VWL · Kapitel 6/8

Externalitäten & CO₂-Bepreisung

Mikroökonomie19 Min. LesezeitRelevanz ★★★
Auf einen Blick
  • Marktversagen hat vier Ursachen: Marktmacht, Externalitäten, Informationsprobleme und öffentliche Güter (nicht ausschließbar, nicht rivalisierend).
  • Negative Externalität: MSC=MC+MEC. Der Markt produziert zu viel, der Wohlfahrtsverlust ist das Dreieck zwischen MSC und Nachfrage. Positive Externalität: zu wenig.
  • Das effiziente Emissionsniveau ist nicht null: MEC(E∗)=MCA(E∗). Vermeiden kostet auch Ressourcen.
  • Pigou-Steuer (T∗=MEC(E∗)), Standard und Quote führen bei vollständiger Information zu E∗. Bei Unsicherheit: steile MEC eher Quote, steile MCA eher Steuer.
  • Handelbare Zertifikate gleichen alle MCAi an PE an. Die Gesamtmenge bleibt gleich, die Kosten sinken.
  • Coase: Bei klaren Eigentumsrechten und kleinen Transaktionskosten verhandeln Betroffene effizient, die Rechtszuteilung ändert nur die Verteilung.
  • Allmende: frei zugänglich und rivalisierend, daher Übernutzung. EU ETS (Cap and Trade), Carbon Leakage und CBAM setzen die Theorie in der CO₂-Politik um.
Inhalt10 Abschnitte
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1 Marktversagen: Wann der Markt allein nicht reicht ★★

Unter guten Bedingungen sorgt der Markt dafür, dass genau so viel produziert wird, wie sich gesellschaftlich lohnt: Der Nutzen der letzten Einheit entspricht ihren Kosten. Wenn das nicht klappt, spricht man von Marktversagen. Hier steckt die Begründung, warum der Staat in Märkte eingreift.

Marktversagen: Der Marktmechanismus allein liefert kein allokativ effizientes Ergebnis.

Vier Ursachen von Marktversagen: Marktmacht, Externalitäten, ungleich verteilte Information und öffentliche Güter.MarktmachtExternalitätenAsymmetrische InformationÖffentliche Güter
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Vier Ursachen von Marktversagen: Marktmacht, Externalitäten, ungleich verteilte Information und öffentliche Güter.
UrsacheKernproblemTypische Folge
MarktmachtEinzelne können den Preis beeinflussen (Monopol, Kartell).Menge zu klein, Preis zu hoch
ExternalitätenWirkungen auf Dritte werden nicht über den Preis bezahlt.Falsche Menge
Unvollständige oder asymmetrische InformationWichtiges Wissen fehlt oder ist ungleich verteilt.Schlechte oder fehlende Märkte
Öffentliche GüterNiemand kann ausgeschlossen werden, und der Konsum schmälert nichts.Privat zu wenig Angebot

Dieses Kapitel behandelt vor allem die Externalitäten. Die anderen drei Ursachen solltest du aber benennen und unterscheiden können.

Öffentliche Güter im Detail

Zwei Eigenschaften entscheiden, um welche Art von Gut es sich handelt:

Ausschließbarkeit: Wer nicht zahlt, kann vom Konsum ausgeschlossen werden.
Rivalität: Wenn eine Person das Gut nutzt, bleibt weniger für andere übrig.
RivalisierendNicht rivalisierend
AusschließbarPrivatgut (Semmel)Klubgut (Streaming-Abo)
Nicht ausschließbarAllmendegut (Fischbestand im offenen Meer)Öffentliches Gut (Landesverteidigung)

Bei öffentlichen Gütern gibt es Trittbrettfahrer: Jede:r profitiert, auch ohne zu zahlen, also zahlt freiwillig kaum jemand. Private Anbieter finden daher keinen Markt, und es wird zu wenig bereitgestellt. Der Staat finanziert solche Güter deshalb über Steuern.

Einfach erklärt: Ein Feuerwerk über der Stadt sehen alle, auch wer nichts in den Spendentopf geworfen hat. Wenn alle so denken, bleibt der Topf leer, und es gibt kein Feuerwerk.

Information und Marktmacht (Zusatzwissen)

Asymmetrische Information: Eine Seite weiß mehr als die andere. Wer ein Gebrauchtrad verkauft, kennt die Mängel besser als der Käufer.
Adverse Selektion: Weil Käufer die Qualität nicht erkennen, zahlen sie nur einen Durchschnittspreis. Dann bleiben vor allem die schlechten Angebote übrig.
Moral Hazard: Wer gut versichert ist, passt weniger auf. Das Verhalten ändert sich, weil jemand anderer das Risiko trägt.
Marktmacht: Ein Monopolist beschränkt die Menge und verlangt mehr als die Grenzkosten. Dadurch geht Wohlfahrt verloren.
VertiefungGütertypen: Grenzfälle und Übergänge

Die Einordnung ist nicht immer starr:

Die Autobahn ist nicht rivalisierend, solange wenig Verkehr herrscht. Im Stau schmälert jedes weitere Auto das Fahrvergnügen der anderen: Sie wird rivalisierend. Mit einer Maut ist sie zudem ausschließbar, also ein Klubgut.
Fernsehen ist als frei empfangbares Programm nicht ausschließbar und nicht rivalisierend (öffentliches Gut). Verschlüsselt als Pay-TV wird es zum Klubgut. Technik kann die Ausschließbarkeit ändern.
Wissen ist nicht rivalisierend: Wer es weitergibt, verliert es nicht. Ein Patent macht es ausschließbar.
Ein Strand ohne Eintritt ist nicht ausschließbar. Bei wenigen Gästen nicht rivalisierend, bei Überfüllung rivalisierend (Allmende).

Rechtssystem, Landesverteidigung oder Deichbau sind Beispiele für öffentliche Güter im Kern: Niemand kann ausgeschlossen werden, und die Nutzung durch eine Person nimmt anderen nichts weg.

VertiefungWie viel von einem öffentlichen Gut ist effizient?

Bei privaten Gütern addiert man die Nachfragen waagrecht (bei jedem Preis die Mengen). Bei einem öffentlichen Gut konsumieren alle dieselbe Menge. Daher addiert man die Zahlungsbereitschaften senkrecht:

FormelEffiziente Menge eines öffentlichen Gutes
∑iMBi(n)=MC(n)

In Worten: Die Summe aller Grenznutzen der Betroffenen muss den Grenzkosten entsprechen. Jeder einzelne Grenznutzen allein reicht nicht aus.

