,001 %: −150.000

Ab einem winzigen Anteil ist die Nachfrage praktisch waagrecht. Die Firma ist Preisnehmerin.

Herleitung: Die Firma verkauft QF=s⋅QM. Ändert sich die Marktmenge bei einer Preisänderung um ΔQM und bleiben die anderen Anbieter gleich, ist das auch die Mengenänderung der Firma. Bezogen auf die viel kleinere Firmenmenge ist die prozentuale Änderung 1/s-mal so groß wie am Gesamtmarkt.

VertiefungWofür man welche Annahme braucht

Jede Annahme sorgt für eine bestimmte Eigenschaft. Fällt sie weg, verändert sich auch das Ergebnis:

AnnahmeSorgt fürWenn verletzt
PreisnehmerPreis = GrenzerlösPreissetzung, Marktmacht
Homogenes Gutein einziger MarktpreisMarkenbindung, eigene Preisspielräume
TransparenzKäufer wechseln zum Billigstenverschiedene Preise für dasselbe Gut
Freier ZutrittNullgewinn auf lange SichtDauergewinne durch Barrieren

Der vollkommene Wettbewerb ist ein Idealfall. Märkte für Rohstoffe, Agrarprodukte oder Aktien kommen ihm nahe. Er ist trotzdem nützlich, weil man an ihm abliest, was Marktmacht verändert.

Preis, Durchschnittserlös und Grenzerlös

FormelErlös im vollkommenen Wettbewerb
R=P⋅Q⇒AR=RQ=P,MR=dRdQ=P

In Worten: Jedes zusätzliche Stück bringt genau den Marktpreis, denn der Preis ändert sich durch die eigene Menge nicht. Preis, Durchschnittserlös und Grenzerlös sind gleich.

R = ErlösAR = DurchschnittserlösMR = Grenzerlös
Beispiel ansehen

Marktpreis P = 5 €. Verkauft die Firma 10 Stück, ist R=50. Bei 11 Stück ist R=55.

Das 11. Stück bringt also 5 €, das ist MR. Der Durchschnitt R/Q=55/11=5 ist ebenfalls 5. Daher: P=AR=MR.

2 Gewinnmaximierung ★★★

Die zentrale Frage lautet: Wie viel soll das Unternehmen produzieren? Die Antwort ist ein Vergleich am Rand: Lohnt sich das nächste Stück?

Gewinnmaximum bei P = MC: Preis (Schwarz, waagrecht), Grenzkosten (Blau), Durchschnittskosten (Grau). Das gelbe Rechteck ist der Gewinn.Preis, KostenMenge qP = MRMCATCP = MCGewinnq*
← Grafik seitlich wischen →
Gewinnmaximum bei P = MC: Preis (Schwarz, waagrecht), Grenzkosten (Blau), Durchschnittskosten (Grau). Das gelbe Rechteck ist der Gewinn.

Gewinn und Optimalbedingung

Ökonomischer Gewinn: Erlös minus alle ökonomischen Kosten, π(Q)=R(Q)−C(Q). Die Kosten sind die minimalen Kosten aus der Kostenminimierung (Kapitel Kosten) und enthalten auch implizite Kosten (Unternehmerlohn, normale Kapitalverzinsung). Ein buchhalterisch positiver Gewinn kann daher ökonomisch null oder negativ sein, was im langfristigen Gleichgewicht (Abschnitt 6) wichtig wird.

Der Erlös ist R(Q)=P(Q)⋅Q. Wie Preis und Menge zusammenhängen, hängt von der Marktform ab.

FormelGewinnmaximierung (jede Marktform)
dπdQ=MR−MC=0⇒MR=MC

In Worten: Produziere so lange, wie das nächste Stück mehr einbringt (Grenzerlös) als es kostet (Grenzkosten). Beim Gleichstand aufhören.

MR = Grenzerlös, Zusatzerlös durch ein Stück mehrMC = Grenzkosten, Zusatzkosten durch ein Stück mehr
Beispiel ansehen

Ein Marmeladenproduzent verkauft jedes Glas für 5 €.

Das 10. Glas kostet 3 € extra → +2 € Gewinn, also produzieren.
Das 11. Glas kostet 5 € extra → ±0, egal.
Das 12. Glas kostet 7 € extra → −2 €, nicht mehr produzieren.

Optimal sind 11 Gläser. Hier gilt MR = MC.

FormelGewinnmaximum im vollkommenen Wettbewerb
P=MC

In Worten: Im Wettbewerb bringt jedes Stück genau den Marktpreis ein (MR = P). Also: Produziere, bis die Grenzkosten den Preis erreichen.

P = Marktpreis
Beispiel ansehen

Kostenfunktion einer Konditorei: TC=40+4q+q2, also MC=4+2q. Marktpreis P = 20.

20=4+2q → q∗= 8

VertiefungStück für Stück zum Optimum: eine Tabelle

Eine Tischlerei verkauft Stühle zum Marktpreis von 40 €. Die Zusatzkosten des jeweils nächsten Stuhls steigen:

StuhlZusatzkosten (MC)Zusatzgewinn
110+30
214+26
320+20
428+12
5400
655−15

Der Gewinn wächst bis zum 4. Stuhl (insgesamt 30+26+20+12=88 vor Abzug der Fixkosten). Beim 5. Stuhl ändert sich nichts mehr: Hier ist P=MC, man ist indifferent. Der 6. Stuhl würde den Gewinn schmälern.

Das ist die Idee hinter der Ableitung: dπ/dQ ist der Zusatzgewinn des nächsten Stücks, und im Optimum ist er null.

Zweite Bedingung

Die Bedingung P=MC allein reicht nicht. Die Grenzkosten müssen an dieser Stelle steigen. Formal verlangt das d2π/dQ2=− dMC/dQ<0.

Bei einer U-förmigen MC-Kurve gibt es zwei Schnittpunkte mit der Preislinie. Nur der rechte, auf dem steigenden Ast, ist ein Gewinnmaximum. Links davon ist es ein Gewinnminimum.

