- Marktversagen hat vier Ursachen: Marktmacht, Externalitäten, Informationsprobleme und öffentliche Güter (nicht ausschließbar, nicht rivalisierend).
- Negative Externalität: . Der Markt produziert zu viel, der Wohlfahrtsverlust ist das Dreieck zwischen MSC und Nachfrage. Positive Externalität: zu wenig.
- Das effiziente Emissionsniveau ist nicht null: . Vermeiden kostet auch Ressourcen.
- Pigou-Steuer (), Standard und Quote führen bei vollständiger Information zu . Bei Unsicherheit: steile MEC eher Quote, steile MCA eher Steuer.
- Handelbare Zertifikate gleichen alle an an. Die Gesamtmenge bleibt gleich, die Kosten sinken.
- Coase: Bei klaren Eigentumsrechten und kleinen Transaktionskosten verhandeln Betroffene effizient, die Rechtszuteilung ändert nur die Verteilung.
- Allmende: frei zugänglich und rivalisierend, daher Übernutzung. EU ETS (Cap and Trade), Carbon Leakage und CBAM setzen die Theorie in der CO₂-Politik um.
Inhalt10 Abschnitte
Alles auf einer Seite. Vertiefungen klappst du bei Bedarf auf. setzt ein Lesezeichen, markiert eine schwierige Stelle.
1 Marktversagen: Wann der Markt allein nicht reicht ★★
Unter guten Bedingungen sorgt der Markt dafür, dass genau so viel produziert wird, wie sich gesellschaftlich lohnt: Der Nutzen der letzten Einheit entspricht ihren Kosten. Wenn das nicht klappt, spricht man von Marktversagen. Hier steckt die Begründung, warum der Staat in Märkte eingreift.
Marktversagen: Der Marktmechanismus allein liefert kein allokativ effizientes Ergebnis.
MarktmachtExternalitätenAsymmetrische
InformationÖffentliche
Güter| Ursache | Kernproblem | Typische Folge |
|---|---|---|
| Marktmacht | Einzelne können den Preis beeinflussen (Monopol, Kartell). | Menge zu klein, Preis zu hoch |
| Externalitäten | Wirkungen auf Dritte werden nicht über den Preis bezahlt. | Falsche Menge |
| Unvollständige oder asymmetrische Information | Wichtiges Wissen fehlt oder ist ungleich verteilt. | Schlechte oder fehlende Märkte |
| Öffentliche Güter | Niemand kann ausgeschlossen werden, und der Konsum schmälert nichts. | Privat zu wenig Angebot |
Dieses Kapitel behandelt vor allem die Externalitäten. Die anderen drei Ursachen solltest du aber benennen und unterscheiden können.
Öffentliche Güter im Detail
Zwei Eigenschaften entscheiden, um welche Art von Gut es sich handelt:
| Rivalisierend | Nicht rivalisierend | |
|---|---|---|
| Ausschließbar | Privatgut (Semmel) | Klubgut (Streaming-Abo) |
| Nicht ausschließbar | Allmendegut (Fischbestand im offenen Meer) | Öffentliches Gut (Landesverteidigung) |
Bei öffentlichen Gütern gibt es Trittbrettfahrer: Jede:r profitiert, auch ohne zu zahlen, also zahlt freiwillig kaum jemand. Private Anbieter finden daher keinen Markt, und es wird zu wenig bereitgestellt. Der Staat finanziert solche Güter deshalb über Steuern.
Einfach erklärt: Ein Feuerwerk über der Stadt sehen alle, auch wer nichts in den Spendentopf geworfen hat. Wenn alle so denken, bleibt der Topf leer, und es gibt kein Feuerwerk.
Information und Marktmacht (Zusatzwissen)
VertiefungGütertypen: Grenzfälle und Übergänge
Die Einordnung ist nicht immer starr:
Rechtssystem, Landesverteidigung oder Deichbau sind Beispiele für öffentliche Güter im Kern: Niemand kann ausgeschlossen werden, und die Nutzung durch eine Person nimmt anderen nichts weg.
VertiefungWie viel von einem öffentlichen Gut ist effizient?