MBi = Grenznutzen der Person in = Menge des öffentlichen Gutes (z. B. Zahl der Straßenlampen)MC = Grenzkosten der Bereitstellung
Beispiel ansehen

Zwei Nachbarn: MB1=10−n und MB2=8−n. Eine Lampe kostet zusätzlich MC=6.

Effizient: 18−2n=6 → n = 6
Privat, eine Person allein: Person 1 würde 10−n=6, also nur 4 Lampen aufstellen. Person 2 würde sich mit 2 begnügen.

Weil jede:r die Lampen der anderen mitnutzt, wird weniger als die effiziente Menge bereitgestellt.

Der Nutzen steckt bei den Nachbarn, aber keine:r berücksichtigt den Nutzen der anderen. Das ist wie bei einer positiven Externalität (Abschnitt 3).

VertiefungAdverse Selektion mit Zahlen: der Gebrauchtradmarkt

Die Hälfte der angebotenen Räder ist gut, die andere Hälfte schlecht.

QualitätWert für KäuferVerkäufer will mind.
gut800700
schlecht200100

Der Käufer erkennt die Qualität nicht und zahlt höchstens den Durchschnittswert: (800+200)/2= 500.

Besitzer guter Räder verlangen mindestens 700. Sie verkaufen nicht und ziehen sich zurück.
Übrig bleiben nur schlechte Räder. Käufer ahnen das und zahlen nur noch 200.

Dabei wäre der Handel mit guten Rädern für beide vorteilhaft (800 > 700). Der Markt für gute Qualität bricht zusammen, obwohl beide Seiten gewinnen würden.

Gegenmittel: Garantien, Gütesiegel, Zertifikate, Probefahrten, Händlerreputation. Beim Moral Hazard helfen Selbstbehalte und Kontrollen: Wer einen Teil des Schadens selbst trägt, passt mehr auf.

2 Externalitäten: Begriff und negative Externalität ★★★

Externalitäten sind der zentrale Fall von Marktversagen in diesem Kapitel. Sie erklären, warum Umweltverschmutzung entsteht, obwohl niemand Böses will: Das Problem liegt in fehlenden Preisen.

Externalität: Produktion oder Konsum einer Partei beeinflusst die Wohlfahrt einer dritten Partei, ohne dass dies über den Preis abgegolten wird.

Der springende Punkt: Für den Effekt gibt es keinen Markt. Weder die Firma noch die Betroffenen sehen einen Preis für Lärm oder saubere Luft. Deshalb taucht der Effekt in keiner Entscheidungsrechnung auf, und der Markt liefert die falsche Menge.

NegativPositiv
Wirkung bei DrittenKostenNutzen
BeispieleLärm, Abgase, PassivrauchenImpfung, Forschungswissen (Spillovers)
Markt liefertzu vielzu wenig

Externalitäten können bei Produktion oder bei Konsum entstehen. Als Standardfall dient die negative Produktionsexternalität am Beispiel CO₂.

Prüfungsfalle: Steigt durch ein neues Café die Miete im Grätzel, ist das ein normaler Preiseffekt über den Markt. Eine Externalität im engeren Sinn liegt nur vor, wenn der Effekt nicht über Preise läuft.

Negative Externalität

Die Firma rechnet nur mit ihren eigenen Kosten. Die Gesellschaft trägt zusätzlich den Schaden bei Dritten.

FormelSoziale Grenzkosten
MSC=MC+MEC

In Worten: Was ein zusätzliches Stück die ganze Gesellschaft kostet: die Kosten der Firma plus der Schaden bei Dritten.

MSC = soziale (gesellschaftliche) GrenzkostenMC = private Grenzkosten der FirmaMEC = marginale externe Kosten (Schaden bei Dritten)
Beispiel ansehen

Eine zusätzliche Charge in einer Kaffeerösterei kostet die Firma 24 € (MC). Rauch und Geruch belasten die Nachbarschaft mit 6 € (MEC).

MSC=24+6= 30 € – so viel kostet die Charge die Gesellschaft wirklich.

Der Markt und die effiziente Lösung unterscheiden sich so:

Markt: Nachfrage = private MC → Menge QM. Die Firma ignoriert den Schaden.
Effizient: Nachfrage = MSC → Menge Q∗. Hier ist der Nutzen der letzten Einheit gleich ihren gesamten Kosten.
Wegen MSC>MC gilt QM>Q∗: Es wird zu viel produziert.
Negative Externalität: Private Grenzkosten (Schwarz) liegen unter den sozialen Grenzkosten (Blau). Das gelbe Dreieck ist der Wohlfahrtsverlust.PreisMenge QDMC (privat)MSC (sozial)Effizientes GleichgewichtMarktgleichgewichtWohlfahrts- verlustQ*QₘP*Pₘ
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Negative Externalität: Private Grenzkosten (Schwarz) liegen unter den sozialen Grenzkosten (Blau). Das gelbe Dreieck ist der Wohlfahrtsverlust.

Warum zu viel? Jede Einheit zwischen Q∗ und QM bringt weniger Nutzen, als sie die Gesellschaft kostet. Der Markt produziert sie trotzdem, weil die Firma den Schaden nicht spürt. Der Wohlfahrtsverlust ist das Dreieck zwischen MSC-Kurve und Nachfragekurve über diese Mengen.

Rechenbeispiel Marktmenge, effiziente Menge und Wohlfahrtsverlust

Nachfrage P=100−q, private Grenzkosten MC=20+q, externer Schaden MEC=10 je Einheit.

1Markt: 100−q=20+q → q=40
2Effizient: MSC=30+q, also 100−q=30+q → q=35
3Zu viel produziert: 5 Einheiten
4Wohlfahrtsverlust: Bei q=40 liegt MSC um 10 über der Nachfrage. Das Dreieck hat die Fläche 12⋅5⋅10.

Ergebnis: Wohlfahrtsverlust = 25.

VertiefungZweite Rechnung und allgemeine Dreiecksformel

Nachfrage P=90−2q, private Grenzkosten MC=18+q, externer Schaden MEC=12.