Prüfungsfalle: Beim Gewinnmaximum den fallenden Ast der MC-Kurve zu wählen ist falsch. Dort wäre jede Mengenausweitung noch profitabel.

VertiefungZwei Schnittpunkte: Minimum und Maximum mit Zahlen

Ein Betrieb hat VC=q3−6q2+14q und FC=20. Damit ist MC=3q2−12q+14. Der Marktpreis sei P=5.

Schnittpunkte mit der Preislinie: 3q2−12q+14=5 → q2−4q+3=0 → q=1 oder q=3.

Zweite Bedingung: Die Steigung der Grenzkosten ist 6q−12.

Bei q=1: −6, die MC fällt → kein Maximum.
Bei q=3: +6, die MC steigt → Maximum.

Probe über den Gewinn π(q)=5q−VC−20:

qGewinn
0−20
1−24
2−22
3−20
4−24

Bei q=1 ist der Gewinn lokal am kleinsten, bei q=3 lokal am größten. Hier ist der Maximalgewinn −20, also genau der Verlust bei Stilllegung. Das passt, denn P=5 ist zugleich das AVC-Minimum (Abschnitt 3).

Gewinn grafisch und rechnerisch

Der Gewinn ist ein Rechteck: Menge mal Differenz aus Preis und Durchschnittskosten.

FormelGewinn über die Durchschnittskosten
π=Q⋅(P−ATC)

In Worten: Gewinn pro Stück mal Menge. Liegt der Preis über den Durchschnittskosten, macht die Firma Gewinn, sonst Verlust.

ATC = durchschnittliche Gesamtkosten
Beispiel ansehen

Konditorei mit TC=40+4q+q2, P = 20, q∗=8.

ATC=40/8+4+8=17
π=8⋅(20−17)= 24 €

Probe über Erlös und Kosten: R=160, TC=40+32+64=136, also π=24.

VertiefungGewinn als Abstand von Erlös und Kosten, Deckungsbeitrag

Abstand der Kurven: Im Mengen-Erlös-Diagramm ist R=P⋅Q eine Gerade durch den Ursprung mit Steigung P. Die Gesamtkostenkurve startet bei FC. Der Gewinn ist der senkrechte Abstand zwischen beiden. Er ist am größten, wo die Kostenkurve dieselbe Steigung hat wie die Erlösgerade, also MC=P.

Konditorei mit TC=40+4q+q2 und P=20:

qErlös − KostenGewinn
480 − 728
6120 − 10020
8160 − 13624
10200 − 18020
13260 − 261−1

Der Gewinn ist bei q=8 am größten. Bei etwa 3,1 und 12,9 Stück liegt die Gewinnschwelle (Break-even): Dazwischen verdient die Firma, außerhalb nicht.

Deckungsbeitrag: Zerlegt man TC=FC+VC, gilt

π=(P−AVC)⋅Q−FC.

Der Ausdruck (P−AVC)⋅Q ist der Deckungsbeitrag: Er zeigt, was nach Abzug der variablen Kosten zur Deckung der Fixkosten übrig bleibt. Bei q=8: AVC=4+8=12, also (20−12)⋅8=64 und π=64−40=24. Diese Darstellung braucht man im nächsten Abschnitt für die Stilllegungsregel.

Ein häufiger Fehler: die Gewinnspanne maximieren

Die Spanne pro Stück P−ATC ist im Minimum der ATC am größten. Das ist aber nicht das Gewinnmaximum. Der Gesamtgewinn Q⋅(P−ATC) ist bei P=MC am höchsten, und das liegt rechts vom ATC-Minimum.

Rechenbeispiel Konditorei: Spanne gegen Gesamtgewinn

ATC ist am kleinsten bei q ≈ 6,32 (ATC ≈ 16,65). Bei P = 20 ist die Spanne pro Stück dort am größten: 3,35 €.

Bei q ≈ 6,32: Gewinn ≈ 6,32 · 3,35 ≈ 21,2 €
Bei q = 8 (P = MC): Gewinn = 8 · 3 = 24 €

Die Spanne ist bei 8 Stück kleiner (3 € statt 3,35 €), der Gesamtgewinn aber größer. Die zusätzlichen Stück lohnen sich, solange P > MC.

Prüfungsfalle: „Ein Unternehmen maximiert den Gewinn dort, wo der Stückgewinn am größten ist" ist falsch. Es zählt P = MC auf dem steigenden Ast, nicht das Minimum der Durchschnittskosten.

3 Kurzfristige Outputentscheidung und Stilllegung ★★★

Kurzfristig sind die Fixkosten schon angefallen und lassen sich nicht abbauen. Die Frage lautet daher nicht „lohnt sich das Geschäft?", sondern „ist Produzieren besser als Nichtproduzieren?".

Die Stilllegungsregel

P ≥ AVC → weiterproduzieren, und zwar die Menge mit P=MC.
P < AVC → stilllegen, die Produktion auf null setzen.
Stilllegungspunkt: Fällt der Preis unter das Minimum der AVC (Grau), wird die Produktion eingestellt. Die Angebotskurve ist der MC-Ast darüber.Preis, KostenMenge qMC = AngebotskurveATCAVCStilllegungspunkt (Min AVC)
← Grafik seitlich wischen →
Stilllegungspunkt: Fällt der Preis unter das Minimum der AVC (Grau), wird die Produktion eingestellt. Die Angebotskurve ist der MC-Ast darüber.

Warum die AVC und nicht die ATC? Bei Stilllegung verliert man genau die Fixkosten (sie fallen ja trotzdem an). Deckt der Preis die variablen Kosten pro Stück, bleibt bei jedem Stück etwas übrig, das zu den Fixkosten beiträgt. Der Verlust ist dann kleiner als FC. Deckt der Preis nicht einmal die AVC, macht jedes Stück den Verlust größer.