Bei privaten Gütern addiert man die Nachfragen waagrecht (bei jedem Preis die Mengen). Bei einem öffentlichen Gut konsumieren alle dieselbe Menge. Daher addiert man die Zahlungsbereitschaften senkrecht:
In Worten: Die Summe aller Grenznutzen der Betroffenen muss den Grenzkosten entsprechen. Jeder einzelne Grenznutzen allein reicht nicht aus.
Beispiel ansehen
Zwei Nachbarn: und . Eine Lampe kostet zusätzlich .
Weil jede:r die Lampen der anderen mitnutzt, wird weniger als die effiziente Menge bereitgestellt.
Der Nutzen steckt bei den Nachbarn, aber keine:r berücksichtigt den Nutzen der anderen. Das ist wie bei einer positiven Externalität (Abschnitt 3).
VertiefungAdverse Selektion mit Zahlen: der Gebrauchtradmarkt
Die Hälfte der angebotenen Räder ist gut, die andere Hälfte schlecht.
| Qualität | Wert für Käufer | Verkäufer will mind. |
|---|---|---|
| gut | 800 | 700 |
| schlecht | 200 | 100 |
Der Käufer erkennt die Qualität nicht und zahlt höchstens den Durchschnittswert: 500.
Dabei wäre der Handel mit guten Rädern für beide vorteilhaft (800 > 700). Der Markt für gute Qualität bricht zusammen, obwohl beide Seiten gewinnen würden.
Gegenmittel: Garantien, Gütesiegel, Zertifikate, Probefahrten, Händlerreputation. Beim Moral Hazard helfen Selbstbehalte und Kontrollen: Wer einen Teil des Schadens selbst trägt, passt mehr auf.
2 Externalitäten: Begriff und negative Externalität ★★★
Externalitäten sind der zentrale Fall von Marktversagen in diesem Kapitel. Sie erklären, warum Umweltverschmutzung entsteht, obwohl niemand Böses will: Das Problem liegt in fehlenden Preisen.
Externalität: Produktion oder Konsum einer Partei beeinflusst die Wohlfahrt einer dritten Partei, ohne dass dies über den Preis abgegolten wird.
Der springende Punkt: Für den Effekt gibt es keinen Markt. Weder die Firma noch die Betroffenen sehen einen Preis für Lärm oder saubere Luft. Deshalb taucht der Effekt in keiner Entscheidungsrechnung auf, und der Markt liefert die falsche Menge.
| Negativ | Positiv | |
|---|---|---|
| Wirkung bei Dritten | Kosten | Nutzen |
| Beispiele | Lärm, Abgase, Passivrauchen | Impfung, Forschungswissen (Spillovers) |
| Markt liefert | zu viel | zu wenig |
Externalitäten können bei Produktion oder bei Konsum entstehen. Als Standardfall dient die negative Produktionsexternalität am Beispiel CO₂.
Prüfungsfalle: Steigt durch ein neues Café die Miete im Grätzel, ist das ein normaler Preiseffekt über den Markt. Eine Externalität im engeren Sinn liegt nur vor, wenn der Effekt nicht über Preise läuft.
Negative Externalität
Die Firma rechnet nur mit ihren eigenen Kosten. Die Gesellschaft trägt zusätzlich den Schaden bei Dritten.
In Worten: Was ein zusätzliches Stück die ganze Gesellschaft kostet: die Kosten der Firma plus der Schaden bei Dritten.
Beispiel ansehen
Eine zusätzliche Charge in einer Kaffeerösterei kostet die Firma 24 € (). Rauch und Geruch belasten die Nachbarschaft mit 6 € ().
30 € – so viel kostet die Charge die Gesellschaft wirklich.
Der Markt und die effiziente Lösung unterscheiden sich so:
PreisMenge QDMC (privat)MSC (sozial)Effizientes GleichgewichtMarktgleichgewichtWohlfahrts-
verlustQ*QₘP*PₘWarum zu viel? Jede Einheit zwischen und bringt weniger Nutzen, als sie die Gesellschaft kostet. Der Markt produziert sie trotzdem, weil die Firma den Schaden nicht spürt. Der Wohlfahrtsverlust ist das Dreieck zwischen -Kurve und Nachfragekurve über diese Mengen.
Rechenbeispiel Marktmenge, effiziente Menge und Wohlfahrtsverlust
Nachfrage , private Grenzkosten , externer Schaden je Einheit.