BedingungMenge
Markt90−2q=18+qq=24, P=42
Effizient90−2q=30+qq=20, P=50
Zu viel produziert: 4 Einheiten.
Bei q=24 ist MSC=54, die Nachfrage liegt bei 90−48=42. Der Abstand beträgt 12, genau MEC.
Wohlfahrtsverlust: 12⋅4⋅12= 24.

Allgemein (bei konstantem MEC): Wohlfahrtsverlust =12⋅(QM−Q∗)⋅MEC. Das Dreieck ist die Fläche zwischen MSC und Nachfrage, die Höhe an der Marktmenge ist der externe Schaden.

Beachte: Der Preis für Konsument:innen ist im Effizienzfall höher (50 statt 42), die Menge geringer. Eine Korrektur macht das Gut teurer, weil die Schadenskosten nun eingepreist sind.

VertiefungKonsumexternalitäten und Preiseffekte

Konsumexternalität: Der Schaden (oder Nutzen) kommt aus dem Konsum, nicht aus der Produktion. Ein Beispiel ist Passivrauchen: Wer raucht, vergrößert den Schaden bei anderen, ohne dafür zu zahlen. Der private Grenznutzen MB liegt dann über dem gesellschaftlichen Nutzen MB−MEC. Der Markt richtet sich nach MB, also wird auch hier zu viel konsumiert.

Technische und pekuniäre Effekte:

Technische Externalität (echt): Die Wirkung läuft nicht über den Preis, etwa Lärm, Abgase oder Wissen.
Pekuniäre Wirkung: Die Wirkung läuft über den Preis. Ein neues Café lässt die Mieten steigen, die Bäckerei nebenan verdient mehr oder weniger. Das ist ein normaler Marktprozess. Er verschiebt Einkommen zwischen Parteien, ändert aber nichts an der Effizienz.

Nur technische Externalitäten führen zu Marktversagen.

3 Positive Externalität ★★

Hier ist der gesellschaftliche Nutzen größer als der private. Der Markt liefert zu wenig, weil die Käufer:innen nur ihren eigenen Nutzen bezahlen.

FormelSozialer Grenznutzen
MSB=MB+MEB

In Worten: Bei positiven Externalitäten ist der gesellschaftliche Nutzen die Summe aus dem Nutzen für die Person selbst und dem Nutzen für andere.

MSB = sozialer GrenznutzenMB = privater GrenznutzenMEB = externer Grenznutzen (Nutzen bei Dritten)
Beispiel ansehen

Eine Grippeimpfung ist dir 30 € wert (MB). Weil du Kolleg:innen nicht ansteckst, haben diese zusätzlich 12 € Nutzen (MEB).

MSB=30+12= 42 €. Der Markt allein würde zu wenig impfen.

Effizient ist die Menge mit MSB=MC. Sie liegt über der Marktmenge.
Die Lösung ist spiegelbildlich zur negativen Externalität: eine Subvention in Höhe des externen Grenznutzens, die den Nutzen für Dritte internalisiert.
Negative ExternalitätPositive Externalität
Gesellschaftliche KurveMSC=MC+MEC, liegt über MCMSB=MB+MEB, liegt über MB
Markt liefertzu vielzu wenig
KorrekturSteuer in Höhe von MECSubvention in Höhe von MEB

Prüfungsfalle: Bei einer positiven Externalität produziert der Markt zu wenig, nicht zu viel. Die Korrektur ist eine Subvention, keine Steuer.

VertiefungPositive Externalität mit Zahlen und Subvention

Nachfrage (privater Grenznutzen) MB=60−q, externer Nutzen MEB=10 je Einheit, Grenzkosten MC=10+q.

1Markt: 60−q=10+q → q=25, Preis 35.
2Effizient: MSB=70−q=10+q → q=30.
3Zu wenig produziert: 5 Einheiten.
4Wohlfahrtsverlust: Bei q=25 liegt MSB=45 über MC=35, Abstand 10: 12⋅5⋅10= 25.

Subvention s=10 je Einheit: Die Käufer:innen zahlen effektiv 10 weniger, ihre Nachfrage verschiebt sich auf 70−q. Gleichgewicht: q=30, die Firma erhält 40, die Käufer:innen zahlen 30, der Staat zahlt 10. Die Menge ist damit effizient. Die Kosten für den Staat betragen 10⋅30=300.

VertiefungPositive Externalitäten in der Praxis

Typische Fälle:

Impfungen: Wer sich impft, schützt auch Ungeimpfte (Herdenschutz).
Bildung: Gebildete Menschen erhöhen Produktivität und Innovationskraft für alle.
Forschung und Entwicklung (Spillovers): Wissen verbreitet sich über die Erfinder:in hinaus. Andere Firmen profitieren, ohne zu zahlen.
Gepflegte Fassade: Auch Passant:innen und Nachbarn haben davon etwas.

Instrumente: Subventionen, Patente (sie machen Wissen ausschließbar und lassen den Nutzen bei der Erfinder:in) und die öffentliche Bereitstellung (staatliche Schulen, öffentliche Forschung).

Da Wissen nicht rivalisierend ist, hängt das Thema eng mit den öffentlichen Gütern aus Abschnitt 1 zusammen.

4 Emissionen: MEC, MCA und die effiziente Menge ★★★

Im einfachsten Fall hängen Emissionen fix am Output: Weniger CO₂ gibt es nur mit weniger Produktion. Realistischer ist, dass Firmen auch bei gleichem Output weniger ausstoßen können, etwa durch andere Technik oder Energiequellen. Deshalb behandelt man die Emissionsmenge E als eigene Entscheidungsgröße.

Marginale externe Kosten (MEC): zusätzlicher Schaden, den eine weitere Emissionseinheit bei Dritten anrichtet. Je mehr bereits ausgestoßen wird, desto größer ist er meist.

Grenzvermeidungskosten (MCA): zusätzliche Kosten, um eine weitere Emissionseinheit zu vermeiden. Sie fallen bei der Firma an, sind aber auch Teil der gesellschaftlichen Kosten.