Gleichbedeutend: Produziere, wenn der Erlös mindestens die variablen Kosten deckt, R≥VC.

Drei Preisbereiche

PreisbereichEntscheidungErgebnis
P > ATCproduzierenGewinn
AVC ≤ P < ATCproduzierenVerlust kleiner als FC
P < AVCstilllegenVerlust = FC
Rechenbeispiel Konditorei bei verschiedenen Preisen

TC=40+4q+q2, MC=4+2q, AVC=4+q, FC = 40.

P = 20: q∗=8, AVC = 12 < 20. Gewinn +24.
P = 12: q∗=4, AVC = 8 < 12. R=48, TC=72, Gewinn −24. Besser als −40 bei Stilllegung, also weiterproduzieren.
P = 6: q∗=1, AVC = 5 < 6. R=6, TC=45, Gewinn −39. Knapp besser als −40.
P = 3: niedriger als das AVC-Minimum von 4 → stilllegen, Verlust −40.

Die Firma produziert also auch bei Verlust, solange P ≥ AVC.

Prüfungsfalle: Der Stilllegungspunkt liegt beim Minimum der AVC, nicht der ATC. Ein Preis unter ATC, aber über AVC bedeutet: weiter produzieren.

Kurz- und langfristige Preisuntergrenze

KurzfristigLangfristig
HöheMinimum der AVCMinimum der AC
GrundFixkosten sind nicht vermeidbaralle Kosten sind vermeidbar
P darunterProduktion einstellenMarktaustritt

Kurzfristig heißt die Untergrenze Betriebsminimum, langfristig Betriebsoptimum. Darüber produziert die Firma bei P=MC auf dem steigenden Ast. Die Kernfrage lautet immer: Deckt der Erlös die Kosten, die man durch Nichtproduzieren vermeiden könnte?

VertiefungHerleitung der Stilllegungsregel in zwei Zeilen

Vergleiche die beiden Möglichkeiten:

Stilllegen: Der Gewinn ist −FC.
Produzieren (mit der besten Menge q∗): π=(P−AVC)⋅q∗−FC (Deckungsbeitrag, siehe Abschnitt 2).

Produzieren ist besser, wenn (P−AVC)⋅q∗−FC≥−FC, also wenn (P−AVC)⋅q∗≥0. Das gilt genau dann, wenn P ≥ AVC ist.

Die Fixkosten kürzen sich auf beiden Seiten weg. Deshalb spielen sie für die Stilllegung keine Rolle. Die Mengenentscheidung (P=MC) ist eine Grenzbetrachtung, die Stilllegungsentscheidung ein Vergleich mit dem Durchschnitt.

VertiefungBeispiel Eisdiele im Winter

Eine Eisdiele zahlt 3.000 € Pacht pro Monat, egal ob geöffnet oder nicht (Fixkosten).

Variante A: Im Winter beträgt der Umsatz 2.500 €, die variablen Kosten (Personal, Zutaten, Strom) 2.800 €. Geöffnet: 2.500−2.800−3.000=−3.300. Geschlossen: −3.000. → Zusperren, denn jeder Öffnungstag kostet mehr, als er einbringt.
Variante B: Gleicher Umsatz, aber nur 1.900 € variable Kosten. Geöffnet: 2.500−1.900−3.000=−2.400. → Offen lassen, weil der Verlust um 600 € kleiner ist als bei Schließung.

In beiden Fällen lohnt sich das Geschäft insgesamt nicht, denn die Pacht ist nicht gedeckt. Entscheidend ist aber nur, ob der Umsatz die vermeidbaren Kosten übertrifft.

Quasi-fixe Kosten (etwa Strom für die Kühlung) entfallen bei Schließung. Für die Entscheidung gehören sie daher zu den vermeidbaren Kosten.

VertiefungWarum Firmen oft trotz Verlusten weitermachen

Es gibt zwei Gründe, bei P < ATC nicht sofort zu schließen:

1Kurzfristig sind die Fixkosten ohnehin weg, ob man produziert oder nicht. Jeder Euro Deckungsbeitrag lindert den Verlust.
2Wiedereinstieg kostet etwas: Ein stillgelegter Betrieb verliert Personal, Lieferverträge und Kundschaft. Wer eine kurze Flaute erwartet, hält den Betrieb offen.

Langfristig gilt das nicht: Bleibt der Preis dauerhaft unter der ATC, werden Verträge nicht verlängert, und die Firma scheidet aus (Abschnitt 6).

4 Kurzfristiges Angebot von Firma und Markt ★★★

Aus den Entscheidungsregeln ergibt sich direkt die Angebotskurve: Sie sagt, welche Menge die Firma bei welchem Preis anbietet.

Angebot der einzelnen Firma

Einfach erklärt

Die kurzfristige Angebotskurve eines Wettbewerbsunternehmens ist die MC-Kurve oberhalb des AVC-Minimums. Darunter ist das Angebot null.

Der Punkt P=AVCmin⁡ heißt Stilllegungspunkt (Betriebsminimum). Die Kurve ist steigend, weil das Grenzprodukt sinkt (Kapitel Kosten).

Rechenbeispiel Angebotsfunktion der Konditorei

Aus P=MC=4+2q folgt q=(P−4)/2 für P≥4.

P = 8 → q = 2
P = 14 → q = 5
P = 20 → q = 8
P < 4 → q = 0
VertiefungDie Angebotskurve bei U-förmigen Kosten: ein Sprung

Ein Betrieb hat VC=q3−6q2+14q, FC=20. Dann ist MC=3q2−12q+14 und das AVC-Minimum liegt bei q=3 mit AVCmin⁡=5.

Löst man P=MC nach q auf (steigender Ast): q=2+(P−2)/3.