Ergebnis: Wohlfahrtsverlust = 25.
VertiefungZweite Rechnung und allgemeine Dreiecksformel
Nachfrage , private Grenzkosten , externer Schaden .
| Bedingung | Menge | |
|---|---|---|
| Markt | , | |
| Effizient | , |
Allgemein (bei konstantem MEC): Wohlfahrtsverlust . Das Dreieck ist die Fläche zwischen und Nachfrage, die Höhe an der Marktmenge ist der externe Schaden.
Beachte: Der Preis für Konsument:innen ist im Effizienzfall höher (50 statt 42), die Menge geringer. Eine Korrektur macht das Gut teurer, weil die Schadenskosten nun eingepreist sind.
VertiefungKonsumexternalitäten und Preiseffekte
Konsumexternalität: Der Schaden (oder Nutzen) kommt aus dem Konsum, nicht aus der Produktion. Ein Beispiel ist Passivrauchen: Wer raucht, vergrößert den Schaden bei anderen, ohne dafür zu zahlen. Der private Grenznutzen liegt dann über dem gesellschaftlichen Nutzen . Der Markt richtet sich nach , also wird auch hier zu viel konsumiert.
Technische und pekuniäre Effekte:
Nur technische Externalitäten führen zu Marktversagen.
3 Positive Externalität ★★
Hier ist der gesellschaftliche Nutzen größer als der private. Der Markt liefert zu wenig, weil die Käufer:innen nur ihren eigenen Nutzen bezahlen.
In Worten: Bei positiven Externalitäten ist der gesellschaftliche Nutzen die Summe aus dem Nutzen für die Person selbst und dem Nutzen für andere.
Beispiel ansehen
Eine Grippeimpfung ist dir 30 € wert (). Weil du Kolleg:innen nicht ansteckst, haben diese zusätzlich 12 € Nutzen ().
42 €. Der Markt allein würde zu wenig impfen.
| Negative Externalität | Positive Externalität | |
|---|---|---|
| Gesellschaftliche Kurve | , liegt über MC | , liegt über MB |
| Markt liefert | zu viel | zu wenig |
| Korrektur | Steuer in Höhe von MEC | Subvention in Höhe von MEB |
Prüfungsfalle: Bei einer positiven Externalität produziert der Markt zu wenig, nicht zu viel. Die Korrektur ist eine Subvention, keine Steuer.
VertiefungPositive Externalität mit Zahlen und Subvention
Nachfrage (privater Grenznutzen) , externer Nutzen je Einheit, Grenzkosten .
Subvention je Einheit: Die Käufer:innen zahlen effektiv 10 weniger, ihre Nachfrage verschiebt sich auf . Gleichgewicht: , die Firma erhält 40, die Käufer:innen zahlen 30, der Staat zahlt 10. Die Menge ist damit effizient. Die Kosten für den Staat betragen .
VertiefungPositive Externalitäten in der Praxis
Typische Fälle:
Instrumente: Subventionen, Patente (sie machen Wissen ausschließbar und lassen den Nutzen bei der Erfinder:in) und die öffentliche Bereitstellung (staatliche Schulen, öffentliche Forschung).
Da Wissen nicht rivalisierend ist, hängt das Thema eng mit den öffentlichen Gütern aus Abschnitt 1 zusammen.
4 Emissionen: MEC, MCA und die effiziente Menge ★★★
Im einfachsten Fall hängen Emissionen fix am Output: Weniger CO₂ gibt es nur mit weniger Produktion. Realistischer ist, dass Firmen auch bei gleichem Output weniger ausstoßen können, etwa durch andere Technik oder Energiequellen. Deshalb behandelt man die Emissionsmenge als eigene Entscheidungsgröße.
Marginale externe Kosten (MEC): zusätzlicher Schaden, den eine weitere Emissionseinheit bei Dritten anrichtet. Je mehr bereits ausgestoßen wird, desto größer ist er meist.
Grenzvermeidungskosten (MCA): zusätzliche Kosten, um eine weitere Emissionseinheit zu vermeiden. Sie fallen bei der Firma an, sind aber auch Teil der gesellschaftlichen Kosten.