Je mehr schon vermieden wurde, desto teurer wird die nächste Einheit. Im Diagramm über E fällt die MCA-Kurve daher.
Die MCA unterscheiden sich zwischen Firmen und Technologien.
Effiziente Emissionsmenge: Der Grenzschaden (MEC) steigt mit der Emissionsmenge, die Grenzvermeidungskosten (MCA) fallen. Im Schnittpunkt liegt E*; eine Steuer in Höhe von T* führt genau dorthin.MEC (Schaden)MCA (Vermeidungskosten)E*T*MEC = MCA← mehr vermeidenmehr Emissionen →€ pro TonneEmissionen E
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Effiziente Emissionsmenge: Der Grenzschaden (MEC) steigt mit der Emissionsmenge, die Grenzvermeidungskosten (MCA) fallen. Im Schnittpunkt liegt E; eine Steuer in Höhe von T führt genau dorthin.
FormelEffiziente Emissionsmenge
MEC(E∗)=MCA(E∗)

In Worten: Vermeide so lange, wie das Vermeiden weniger kostet als der Schaden der Emission. Dort, wo beides gleich ist, liegt das Optimum.

E∗ = effiziente EmissionsmengeMEC = Grenzschaden einer weiteren EmissionseinheitMCA = Grenzvermeidungskosten
Beispiel ansehen

Eine Brauerei stößt ohne Maßnahmen 30 t CO₂ aus. Der Grenzschaden steigt mit MEC=2E, die Vermeidungskosten fallen mit MCA=30−E.

2E=30−E → E∗=10

Beim Optimum gilt MEC=MCA= 20 € je t. Es werden 20 t vermieden, aber 10 t bleiben bestehen.

Warum bleibt eine Restmenge? Bei E=0 wäre der letzte Schaden fast null, die letzte Vermeidung aber sehr teuer. Das lohnt sich gesellschaftlich nicht.

Prüfungsfalle: „Das effiziente Emissionsniveau ist null." Das ist falsch. Effizient ist E∗>0 mit MEC=MCA, weil auch Vermeidung Ressourcen kostet.

VertiefungGesamtkosten und Gesamtschaden: warum E* das Minimum ist

Wir bleiben bei der Brauerei (MEC=2E, MCA=30−E, unreguliert 30 t). Flächen unter den Kurven ergeben die Gesamtgrößen:

Gesamter Schaden bei Emission E: Fläche unter MEC von 0 bis E = E2.
Gesamte Vermeidungskosten: Fläche unter MCA zwischen E und 30.
VarianteVermeidung + SchadenGesamt
keine Maßnahme (E = 30)0 + 900900
effizient (E = 10)200 + 100300
nichts ausstoßen (E = 0)450 + 0450

Bei E=10 ist die Summe aus beiden Posten am kleinsten. Wer von dort noch mehr vermeidet, zahlt mehr für die Vermeidung, als er an Schaden spart. Mathematisch: Die Summe wird kleiner, solange MEC>MCA (mehr vermeiden), und größer, wenn MEC<MCA.

VertiefungVom Output zur Emission: dasselbe Ergebnis auf zwei Wegen

Hängt eine Tonne CO₂ fix an jeder produzierten Einheit, sind beide Sichtweisen identisch. Im Röstereibeispiel (Nachfrage 100−q, MC=20+q, Schaden 10 je Einheit):

Emissionssicht: Vermeiden heißt hier, weniger zu produzieren. Die Vermeidungskosten einer Einheit sind der entgangene Nettonutzen: MCA=D−MC=100−E−(20+E)=80−2E. Bei E=40 (Marktmenge) sind sie null.
Optimum: MCA=MEC: 80−2E=10 → E = 35.
Outputsicht: q∗=35 (siehe Abschnitt 2).

Beides liefert 35. Die Emissionssicht ist die allgemeinere: Sie lässt zu, dass Firmen mit Technik statt mit weniger Output vermeiden.

5 Standard und Emissionssteuer ★★★

Alle Instrumente verfolgen dasselbe Prinzip: Die externen Kosten werden dem Verursacher zugerechnet (Internalisierung). Dann berücksichtigt die Firma den Schaden in ihrer Rechnung.

Emissionsstandard

Emissionsstandard: gesetzliche Obergrenze für Emissionen je Firma oder Anlage.

Vorteil: Die Menge ist sicher begrenzt, die Behörde weiß, was herauskommt.
Nachteil: Der Standard ist teuer, wenn die Firmen sehr unterschiedliche Vermeidungskosten haben. Die Firma, die billig vermeiden könnte, wird nicht stärker herangezogen als die Firma, für die es sehr teuer ist.

Emissionssteuer (Pigou-Steuer)

Pigou-Steuer: Abgabe pro Emissionseinheit, idealerweise in Höhe des Grenzschadens im Optimum.

Jede Firma vermeidet, solange die Vermeidung weniger kostet als die Steuer.

FormelReaktion auf die Emissionssteuer
MCA(E)=T

In Worten: Die Firma vermeidet so lange, bis eine weitere vermiedene Einheit genauso viel kostet, wie sie an Steuer spart.

T = Steuer je EmissionseinheitMCA = Grenzvermeidungskosten der Firma
Beispiel ansehen

Die Brauerei aus Abschnitt 4 hat MCA=30−E. Der Staat setzt T∗=MEC(E∗)=20.

30−E=20 → E=10

Ergebnis: Die Firma landet von selbst beim effizienten E∗=10.

Die Steuer ist kosteneffizient: Alle Firmen vermeiden bis zum selben Preis T, also sind am Ende alle MCA gleich.
Es gibt einen dauerhaften Anreiz, bessere Technik zu entwickeln, weil jede Einsparung Steuer spart.
Nachteil: Die Behörde kennt die MCA nicht genau, die Menge ist daher unsicher.

Auch eine Steuer auf den Output funktioniert. Im Röstereibeispiel aus Abschnitt 2 gilt: t=MEC=10 macht aus MC=20+q die Kosten 30+q. Die Firma wählt dann q=35, also genau die effiziente Menge. Der Preis für Konsument:innen steigt dabei von 60 auf 65.

VertiefungSteuer auf den Output oder auf die Emission?

Die Outputsteuer funktioniert nur dann so gut, wenn jede Einheit Output fix dieselbe Emission verursacht. Gibt es Technik zum Vermeiden, trifft die Emissionssteuer das Ziel besser.

Beispiel: Die Rösterei verursacht pro Charge Schaden von 10. Ein Filter senkt den Schaden auf 4 pro Charge und kostet 3 pro Charge.

Emissionssteuer (10 je Einheit Schaden): Mit Filter zahlt die Firma 4 Steuer + 3 Filterkosten = 7 statt 10. Sie baut den Filter ein.
Outputsteuer (10 je Charge): Die Steuer bleibt 10, egal ob mit oder ohne Filter. Es gibt keinen Anreiz, den Filter zu bauen.