PreisMenge
unter 50
53
144
295

Beim Preis von knapp unter 5 bietet die Firma nichts an, bei 5 sofort 3 Stück: Die Angebotskurve springt vom Nullpunkt auf den MC-Ast. Der fallende Teil der MC links von q=3 wird nie gewählt (er verletzt die zweite Bedingung), und unter 5 € lohnt sich die Produktion nicht. Bei genau P=5 ist die Firma zwischen 0 und 3 Stück indifferent.

Zwischen P=5 und P≈10,9 (ATC-Minimum) bietet die Firma an, macht aber Verlust. Erst darüber verdient sie (Abschnitt 3, drei Preisbereiche).

Vom Firmen- zum Marktangebot

Horizontale Aggregation: Bei jedem Preis werden die Mengen aller Firmen addiert.

FormelMarktangebot
SM(P)=∑i=1NSi(P)⇒SM(P)=N⋅Si(P) bei identischen Firmen

In Worten: Das Marktangebot ist die Summe aller Firmenangebote. Bei gleichen Firmen heißt das: Zahl der Firmen mal Angebot einer Firma.

SM = MarktangebotN = Zahl der Firmen
Beispiel ansehen

12 identische Konditoreien mit q=(P−4)/2 je Firma. Marktangebot: Q=12⋅(P−4)/2=6P−24.

Marktnachfrage Q=96−2P. Gleichgewicht: 6P−24=96−2P → P=15, Q=66.

Jede Firma bietet (15−4)/2=5,5 Stück an. Probe: 12⋅5,5=66.

Das Marktangebot ist flacher (elastischer) als das einer einzelnen Firma, denn die Mengen addieren sich bei jedem Preis.
Kurzfristig ist die Zahl der Firmen fix.
Bei ausgelasteten Kapazitäten wird das kurzfristige Marktangebot sehr unelastisch.

Unterschiedliche Firmen

Firmen können sich in ihren Grenzkosten unterscheiden (Management, Qualifikation, Technologie, Standort). Bei einem Preis bieten nur jene Firmen an, deren Preisuntergrenze erreicht ist. Firmen mit niedrigeren Grenzkosten bieten mehr an.

Rechenbeispiel Inframarginale Rente (Zusatz)

Drei Landwirte können je 100 kg Marillen liefern, mit Grenzkosten von 2 €, 4 € und 6 € pro kg. Die Nachfrage ist so hoch, dass alle drei gebraucht werden. Der Marktpreis ist 6 €: Der teuerste Anbieter (der marginale) legt ihn fest.

Landwirt A: (6 − 2) · 100 = 400 € Rente
Landwirt B: (6 − 4) · 100 = 200 € Rente
Landwirt C: 0 €

Die Gewinne von A und B sind inframarginale Renten: Sie kommen daher, dass sie billiger produzieren als der Preissetzer.

Dasselbe Prinzip steckt in der Merit Order am Strommarkt: Die Kraftwerke werden nach steigenden Grenzkosten gereiht, das letzte benötigte setzt den Preis.

VertiefungMarktangebot bei verschiedenen Firmen: die Treppenkurve

Zwei Konditoreien mit unterschiedlichen Grenzkosten:

Firma A: MC=4+2q, also qA=(P−4)/2 ab P=4
Firma B: MC=8+2q, also qB=(P−8)/2 ab P=8

Das Marktangebot hat daher zwei Teile (Knick bei P=8):

PreisbereichMarktangebot
P unter 40
4 bis 8(P − 4)/2
ab 8P − 6

Ab 8 gilt Q=(P−4)/2+(P−8)/2=P−6. Die Marktangebotskurve wird bei P=8 flacher, weil Firma B dazukommt.

Bei Nachfrage Q=20−P: 20−P=P−6 → P=13, Q=7. Firma A liefert (13−4)/2=4,5, Firma B (13−8)/2=2,5. Die Summe ist 7.

VertiefungMerit Order am Strommarkt

Am Großhandelsmarkt für Strom ergibt sich das Angebot als Treppe: Die Kraftwerke werden nach ihren Grenzkosten gereiht, vom billigsten zum teuersten.

Eine vereinfachte Zahlenreihe (€ pro MWh, Leistung in MW):

KraftwerkGrenzkostenLeistung
Wind5300
Kohle60100
Gas110200
Nachfrage 350 MW: Wind deckt 300, Kohle noch 50. Kohle ist das marginale Kraftwerk, der Preis beträgt 60.
Nachfrage 450 MW: Wind und Kohle reichen nicht, Gas liefert 50. Gas ist marginal, der Preis steigt auf 110.

Dieser Preis gilt für alle. Der Windpark hat sich in beiden Fällen nicht verändert, verdient aber bei 110 viel mehr (inframarginale Rente: (110−5)⋅300 statt (60−5)⋅300). Steigt der Gaspreis, steigt auch der Strompreis, selbst wenn der meiste Strom gar nicht aus Gas kommt.

5 Angebotsschocks: Kosten und Steuern ★★

Das Angebot folgt aus MR = MC. Alles, was die Grenzkosten oder den Netto-Grenzerlös verändert, verschiebt das Angebot.

Kostenseite

Faktorpreise (Löhne, Energie, Rohstoffe, Vorleistungen, Abgaben) steigen → MC steigt → Angebot sinkt. Die Kurve verschiebt sich nach links bzw. oben.
Produktivität und Technologie steigen → MC sinkt → Angebot steigt.
Trifft der Schock viele Firmen gleichzeitig, wandert auch die Marktangebotskurve.
VertiefungWelche Kostenschocks ändern die Menge?

Nur Kosten, die an der Menge hängen, verschieben die MC und damit das Angebot.

Variable Kosten steigen: MC verschiebt sich. Beispiel Konditorei mit MC=4+2q: Steigt der Energiepreis und kostet jedes Stück 2 € mehr, ist MC=6+2q. Bei P=20 sinkt die Menge von 8 auf 7.
Fixkosten steigen (Miete): Die MC bleibt, die Menge bleibt. Es sinkt nur der Gewinn. Kurzfristig ändert sich nichts am Angebot (außer es kommt zur Stilllegung).
Produktivitätsgewinn: Schafft jede Arbeitsstunde mehr, sinkt MC=ω/MPL. Das Angebot verschiebt sich nach rechts.