MEC (Schaden)MCA (Vermeidungskosten)E*T*MEC = MCA← mehr vermeidenmehr Emissionen →€ pro TonneEmissionen EIn Worten: Vermeide so lange, wie das Vermeiden weniger kostet als der Schaden der Emission. Dort, wo beides gleich ist, liegt das Optimum.
Beispiel ansehen
Eine Brauerei stößt ohne Maßnahmen 30 t CO₂ aus. Der Grenzschaden steigt mit , die Vermeidungskosten fallen mit .
→
Beim Optimum gilt 20 € je t. Es werden 20 t vermieden, aber 10 t bleiben bestehen.
Warum bleibt eine Restmenge? Bei wäre der letzte Schaden fast null, die letzte Vermeidung aber sehr teuer. Das lohnt sich gesellschaftlich nicht.
Prüfungsfalle: „Das effiziente Emissionsniveau ist null." Das ist falsch. Effizient ist mit , weil auch Vermeidung Ressourcen kostet.
VertiefungGesamtkosten und Gesamtschaden: warum E* das Minimum ist
Wir bleiben bei der Brauerei (, , unreguliert 30 t). Flächen unter den Kurven ergeben die Gesamtgrößen:
| Variante | Vermeidung + Schaden | Gesamt |
|---|---|---|
| keine Maßnahme (E = 30) | 0 + 900 | 900 |
| effizient (E = 10) | 200 + 100 | 300 |
| nichts ausstoßen (E = 0) | 450 + 0 | 450 |
Bei ist die Summe aus beiden Posten am kleinsten. Wer von dort noch mehr vermeidet, zahlt mehr für die Vermeidung, als er an Schaden spart. Mathematisch: Die Summe wird kleiner, solange (mehr vermeiden), und größer, wenn .
VertiefungVom Output zur Emission: dasselbe Ergebnis auf zwei Wegen
Hängt eine Tonne CO₂ fix an jeder produzierten Einheit, sind beide Sichtweisen identisch. Im Röstereibeispiel (Nachfrage , , Schaden 10 je Einheit):
Beides liefert 35. Die Emissionssicht ist die allgemeinere: Sie lässt zu, dass Firmen mit Technik statt mit weniger Output vermeiden.
5 Standard und Emissionssteuer ★★★
Alle Instrumente verfolgen dasselbe Prinzip: Die externen Kosten werden dem Verursacher zugerechnet (Internalisierung). Dann berücksichtigt die Firma den Schaden in ihrer Rechnung.
Emissionsstandard
Emissionsstandard: gesetzliche Obergrenze für Emissionen je Firma oder Anlage.
Emissionssteuer (Pigou-Steuer)
Pigou-Steuer: Abgabe pro Emissionseinheit, idealerweise in Höhe des Grenzschadens im Optimum.
Jede Firma vermeidet, solange die Vermeidung weniger kostet als die Steuer.
In Worten: Die Firma vermeidet so lange, bis eine weitere vermiedene Einheit genauso viel kostet, wie sie an Steuer spart.
Beispiel ansehen
Die Brauerei aus Abschnitt 4 hat . Der Staat setzt .
→
Ergebnis: Die Firma landet von selbst beim effizienten .
Auch eine Steuer auf den Output funktioniert. Im Röstereibeispiel aus Abschnitt 2 gilt: macht aus die Kosten . Die Firma wählt dann , also genau die effiziente Menge. Der Preis für Konsument:innen steigt dabei von 60 auf 65.
VertiefungSteuer auf den Output oder auf die Emission?
Die Outputsteuer funktioniert nur dann so gut, wenn jede Einheit Output fix dieselbe Emission verursacht. Gibt es Technik zum Vermeiden, trifft die Emissionssteuer das Ziel besser.
Beispiel: Die Rösterei verursacht pro Charge Schaden von 10. Ein Filter senkt den Schaden auf 4 pro Charge und kostet 3 pro Charge.
Die Outputsteuer verteuert nur das Produkt. Die Emissionssteuer belohnt jede Einsparung bei der Emission selbst, und genau das will man.
VertiefungWer zahlt wie viel? Steuer, Standard und Restemissionen
Brauerei mit , effiziente Emission .