Die Outputsteuer verteuert nur das Produkt. Die Emissionssteuer belohnt jede Einsparung bei der Emission selbst, und genau das will man.

VertiefungWer zahlt wie viel? Steuer, Standard und Restemissionen

Brauerei mit MCA=30−E, effiziente Emission E∗=10.

Vermeidungskosten: 20 t werden vermieden. Fläche unter MCA zwischen 10 und 30: 12⋅20⋅20= 200.
Standard E=10: Die Firma trägt nur diese 200.
Steuer T=20: Die Firma trägt zusätzlich die Steuer auf die verbleibenden 10 t: 20⋅10=200. Insgesamt 400.

Für die Firma ist die Steuer also die teurere Lösung, auch wenn die Umweltwirkung gleich ist. Der Unterschied sind Einnahmen des Staates (200), die er z. B. zur Senkung anderer Steuern oder für Förderungen verwenden kann. Das ist eine Frage der Verteilung und nicht der Effizienz.

Dieselbe Frage stellt sich bei Zertifikaten (Abschnitt 7): Werden sie gratis verteilt, trägt die Firma nur die Vermeidungskosten. Werden sie versteigert, zahlt sie auch für die Restemissionen.

6 Steuer oder Quote bei unvollständiger Information ★★★

Welches Instrument ist besser, wenn der Staat die wahren Kosten nicht kennt? Die Antwort hängt davon ab, wie steil die Schadens- und die Vermeidungskurve verlaufen.

Preis- oder Mengensteuerung

Steuer (Preis)Quote (Menge)
Staat legt festPreis T je Einheitzulässige Menge EQ
Firmen reagierenvermeiden, solange MCA<Treduzieren auf EQ
Optimal gewähltT∗=MEC(E∗)EQ=E∗
Unsicher bleibtdie Mengedie Kosten

Bei vollständiger Information führen beide Instrumente zum selben effizienten Ergebnis E∗.

Unvollständige Information

Die Politik kennt die wahren MCA meist nicht und rechnet mit Schätzungen. Dann verfehlen beide Instrumente E∗. Welches weniger schadet, hängt von den Steigungen ab:

Steile MEC: Schon kleine Mehrmengen sind sehr schädlich (z. B. Giftstoffe). Die Menge muss sicher sein → eher Quote.
Steile MCA: Eine zu strenge Mengenvorgabe wird sehr teuer. Ein fixer Preis begrenzt die Kosten, und eine falsche Menge schadet wenig → eher Steuer.

Einfach erklärt: Bei einem Gift ist ein Grenzwert besser als ein Preis: Niemand will wissen, wie viel Gift „zu teuer" ist. Bei einem sehr teuren Umbau ist eine Abgabe besser, weil sie niemanden in unbezahlbare Auflagen zwingt.

Prüfungsfalle: Bei der Steuer ist der Preis sicher, bei der Quote die Menge. Steuer und Quote sind nicht „gleich gut", sondern nur bei vollständiger Information gleichwertig.

VertiefungZwei Rechnungen: wann ist welches Instrument besser?

Die Politik schätzt die Vermeidungskosten falsch ein. In beiden Fällen sind die wahren Kurven anders als die geschätzten.

Fall 1: steile MEC. MEC=2E, wahre MCA=36−E, geschätzt MCAe=30−E.

Effizient (wahr): 2E=36−E → E∗=12.
Geschätzt: E=10, also T=20 bzw. EQ=10.
Quote 10: Der Abstand von MCA und MEC bei 10 beträgt 6, bis 12 sinkt er auf null. Verlust 12⋅2⋅6= 6.
Steuer 20: Die Firmen vermeiden bis 36−E=20, also E=16. Bei 16 liegt MEC um 12 über MCA. Verlust 12⋅4⋅12= 24.

Fall 2: steile MCA. MEC=E, wahre MCA=36−3E, geschätzt MCAe=30−3E.

Effizient (wahr): E=36−3E → E∗=9.
Geschätzt: E=7,5, also T=7,5 bzw. EQ=7,5.
Quote 7,5: Abstand 6, Breite 1,5. Verlust 12⋅1,5⋅6= 4,5.
Steuer 7,5: Firmen vermeiden bis 36−3E=7,5, also E=9,5. Abstand 2, Breite 0,5. Verlust 0,5.
FallVerlust QuoteVerlust Steuer
steile MEC624
steile MCA4,50,5

Das bestätigt die Regel: Bei steiler MEC ist die Quote besser, bei steiler MCA die Steuer.

VertiefungMischformen: Preiskorridor beim Zertifikatehandel

In der Praxis kombiniert man Preis- und Mengensteuerung:

Beim Zertifikatehandel legt der Staat die Menge fest (Cap), der Preis schwankt. Schwankungen sind aber ein Problem, wenn Firmen langfristig investieren sollen.
Ein Mindestpreis (Auktionsuntergrenze) verhindert, dass der Preis so tief fällt, dass sich Vermeidung nicht mehr lohnt. Ein Höchstpreis (zusätzliche Zertifikate bei sehr hohen Preisen) begrenzt die Kosten.
So ähnelt das System bei extremen Preisen einer Steuer, im normalen Bereich einer Quote.

Dahinter steht die Überlegung dieses Abschnitts: Man möchte die Vorteile beider Instrumente nutzen und die Unsicherheit über die Kosten abfedern.

7 Heterogene Firmen und handelbare Zertifikate ★★★

Firmen haben sehr unterschiedliche Vermeidungskosten. Das macht es für die Politik schwer, jeder Firma die richtige Menge vorzuschreiben.

Kosteneffizienz: Eine gegebene Gesamtvermeidung wird zu den geringsten Gesamtkosten erreicht, wenn alle Firmen dieselben Grenzvermeidungskosten haben.

FormelKosteneffiziente Verteilung
MCA1=MCA2=⋯=MCAN=PE

In Worten: Im Gleichgewicht zahlt jede Firma für die letzte vermiedene Tonne dasselbe, nämlich den Zertifikatspreis.

MCAi = Grenzvermeidungskosten von Firma iPE = Marktpreis eines EmissionszertifikatsN = Anzahl der Firmen
Beispiel ansehen

Zwei Betriebe müssen zusammen 12 t vermeiden. Die Bäckerei hat MCA1=3A1, die Brauerei MCA2=A2 (A = vermiedene Tonnen).