Ein fixer Zuschlag pro Stück wirkt wie eine Mengensteuer. Eine Subvention pro Stück ist das Spiegelbild: Sie senkt die Grenzkosten und erhöht das Angebot.

Erlösseite: drei Arten von Steuern

FormelGewinn mit drei Steuerarten
π=[ Q (P−t)−C(Q) ] (1−tπ)−T

In Worten: Vom Preis geht pro Stück die Mengensteuer t weg, vom Gewinn ein Prozentsatz, am Ende ein fixer Betrag T. Für die optimale Menge zählt nur t.

t = Mengensteuer pro Stücktπ = GewinnsteuersatzT = Pauschalsteuer (fixer Betrag)
Beispiel ansehen

Die Bedingung erster Ordnung lautet (P−t−MC)(1−tπ)=0, also P−t=MC.

Der Faktor 1−tπ ist nur ein Vorfaktor und ändert die Nullstelle nicht. T ist konstant und fällt beim Ableiten weg.

SteuerWirkung auf die MengeWarum
Mengensteuer (USt, Energie-, Tabaksteuer, Zölle)sinktNetto-Grenzerlös ist P − t
Gewinnsteuer (Körperschaft-, Einkommensteuer)unverändertFaktor fällt bei MR = MC heraus
Pauschalsteuerunverändertunabhängig von Q
Rechenbeispiel Drei Steuern bei der Konditorei

MC=4+2q, P = 20.

Ohne Steuer: 20=4+2q → q = 8
Mengensteuer t = 2: 20−2=4+2q → q = 7
Gewinnsteuer 25 %: Bedingung bleibt 20=4+2q → q = 8. Nur der Gewinn nach Steuern sinkt (von 24 auf 18).
Pauschalsteuer: q = 8

Prüfungsfalle: „Eine Gewinnsteuer senkt die Angebotsmenge" ist falsch (bei Gewinnmaximierung). Sie ändert nur den Gewinn, nicht die Optimalbedingung. Nur die Mengensteuer verschiebt das Angebot.

VertiefungWer trägt die Mengensteuer? Preis und Menge am Markt

Wir nehmen die 12 Konditoreien: Marktangebot Q=6P−24, Marktnachfrage Q=96−2P. Ohne Steuer: P=15, Q=66.

Der Staat erhebt eine Mengensteuer von t=2 pro Stück. Die Firma behält nur P−2, also bietet sie an: Q=6(P−2)−24=6P−36.

1Gleichgewicht: 6P−36=96−2P → P = 16,5, Q = 63.
2Konsument:innen zahlen 16,5−15=1,5 mehr.
3Anbieter behalten 16,5−2=14,5, also 0,5 weniger als zuvor.
4Aufteilung der Last: 1,5 von 2 = 75 % tragen die Käufer, 25 % die Firmen.
5Steuereinnahmen: 2⋅63=126.

Die Seite mit der geringeren Ausweichmöglichkeit (hier die Nachfrage, die weniger stark auf Preise reagiert als das Angebot) trägt mehr. Die Menge sinkt von 66 auf 63. Diese Mengenänderung ist der Wohlfahrtsverlust der Steuer: 12⋅2⋅3=3.

6 Langfristiges Gleichgewicht ★★★

Langfristig kann die Firma die Anlagengröße anpassen und ganz aus dem Markt ausscheiden, und neue Firmen können eintreten. Das verändert Angebot und Preis.

Langfristiges Gleichgewicht: Preis = Minimum der langfristigen Durchschnittskosten, ökonomischer Gewinn = 0.Preis, KostenMenge qLMCLACPP = Min LAC → Gewinn = 0q*
← Grafik seitlich wischen →
Langfristiges Gleichgewicht: Preis = Minimum der langfristigen Durchschnittskosten, ökonomischer Gewinn = 0.

Entscheidung der einzelnen Firma

Gewinnmaximale Menge: P=LMC (steigender Ast).
Die Firma bleibt am Markt nur, wenn P≥LAC. Sonst Marktaustritt.

Der Anpassungsmechanismus

Ökonomischer Gewinn (P > LAC): Neue Firmen treten ein → Marktangebot steigt → Preis fällt.
Verlust (P < LAC): Firmen scheiden aus → Marktangebot sinkt → Preis steigt.
Der Prozess endet erst bei ökonomischem Gewinn null.

Die Anpassung erfolgt also über Ein- und Austritt, nicht über einzelne Firmen, die ihren Preis ändern.

Das Gleichgewicht

Drei Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein:

1Gewinnmaximierung: P=LMC
2Kein Anreiz zu Ein- oder Austritt: Nullgewinn, also P=LAC
3Markträumung: QD=QS
FormelLangfristiges Wettbewerbsgleichgewicht
P=LMC=LACmin⁡

In Worten: Langfristig verkauft jede Firma zum Minimum ihrer Stückkosten. Wäre der Preis höher, kämen neue Firmen, wäre er niedriger, würden Firmen aussteigen.

LMC = langfristige GrenzkostenLACmin⁡ = Minimum der langfristigen Durchschnittskosten
Beispiel ansehen

LAC-Minimum bei 18 € pro Stück, erreicht bei q=30 je Firma. Marktnachfrage QD=3000−60P.

Langfristiger Preis: P = 18
Marktmenge: Q=3000−60⋅18=1920
Zahl der Firmen: 1920/30= 64

Jede Firma produziert im Minimum der LAC. Das ist die produktive Effizienz: Das Gut wird zu den geringstmöglichen Stückkosten hergestellt.

Was bedeutet Nullgewinn?