Für die Firma ist die Steuer also die teurere Lösung, auch wenn die Umweltwirkung gleich ist. Der Unterschied sind Einnahmen des Staates (200), die er z. B. zur Senkung anderer Steuern oder für Förderungen verwenden kann. Das ist eine Frage der Verteilung und nicht der Effizienz.
Dieselbe Frage stellt sich bei Zertifikaten (Abschnitt 7): Werden sie gratis verteilt, trägt die Firma nur die Vermeidungskosten. Werden sie versteigert, zahlt sie auch für die Restemissionen.
6 Steuer oder Quote bei unvollständiger Information ★★★
Welches Instrument ist besser, wenn der Staat die wahren Kosten nicht kennt? Die Antwort hängt davon ab, wie steil die Schadens- und die Vermeidungskurve verlaufen.
Preis- oder Mengensteuerung
| Steuer (Preis) | Quote (Menge) | |
|---|---|---|
| Staat legt fest | Preis je Einheit | zulässige Menge |
| Firmen reagieren | vermeiden, solange | reduzieren auf |
| Optimal gewählt | ||
| Unsicher bleibt | die Menge | die Kosten |
Bei vollständiger Information führen beide Instrumente zum selben effizienten Ergebnis .
Unvollständige Information
Die Politik kennt die wahren meist nicht und rechnet mit Schätzungen. Dann verfehlen beide Instrumente . Welches weniger schadet, hängt von den Steigungen ab:
Einfach erklärt: Bei einem Gift ist ein Grenzwert besser als ein Preis: Niemand will wissen, wie viel Gift „zu teuer" ist. Bei einem sehr teuren Umbau ist eine Abgabe besser, weil sie niemanden in unbezahlbare Auflagen zwingt.
Prüfungsfalle: Bei der Steuer ist der Preis sicher, bei der Quote die Menge. Steuer und Quote sind nicht „gleich gut", sondern nur bei vollständiger Information gleichwertig.
VertiefungZwei Rechnungen: wann ist welches Instrument besser?
Die Politik schätzt die Vermeidungskosten falsch ein. In beiden Fällen sind die wahren Kurven anders als die geschätzten.
Fall 1: steile MEC. , wahre , geschätzt .
Fall 2: steile MCA. , wahre , geschätzt .
| Fall | Verlust Quote | Verlust Steuer |
|---|---|---|
| steile MEC | 6 | 24 |
| steile MCA | 4,5 | 0,5 |
Das bestätigt die Regel: Bei steiler MEC ist die Quote besser, bei steiler MCA die Steuer.
VertiefungMischformen: Preiskorridor beim Zertifikatehandel
In der Praxis kombiniert man Preis- und Mengensteuerung:
Dahinter steht die Überlegung dieses Abschnitts: Man möchte die Vorteile beider Instrumente nutzen und die Unsicherheit über die Kosten abfedern.
7 Heterogene Firmen und handelbare Zertifikate ★★★
Firmen haben sehr unterschiedliche Vermeidungskosten. Das macht es für die Politik schwer, jeder Firma die richtige Menge vorzuschreiben.
Kosteneffizienz: Eine gegebene Gesamtvermeidung wird zu den geringsten Gesamtkosten erreicht, wenn alle Firmen dieselben Grenzvermeidungskosten haben.
In Worten: Im Gleichgewicht zahlt jede Firma für die letzte vermiedene Tonne dasselbe, nämlich den Zertifikatspreis.
Beispiel ansehen
Zwei Betriebe müssen zusammen 12 t vermeiden. Die Bäckerei hat , die Brauerei ( = vermiedene Tonnen).
Starre Vorgabe, je 6 t: Kosten = Fläche unter der -Kurve.
Mit Handel: und → , , .
Ergebnis: Gleiche Umweltwirkung, aber 18 weniger Kosten.
Handelbare Emissionszertifikate: Der Staat legt die Gesamtmenge fest und gibt entsprechend viele Rechte aus. Die Firmen dürfen diese Rechte untereinander handeln.
So läuft der Handel ab:
Die drei Instrumente im Vergleich
| Instrument | Menge sicher? | Kosteneffizient? |
|---|---|---|
| Standard | ja | nein, bei verschiedenen |
| Steuer | nein | ja |
| Zertifikate | ja | ja |
Prüfungsfalle: „Zertifikatehandel erhöht die Gesamtemissionen." Das ist falsch. Die Gesamtmenge ist durch den Cap fixiert, und der Handel senkt nur die Gesamtkosten.