Starre Vorgabe, je 6 t: Kosten = Fläche unter der MCA-Kurve.

Bäckerei: 12⋅6⋅18=54
Brauerei: 12⋅6⋅6=18
Gesamt: 72

Mit Handel: 3A1=A2 und A1+A2=12 → A1=3, A2=9, PE=9.

Bäckerei: 12⋅3⋅9=13,5
Brauerei: 12⋅9⋅9=40,5
Gesamt: 54

Ergebnis: Gleiche Umweltwirkung, aber 18 weniger Kosten.

Handelbare Emissionszertifikate: Der Staat legt die Gesamtmenge fest und gibt entsprechend viele Rechte aus. Die Firmen dürfen diese Rechte untereinander handeln.

So läuft der Handel ab:

1Jede Firma startet mit Rechten in Höhe von EQ.
2Die Firma mit hohen MCA kauft Rechte, die mit niedrigen MCA verkauft sie.
3Der Handel endet, wenn alle MCA dem Preis PE entsprechen.
4Beide Seiten gewinnen: Wer kauft, spart teure Vermeidung. Wer verkauft, verdient mehr, als das eigene Vermeiden kostet.
Die Gesamtemissionen bleiben durch den Handel gleich. Nur die Verteilung der Vermeidung ändert sich.
Die Politik muss die einzelnen MCA nicht kennen. Die Gesamtmenge bleibt aber eine politische Entscheidung.
Ob die Rechte gratis verteilt oder versteigert werden, ändert die Verteilung der Gewinne, nicht die Effizienz.

Die drei Instrumente im Vergleich

InstrumentMenge sicher?Kosteneffizient?
Standardjanein, bei verschiedenen MCA
Steuerneinja
Zertifikatejaja

Prüfungsfalle: „Zertifikatehandel erhöht die Gesamtemissionen." Das ist falsch. Die Gesamtmenge ist durch den Cap fixiert, und der Handel senkt nur die Gesamtkosten.

VertiefungDer Handel Schritt für Schritt: wer gewinnt wie viel?

Wir bleiben bei Bäckerei (MCA1=3A1) und Brauerei (MCA2=A2). Ausgangslage: Jede soll 6 t vermeiden, also MCA1=18, MCA2=6.

Die Bäckerei würde für die letzte Tonne 18 zahlen, die Brauerei nur 6. Es lohnt sich zu handeln: Die Bäckerei kauft Rechte, die Brauerei verkauft sie.

Endpunkt: Bäckerei vermeidet nur noch 3 t, Brauerei 9 t, Preis PE=9. Die Bäckerei kauft also 3 Rechte.

BäckereiBrauerei
Vermeidungskosten vorher → nachher54 → 13,518 → 40,5
Handel (3 Rechte zu 9)zahlt 27erhält 27
Nettogewinn13,54,5

Die Gewinne betragen zusammen 18, genau die Kostenersparnis von 72 auf 54. Bei einem anderen Preis zwischen 7,5 und 13,5 würden beide ebenfalls gewinnen, nur die Aufteilung der 18 wäre eine andere.

VertiefungEin strengerer Cap: Preis und Kosten

Die Politik verschärft das Ziel: Statt 12 sollen nun 16 t vermieden werden.

Bedingung: 3A1=A2 und A1+A2=16 → A1=4, A2=12, PE=12.
Gesamtkosten: 12⋅4⋅12+12⋅12⋅12=24+72= 96.
Vermeidung gesamtZertifikatspreisGesamtkosten
12 t954
16 t1296

Ein strengerer Cap macht Zertifikate teurer, weil die zusätzliche Vermeidung teurer ist. Der Zertifikatspreis ist ein Signal: Er zeigt, wie teuer die letzte vermiedene Tonne ist.

VertiefungWann Handel nicht ohne Weiteres passt: lokale Schadstoffe

Beim CO₂ ist es egal, wo die Tonne ausgestoßen wird: Das Klima reagiert auf die weltweite Menge. Der Handel zwischen Firmen darf daher Emissionen verschieben.

Bei lokalen Schadstoffen (Feinstaub, Lärm, Geruch) hängt der Schaden vom Ort ab. Kaufen Firmen in einer dicht besiedelten Stadt Rechte von Firmen auf dem Land, steigt dort der Schaden stark. Dann braucht man räumliche Beschränkungen, oder eine Handelsregel, die den Ort berücksichtigt (Hotspots vermeiden).

8 Coase-Theorem und Gemeineigentum ★★★

Muss immer der Staat eingreifen? Coase antwortet: Manchmal lösen die Betroffenen das Problem selbst, wenn sie miteinander verhandeln können. Bei frei nutzbaren, aber knappen Ressourcen klappt das nicht von selbst, dort droht die Tragik der Allmende.

Das Coase-Theorem

Coase-Theorem: Sind die Eigentumsrechte klar definiert und die Transaktionskosten vernachlässigbar, verhandeln die Parteien zu einem effizienten Ergebnis, egal wem das Recht ursprünglich gehört.

Die Rechtszuteilung entscheidet nur, wer wen bezahlt (Verteilung). Wie viel am Ende verschmutzt wird, ändert sich nicht (Effizienz).

Rechenbeispiel Fabrik und Fischer

Das Einleiten von Abwasser bringt einer Fabrik einen Vorteil von 100. Der Fischer erleidet dadurch einen Schaden von 60. Effizient ist die Verschmutzung, weil 100>60.

1Fabrik hat das Recht: Der Fischer würde höchstens 60 für eine Einstellung zahlen, die Fabrik verlangt mindestens 100. Keine Einigung, die Fabrik verschmutzt.
2Fischer hat das Recht: Die Fabrik würde bis zu 100 zahlen, der Fischer will mindestens 60. Sie einigen sich irgendwo dazwischen, die Fabrik verschmutzt.

Ergebnis: In beiden Fällen wird verschmutzt. Nur der Geldfluss ist verschieden.

Grenzen des Theorems:

Viele Beteiligte: Verhandeln ist praktisch unmöglich (Klimawandel).
Hohe Transaktionskosten für Verhandeln und Durchsetzen.
Asymmetrische Information über Schäden und Kosten.
Strategisches Verhalten und Trittbrettfahrer.
Eigentumsrechte sind oft nicht definierbar (saubere Luft).