Ökonomischer Nullgewinn heißt nicht, dass niemand etwas verdient. Die ökonomischen Kosten enthalten schon alle Opportunitätskosten, also das Unternehmergehalt und die normale Verzinsung des Kapitals. Die Firma verdient genau so viel wie in der besten Alternative. Buchhalterisch steht ein positiver Gewinn.

Prüfungsfalle: „Im langfristigen Wettbewerbsgleichgewicht verdienen die Firmen nichts" ist falsch. Sie verdienen die normale Verzinsung, nur keinen Überschuss darüber.

VertiefungEine Firma bei drei Preisen: Gewinn, Nullgewinn, Verlust

Langfristige Kosten einer Firma: C=100+q2 (die 100 sind Kosten, die auch langfristig anfallen, etwa Zulassung und Grundausstattung). Dann ist LMC=2q und LAC=100/q+q. Das LAC-Minimum liegt bei q=10 mit LACmin⁡=20.

PreisMenge (P = LMC)Gewinn
2613338 − 269 = +69
2010200 − 200 = 0
14798 − 149 = −51
Bei P = 26 lockt der Gewinn neue Firmen an → der Preis fällt.
Bei P = 14 machen die Firmen Verlust und gehen vom Markt → der Preis steigt.
Nur bei P = 20 = LAC_min gibt es keine Bewegung. Das ist das Gleichgewicht.
VertiefungWarum im Gleichgewicht P = LMC = LAC_min gelten muss

Zwei Bedingungen kommen zusammen:

1Gewinnmaximierung: P=LMC.
2Nullgewinn: π=(P−LAC)⋅q=0, also P=LAC.

Beide gleichzeitig ergeben LMC=LAC. Nach der Schnittpunkt-Regel (Kapitel Kosten) schneidet die Grenzkostenkurve die Durchschnittskosten nur im Minimum. Also muss die Firma genau dort produzieren: P=LMC=LACmin⁡.

Der Wettbewerb drückt den Preis damit bis auf das Niveau der niedrigsten möglichen Stückkosten. Deshalb gilt er als effizient: Kein Gut kann billiger hergestellt werden.

VertiefungWenn der freie Zutritt fehlt

Die Nullgewinn-Aussage steht und fällt mit der Annahme, dass jede:r eintreten kann. Gibt es Barrieren, bleibt ein Gewinn bestehen:

Patente und Lizenzen (nur wer eine Konzession hat, darf anbieten),
hohe Mindestgröße, sodass Neueinsteiger gegen etablierte Firmen chancenlos sind,
exklusiver Zugang zu knappen Inputs.

In solchen Fällen kann der Preis dauerhaft über LACmin⁡ liegen. Das ist der Ausgangspunkt für Marktmacht und Monopol.

7 Anpassung bei Nachfrageänderung und langfristiges Angebot ★★★

Wie läuft die Anpassung an eine neue Nachfrage ab, und wie sieht die langfristige Marktangebotskurve aus?

Nachfrageanstieg im Wettbewerbsmarkt

Rechenbeispiel Nachfrage steigt: Anpassung über die Firmenzahl

Die Nachfrage steigt auf QD=3600−60P. Die Kosten bleiben gleich.

1Kurzfristig sind Firmenzahl und Anlagen fix: Der Preis steigt über 18, die Firmen machen Gewinn.
2Mittelfristig treten neue Firmen ein. Das Angebot steigt, der Preis fällt.
3Langfristig ist der Preis wieder 18 (Nullgewinn). Die Menge beträgt 3600−1080=2520, die Zahl der Firmen 2520/30= 84.

Bei konstanten Kosten passt sich langfristig die Menge an, nicht der Preis.

VertiefungDieselbe Anpassung mit einer Kostenfunktion durchgerechnet

Jede Firma hat C=100+q2 (Abschnitt 6). Ihr Angebot ist q=P/2. Anfangs gibt es N=60 Firmen und die Nachfrage QD=1200−30P.

Ausgangsgleichgewicht: Marktangebot S=60⋅P/2=30P. Aus 30P=1200−30P folgt P=20, Q=600, je Firma 10 Stück. Die Firmen verdienen null.

Nachfrage steigt auf QD=1500−30P:

1Kurzfristig (N = 60): 30P=1500−30P → P = 25, Q=750, je Firma 12,5 Stück. Gewinn je Firma: 25⋅12,5−(100+156,25)=56,25. Es gibt Gewinn.
2Eintritt: Neue Firmen kommen, solange Gewinn winkt. Mit jeder neuen Firma sinkt der Preis.
3Langfristig: P=20 (Nullgewinn). Q=1500−600=900, je Firma 10 Stück → N = 90 Firmen. Probe: 45P=1500−30P → P=20.

Kurzfristig ist der Preis von 20 auf 25 gestiegen, langfristig fällt er wieder zurück. Die Menge hat sich dauerhaft erhöht (600 → 900).

Unterschiedliche Firmen

Sind die Firmen verschieden, gilt P=MC weiterhin bei jeder Firma, die produziert. Nullgewinn gibt es aber nur beim marginalen Unternehmen, also dem mit den höchsten Mindeststückkosten. Alle effizienteren Firmen behalten auch langfristig einen Gewinn.

Langfristige Marktangebotskurve

Ihre Form hängt davon ab, was mit den Kosten der einzelnen Firma passiert, wenn die ganze Branche wächst.

BranchentypVerlaufGrund
Konstante Kostenwaagrecht bei LACmin⁡Branche beeinflusst Inputpreise nicht
Steigende Kostensteigendknappe Inputs werden teurer
Fallende KostenfallendSkalenvorteile, billigere Inputs

Die langfristige Marktangebotskurve ist immer elastischer als die kurzfristige, weil Ein- und Austritt möglich sind.

VertiefungSteigende und fallende Kosten der Branche: Beispiele

Steigende Kosten: Wächst die Weinbranche, wird gutes Land knapper und teurer. Jede Firma zahlt mehr Pacht, ihre LACmin⁡ steigt.

Branchenmengelangfristiger Preis
60020
90023
1.20026

Die langfristige Angebotskurve steigt also, obwohl Ein- und Austritt frei sind. Im Gegensatz zum Fall konstanter Kosten reagiert hier auch der Preis auf die Branchengröße.

Fallende Kosten: Ballt sich eine Branche in einer Region (etwa Softwarefirmen in einer Stadt), entstehen spezialisierte Zulieferer, ein gemeinsamer Arbeitsmarkt und Wissensaustausch. Dann sinkt LACmin⁡ mit der Branchengröße. Die Vorteile entstehen hier für die Branche, nicht für die einzelne Firma. Das ist selten.

VertiefungVerschiedene Firmen im Gleichgewicht

Drei Betriebe haben Mindeststückkosten von 16, 18 und 20 €. Der Marktpreis betrage 20 € (der Betrieb mit den höchsten Kosten ist marginal), und jeder liefert 10 Stück.

Betrieb C (20 €): Gewinn 0
Betrieb B (18 €): (20−18)⋅10= 20
Betrieb A (16 €): (20−16)⋅10= 40

Ein neuer Betrieb mit 22 € Mindestkosten kommt nicht in den Markt, weil er unter dem Preis anbieten müsste. Die Gewinne von A und B bleiben bestehen. Dahinter steckt oft ein knapper Input (guter Standort, besondere Fähigkeiten), der nicht beliebig vermehrbar ist. Müsste A für seinen Standort Pacht zahlen, die genau dem Vorteil entspricht, wäre der Gewinn wieder bei null: Die Pacht ist dann ein Kostenposten.

8 Gewinnmaximale Inputwahl (Vertiefung) ★★

Dieselbe Optimierung lässt sich auch direkt über die Inputs statt über die Menge lösen. Das Ergebnis passt zur Kostenminimierung.

Kurze Frist: nur Arbeit variabel

Kapital ist fix, gesucht ist der gewinnmaximale Arbeitseinsatz: max⁡L  π=P⋅F(Kˉ,L)−rKˉ−ωL.

FormelOptimaler Arbeitseinsatz
MPL⋅P=ω

In Worten: Stelle so lange Leute ein, wie die letzte Arbeitskraft mehr Erlös bringt (Stück mal Preis) als sie kostet.

MPL⋅P = Wertgrenzprodukt, Erlös aus der letzten Arbeitskraftω = Arbeitskosten pro Einheit
Beispiel ansehen

Brotpreis P = 3 €, Lohn ω = 24 € pro Stunde. Die L-te Arbeitsstunde schafft MPL=20−2L Brote.

Bedingung: (20−2L)⋅3=24
Teilen durch 3: 20−2L=8
L = 6

Probe: Bei L = 6 schafft die Stunde 8 Brote, Erlös 24 €, genau der Lohn. Bei L = 7 sind es nur 6 Brote und 18 €, die Stunde kostet aber 24 €, also nicht mehr einstellen.

Das Wertgrenzprodukt MPL⋅P ist der Erlös der letzten Arbeitseinheit. Es sinkt mit steigendem L (abnehmender Grenzertrag). Im Optimum ist es gleich dem Lohn.

VertiefungDas Wertgrenzprodukt als Arbeitsnachfrage

Die Kurve des Wertgrenzprodukts zeigt zu jedem Lohn, wie viel Arbeit die Firma nachfragt. Sie fällt, weil MPL sinkt.

Bei MPL=20−2L:

ÄnderungBedingungErgebnis
Ausgangslage P = 3, ω = 24(20−2L)⋅3=24L = 6
Lohn steigt auf 30(20−2L)⋅3=30L = 5
Brotpreis steigt auf 4(20−2L)⋅4=24L = 7
Ändert sich der Lohn, bewegt man sich entlang der Kurve.
Ändert sich der Produktpreis, verschiebt sich die Kurve selbst: Jede Arbeitseinheit ist mehr wert.

So hängt die Arbeitsnachfrage vom Lohn und vom Produktpreis ab.

Lange Frist: alles variabel

Es gelten MPL⋅P=ω und MPK⋅P=r. Teilt man die beiden Bedingungen, folgt MPL/MPK=ω/r, genau die Bedingung der Kostenminimierung.

Zwei Herleitungen führen zum selben Ergebnis:

direkt über die Gewinnmaximierung in K und L, oder
über Kostenminimierung und dann P=LMC für die optimale Menge.

Marginalprinzip: Man setzt einen Faktor so lange ein, bis sein Zusatzerlös (Wertgrenzprodukt) nur noch seinen Preis deckt. Die gewinnoptimale Kombination ist zugleich die kostenminimale für die gewinnoptimale Menge.

VertiefungBeide Wege führen zum selben Ergebnis: ein Zahlenbeispiel

Kapital ist fix, die Produktion ist Q=10L. Preis P=2, Lohn ω=5.

Weg 1: über die Inputwahl. MPL=5/L. Bedingung: 2⋅5/L=5 → L=2 → L=4 → Q=10⋅2= 20.

Weg 2: über die Kosten. Aus Q=10L folgt L=Q2/100. Variable Kosten: VC=5L=Q2/20. Grenzkosten: MC=Q/10. Bedingung P=MC: 2=Q/10 → Q= 20.

Beide Wege liefern 20 Stück. Der Arbeitseinsatz L=4 ist zugleich die kostenminimale Arbeitsmenge für diesen Output.

9 Wohlfahrt im Wettbewerbsgleichgewicht ★★

Ist das Wettbewerbsergebnis auch für die Gesellschaft gut? Unter bestimmten Bedingungen ja, und genau das macht den Wettbewerb zum Maßstab.