Coase passt deshalb vor allem bei wenigen, klar erkennbaren Parteien. Bei großen Problemen wie dem Klima braucht es Steuer, Quote oder Zertifikate.

Prüfungsfalle: Die Rechtszuteilung ändert nach Coase die Verteilung, nicht die Effizienz.

Gemeineigentum: die Tragik der Allmende

Manche Ressourcen kann jede:r frei nutzen, aber sie nutzen sich durch Gebrauch ab. Das ist ein Externalitätenproblem in neuer Verkleidung.

Allmende (Gemeineigentumsressource): frei zugänglich, aber rivalisierend (Fischgründe, Weideland, Grundwasser).

Tragik der Allmende: Jede:r Nutzer:in zählt nur den eigenen Ertrag und ignoriert, dass er die Ressource für alle anderen verknappt. Das Ergebnis ist Übernutzung bis hin zur Erschöpfung.

Einfach erklärt: Auf der Gemeindealm darf jeder Bauer so viele Kühe weiden lassen, wie er will. Jede zusätzliche Kuh bringt ihm Milch, die Kosten der kahlen Wiese tragen alle gemeinsam. Also treibt jeder mehr Kühe auf, bis nichts mehr wächst.

Der Fehler ist eine negative Externalität: Die zusätzliche Nutzung schadet allen anderen, ohne dass dafür jemand zahlt.

Lösungen:

Nutzungsrechte und Fangquoten (Mengensteuerung)
Gebühren für die Nutzung (Preissteuerung)
Privatisierung, weil dann jemand die Folgen trägt
Gemeinschaftliche Selbstregulierung, wenn die Gruppe klein und überschaubar ist

Prüfungsfalle: Eine Allmende ist rivalisierend, ein öffentliches Gut dagegen nicht rivalisierend. Beide sind nicht ausschließbar, aber das Problem ist ein anderes: bei der Allmende Übernutzung, beim öffentlichen Gut zu wenig Angebot.

VertiefungCoase genauer: Transaktionskosten und die Menge der Verschmutzung

Transaktionskosten kippen das Ergebnis. Fabrik (Vorteil 100) und Fischer (Schaden 60). Verhandeln und Durchsetzen kosten zusammen 50 (Gutachten, Anwälte, Zeit).

Fischer hat das Recht: Die Einigung bringt einen Gewinn von 100−60=40, kostet aber 50. Es kommt keine Einigung zustande. Die Fabrik darf nicht verschmutzen, obwohl es effizient wäre (Verlust 40).
Fabrik hat das Recht: Es ist keine Verhandlung nötig. Die Fabrik verschmutzt, das ist effizient.

Mit Transaktionskosten kommt es also doch auf die Rechtszuteilung an. Das zeigt, warum die Annahme vernachlässigbarer Kosten so wichtig ist.

Verhandeln über die Menge. Der Nutzen der Fabrik aus der E-ten Einheit Abwasser ist MB=20−2E, der Schaden des Fischers MD=2E. Effizient ist 20−2E=2E → E∗=5.

Fabrik hat das Recht (Startpunkt E=10, wo MB=0): Der Fischer zahlt für die Reduktion von 10 auf 5. Er vermeidet Schaden von 75 und die Fabrik verliert Nutzen von 25. Es entsteht ein Gewinn von 50, der Fischer zahlt irgendwo zwischen 25 und 75.
Fischer hat das Recht (Startpunkt E=0): Die Fabrik zahlt für die ersten 5 Einheiten. Sie gewinnt 75 Nutzen, der Schaden beträgt 25. Gewinn wieder 50, die Zahlung liegt zwischen 25 und 75.

In beiden Fällen endet man bei E=5. Nur das Geld fließt in die andere Richtung.

VertiefungAllmende mit Zahlen: Fischer am See

Die Fangmenge bei n Booten ist F(n)=24n−n2. Ein Boot kostet 8 (in Fangeinheiten gerechnet).

Privat: Jedes Boot wird eingesetzt, solange sein Durchschnittsfang F/n=24−n die Kosten 8 übersteigt. Das gilt bis n = 16.
Gesellschaftlich: Das n-te Boot bringt nur den Zusatzfang F′(n)=24−2n (es nimmt den anderen Fische weg). Das lohnt, solange 24−2n>8, also bis n = 8.
BooteFangNetto (Fang − Kosten)
812864
161280

Mit 16 Booten wird gleich viel gefangen wie mit 8, aber es braucht doppelt so viele Boote. Der Nutzen der Ressource ist komplett aufgebraucht. Das 9. Boot fängt für sich 15, für die Gesamtheit bringt es aber nur 7, während es 8 kostet.

VertiefungAllmende lösen: Erfahrungen mit Selbstverwaltung

Die Ökonomin Elinor Ostrom hat gezeigt, dass Gemeinschaften Allmenden oft auch ohne Staat und ohne Privatisierung nachhaltig nutzen. Typische Bedingungen:

Die Nutzer:innengruppe und die Grenzen der Ressource sind klar abgegrenzt.
Die Regeln sind den örtlichen Bedingungen angepasst und werden gemeinsam beschlossen.
Es gibt Kontrolle und abgestufte Sanktionen für Regelbrecher.
Konflikte lassen sich billig lösen.

Je größer und anonymer die Gruppe, desto schwerer ist das. Eine globale Allmende wie das Klima hat Milliarden Nutzer:innen. Dort braucht es staatliche und internationale Instrumente (Abschnitt 9).

9 CO₂-Bepreisung: EU-Emissionshandel, Carbon Leakage und CBAM ★★

CO₂ ist das Lehrbuchbeispiel einer negativen Externalität: Der Schaden trifft die ganze Welt, die Kosten tragen aber nicht die Verursacher. Der Weltklimarat (IPCC) schreibt die Erwärmung seit der Industrialisierung vor allem menschlichen Treibhausgasemissionen zu. Die Ökonomie liefert die Anreizinstrumente.

Das EU-Emissionshandelssystem (EU ETS)

Cap and Trade: Die Gesamtmenge an Zertifikaten ist begrenzt; Firmen, die billig vermeiden können, verkaufen Zertifikate an Firmen, für die Vermeiden teuer ist.Obergrenze (Cap)verkauft ZertifikateZertifikat ↔ Geldkauft Zertifikate
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Cap and Trade: Die Gesamtmenge an Zertifikaten ist begrenzt; Firmen, die billig vermeiden können, verkaufen Zertifikate an Firmen, für die Vermeiden teuer ist.

Cap and Trade: Die Gesamtmenge an Emissionen (Cap) wird begrenzt, und die Rechte (Trade) werden gehandelt.

Seit 2005, zentrales Instrument der EU-Klimapolitik, rund 40 % der EU-Treibhausgase.
Der Cap sinkt im Zeitablauf, damit die Emissionen mit der Zeit zurückgehen.
Ein Zertifikat berechtigt zu 1 t CO₂-Äquivalent. Der Preis PE bildet sich am Zertifikatsmarkt.
Erfasst sind Energieerzeugung, emissionsintensive Industrie, Teile des Luftverkehrs und seit 2024 der Seeverkehr.
Ziel: −62 % Emissionen in den erfassten Sektoren bis 2030 gegenüber 2005.

Das ETS verbindet Mengensteuerung (Cap) mit dezentralem Handel (Kosteneffizienz). Es setzt die Theorie aus Abschnitt 7 praktisch um.

CO₂-Bepreisung gibt es mittlerweile weltweit, entweder als Emissionshandel oder als CO₂-Steuer. Sie ist aber weder flächendeckend noch einheitlich: Ausgestaltung, erfasste Sektoren und Preise unterscheiden sich stark.

Carbon Leakage und CBAM

Carbon Leakage: Produktion wandert in Länder ohne CO₂-Preis ab. Der Grenzausgleich belegt Importe mit einem CO₂-Preis.CO₂-GrenzausgleichProduktion wandert abLand mit CO₂-PreisLand ohne CO₂-Preis
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Carbon Leakage: Produktion wandert in Länder ohne CO₂-Preis ab. Der Grenzausgleich belegt Importe mit einem CO₂-Preis.

Carbon Leakage: Weil CO₂-Preise je Land verschieden sind, wandern Produktion und Emissionen in Länder mit lockereren Regeln. Auch heimische Güter können durch emissionsintensivere Importe ersetzt werden.

Warum ist das ein Problem?

Das Klima profitiert nicht, weil die Emissionen nur woanders anfallen.
Emissionsintensive Branchen mit Handel verlieren Wettbewerbsfähigkeit.

CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism): Die EU belegt ausgewählte emissionsintensive Importe mit einem CO₂-Preis, der sich am EU ETS orientiert. Ein im Herkunftsland bereits gezahlter CO₂-Preis wird angerechnet.

Damit sollen Preisunterschiede ausgeglichen und der Anreiz zur Abwanderung verringert werden. Eine international abgestimmte CO₂-Bepreisung würde das Problem direkt lösen, ist politisch aber viel schwerer durchzusetzen.

Prüfungsfalle: Carbon Leakage bedeutet Abwanderung in Länder mit lockereren (nicht strengeren) Klimaregeln.

VertiefungRechenbeispiel: was CBAM ausgleicht

Die folgenden Zahlen sind erfunden und zeigen nur das Prinzip. Für eine Tonne Stahl fallen 1,8 t CO₂ an. Das Zertifikat kostet in der EU 80 € je t.

EU-Hersteller: Zusatzkosten durch den CO₂-Preis: 1,8⋅80= 144 € je t Stahl.
Hersteller in einem Land ohne CO₂-Preis: Er spart diese 144 €. Ohne Gegenmaßnahme würde Produktion dorthin abwandern (Carbon Leakage) oder EU-Stahl durch Importstahl verdrängt.
Mit CBAM: Der Importeur zahlt für den Importstahl so viel, als stünde er unter dem EU-Preis. Hat das Herkunftsland schon 20 € je t CO₂ verlangt, wird das angerechnet: (80−20)⋅1,8= 108 € je t Stahl.

Importstahl wird also auf das EU-Niveau verteuert. Der Anreiz zur Abwanderung sinkt, und Hersteller im Ausland haben einen Grund, selbst ein CO₂-Preissystem einzuführen (dann bleibt der Betrag im eigenen Land).

VertiefungWarum die Klimapolitik ein globales Problem ist

Klimaschutz ist ein globales öffentliches Gut: Die Vermeidung nutzt allen, auch denen, die nichts dafür zahlen. Daraus ergibt sich dieselbe Logik wie in Abschnitt 1:

Jedes Land hat einen Anreiz, die Last anderen zu überlassen (Trittbrettfahren).
Verhandlungen im Sinne von Coase scheitern an der Zahl der Beteiligten.
Ein einheitlicher Weltpreis für CO₂ wäre die effiziente Lösung, ist aber politisch schwer durchzusetzen.

Deshalb gibt es heute ein Nebeneinander verschiedener Systeme (Handel, Steuer, Standards) und Instrumente wie den CBAM, die die Unterschiede zwischen Ländern ausgleichen.

Grenzen des Emissionshandels: Der Preis schwankt (siehe die Überlegungen zu Mischformen in Abschnitt 6), und die Höhe des Caps bleibt eine politische Entscheidung. Die Ökonomie zeigt, wie man ein Ziel billig erreicht, nicht, wie anspruchsvoll es sein soll.

Checkliste: Das musst du können

Ich kann die vier Ursachen von Marktversagen nennen und voneinander unterscheiden.
Ich kann ein öffentliches Gut anhand von Ausschließbarkeit und Rivalität einordnen.
Ich kann MSC=MC+MEC erklären und begründen, warum der Markt bei negativer Externalität zu viel produziert.
Ich kann Marktmenge, effiziente Menge und Wohlfahrtsverlust berechnen.
Ich kann positive Externalitäten (MSB=MB+MEB) und die Rolle der Subvention erklären.
Ich kann erklären, warum das effiziente Emissionsniveau nicht null ist (MEC=MCA).
Ich kann Standard, Pigou-Steuer, Quote und handelbare Zertifikate vergleichen.
Ich kann begründen, wann bei Unsicherheit die Steuer und wann die Quote besser ist.
Ich kann mit MCA-Kurven den Gewinn aus Zertifikatehandel berechnen.
Ich kann das Coase-Theorem samt Grenzen erklären und die Tragik der Allmende von einem öffentlichen Gut abgrenzen.
Ich kann EU ETS, Carbon Leakage und CBAM erklären.

Fertig gelesen? Teste, ob es sitzt.

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