Die gelbe Fläche zwischen Zahlungsbereitschaft (Nachfrage) und Grenzkosten (Angebot) ist die gesellschaftliche Wohlfahrt. Sie ist im Gleichgewicht am größten.Wohlfahrt = Zahlungsbereitschaft − GrenzkostenZahlungsbereitschaft (D)Grenzkosten (S)Q*letzte Einheit: Nutzen = KostenPreis PMenge Q
← Grafik seitlich wischen →
Die gelbe Fläche zwischen Zahlungsbereitschaft (Nachfrage) und Grenzkosten (Angebot) ist die gesellschaftliche Wohlfahrt. Sie ist im Gleichgewicht am größten.
Lies die Angebotskurve als Grenzkosten: Jeder Punkt sagt, was genau diese Einheit in der Herstellung kostet.
Lies die Nachfragekurve als marginale Zahlungsbereitschaft (Reservationspreis): Jeder Punkt sagt, was genau diese Einheit dem Käufer wert ist. Das ist der in Euro gemessene Grenznutzen.
Die gesellschaftliche Wohlfahrt ist die Summe aus (Zahlungsbereitschaft − Grenzkosten) über alle gehandelten Einheiten, grafisch die Fläche zwischen den Kurven bis zur gehandelten Menge.

Allokative Effizienz

Das Wettbewerbsgleichgewicht ist allokativ effizient: Es werden alle Einheiten produziert, bei denen der Nutzen die Kosten übersteigt. Bei der letzten gehandelten Einheit halten sich Nutzen und Kosten genau die Waage. Jede andere Menge senkt die Wohlfahrt.

Rechenbeispiel Warum die Gleichgewichtsmenge optimal ist

Eine Einheit ist dem Käufer 10 € wert und kostet 6 € in der Herstellung: Handel bringt +4 € Wohlfahrt.

Eine spätere Einheit ist dem Käufer nur 5 € wert, kostet aber 7 €: Wird sie produziert, entsteht ein Wohlfahrtsverlust von −2 €.

Optimal ist, genau bis zur Einheit zu produzieren, bei der Zahlungsbereitschaft und Grenzkosten gleich sind.

Prüfungsfalle: „Mehr Produktion erhöht immer die Wohlfahrt" ist falsch. Einheiten jenseits des Gleichgewichts kosten mehr, als sie den Käufern wert sind.

Zwei Arten von Effizienz

Produktive Effizienz: Das Gut wird zu minimalen Stückkosten hergestellt (P=LACmin⁡ im langfristigen Gleichgewicht).
Allokative Effizienz: Die richtige Menge wird hergestellt (Grenznutzen = Grenzkosten).

Wichtig: Das gilt nur ohne Marktversagen. Bei Marktmacht, Externalitäten, Informationsproblemen und öffentlichen Gütern ist das Ergebnis nicht effizient. Genau daran setzt das nächste Kapitel an.

VertiefungWohlfahrt ausrechnen: zu wenig, richtig, zu viel

Zahlungsbereitschaft (Nachfrage): P=50−Q. Grenzkosten (Angebot): MC=10+Q.

Gleichgewicht: 50−Q=10+Q → Q=20, P=30. Bei Q=0 beträgt der Abstand zwischen den Kurven 40, bei Q=20 null. Die Fläche ist ein Dreieck: 12⋅20⋅40= 400.

MengeWohlfahrtWarum
10300Dreieck zwischen 10 und 20 fehlt (100)
20400Maximum
30300Einheiten 21 bis 30 kosten mehr als sie nützen (−100)

Zu wenig (Q = 10, etwa durch einen Höchstpreis von 20): Die Einheiten 11 bis 20 würden Gewinn bringen, werden aber nicht hergestellt. Verlust: 12⋅10⋅20=100.

Zu viel (Q = 30): Die Einheiten 21 bis 30 kosten mehr, als sie wert sind. Auch hier sind es 100.

Mengensteuer als Beispiel: Eine Steuer von 10 verschiebt die Angebotskurve auf 20+Q. Die neue Menge: 50−Q=20+Q → Q=15. Der Wohlfahrtsverlust ist 12⋅5⋅10=25. Die Einnahmen des Staates (10⋅15=150) bleiben der Gesellschaft erhalten, sie sind kein Verlust.

VertiefungEffizient heißt nicht gerecht

Allokative Effizienz sagt nur etwas über die Gesamtgröße der Wohlfahrt, nicht über ihre Verteilung.

Das Wettbewerbsergebnis ist effizient, auch wenn jemand mit niedrigem Einkommen sich das Gut nicht leisten kann. Wer nicht zahlt, kauft nicht, obwohl er es brauchen könnte.
Zahlungsbereitschaft hängt vom Einkommen ab: Reiche Käufer „stimmen" mit mehr Geld ab.
Verteilungsfragen sind eine eigene Entscheidung der Politik (Steuern, Transfers). Der Markt allein beantwortet sie nicht.

Die Aussage „der Markt ist effizient" bedeutet deshalb nicht „der Markt ist fair". Sie gilt außerdem nur, wenn keine der vier Ursachen von Marktversagen vorliegt.

Checkliste: Das musst du können

Ich kann die Annahmen des vollkommenen Wettbewerbs nennen und erklären, warum P=AR=MR gilt.
Ich kann Marktnachfrage und Nachfrage der Einzelfirma unterscheiden.
Ich kann die Gewinnmaximierung mit MR=MC bzw. P=MC herleiten und die zweite Bedingung erklären.
Ich kann die gewinnmaximale Menge und den Gewinn berechnen und den Fehler „Stückgewinn maximieren" erkennen.
Ich kann die Stilllegungsregel (P gegen AVC) anwenden und begründen.
Ich kann die kurzfristige Angebotskurve der Firma und des Marktes ableiten.
Ich kann erklären, wie Mengen-, Gewinn- und Pauschalsteuer das Angebot beeinflussen.
Ich kann das langfristige Gleichgewicht herleiten und Nullgewinn richtig deuten.
Ich kann die Formen der langfristigen Angebotskurve begründen und die Inputwahl (Wertgrenzprodukt = Faktorpreis) berechnen.
Ich kann allokative und produktive Effizienz erklären und eine Wohlfahrt berechnen.

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