VertiefungDer Handel Schritt für Schritt: wer gewinnt wie viel?
Wir bleiben bei Bäckerei () und Brauerei (). Ausgangslage: Jede soll 6 t vermeiden, also , .
Die Bäckerei würde für die letzte Tonne 18 zahlen, die Brauerei nur 6. Es lohnt sich zu handeln: Die Bäckerei kauft Rechte, die Brauerei verkauft sie.
Endpunkt: Bäckerei vermeidet nur noch 3 t, Brauerei 9 t, Preis . Die Bäckerei kauft also 3 Rechte.
| Bäckerei | Brauerei | |
|---|---|---|
| Vermeidungskosten vorher → nachher | 54 → 13,5 | 18 → 40,5 |
| Handel (3 Rechte zu 9) | zahlt 27 | erhält 27 |
| Nettogewinn | 13,5 | 4,5 |
Die Gewinne betragen zusammen 18, genau die Kostenersparnis von 72 auf 54. Bei einem anderen Preis zwischen 7,5 und 13,5 würden beide ebenfalls gewinnen, nur die Aufteilung der 18 wäre eine andere.
VertiefungEin strengerer Cap: Preis und Kosten
Die Politik verschärft das Ziel: Statt 12 sollen nun 16 t vermieden werden.
| Vermeidung gesamt | Zertifikatspreis | Gesamtkosten |
|---|---|---|
| 12 t | 9 | 54 |
| 16 t | 12 | 96 |
Ein strengerer Cap macht Zertifikate teurer, weil die zusätzliche Vermeidung teurer ist. Der Zertifikatspreis ist ein Signal: Er zeigt, wie teuer die letzte vermiedene Tonne ist.
VertiefungWann Handel nicht ohne Weiteres passt: lokale Schadstoffe
Beim CO₂ ist es egal, wo die Tonne ausgestoßen wird: Das Klima reagiert auf die weltweite Menge. Der Handel zwischen Firmen darf daher Emissionen verschieben.
Bei lokalen Schadstoffen (Feinstaub, Lärm, Geruch) hängt der Schaden vom Ort ab. Kaufen Firmen in einer dicht besiedelten Stadt Rechte von Firmen auf dem Land, steigt dort der Schaden stark. Dann braucht man räumliche Beschränkungen, oder eine Handelsregel, die den Ort berücksichtigt (Hotspots vermeiden).
8 Coase-Theorem und Gemeineigentum ★★★
Muss immer der Staat eingreifen? Coase antwortet: Manchmal lösen die Betroffenen das Problem selbst, wenn sie miteinander verhandeln können. Bei frei nutzbaren, aber knappen Ressourcen klappt das nicht von selbst, dort droht die Tragik der Allmende.
Das Coase-Theorem
Coase-Theorem: Sind die Eigentumsrechte klar definiert und die Transaktionskosten vernachlässigbar, verhandeln die Parteien zu einem effizienten Ergebnis, egal wem das Recht ursprünglich gehört.
Die Rechtszuteilung entscheidet nur, wer wen bezahlt (Verteilung). Wie viel am Ende verschmutzt wird, ändert sich nicht (Effizienz).
Rechenbeispiel Fabrik und Fischer
Das Einleiten von Abwasser bringt einer Fabrik einen Vorteil von 100. Der Fischer erleidet dadurch einen Schaden von 60. Effizient ist die Verschmutzung, weil .
Ergebnis: In beiden Fällen wird verschmutzt. Nur der Geldfluss ist verschieden.
Grenzen des Theorems:
Coase passt deshalb vor allem bei wenigen, klar erkennbaren Parteien. Bei großen Problemen wie dem Klima braucht es Steuer, Quote oder Zertifikate.
Prüfungsfalle: Die Rechtszuteilung ändert nach Coase die Verteilung, nicht die Effizienz.
Gemeineigentum: die Tragik der Allmende
Manche Ressourcen kann jede:r frei nutzen, aber sie nutzen sich durch Gebrauch ab. Das ist ein Externalitätenproblem in neuer Verkleidung.
Allmende (Gemeineigentumsressource): frei zugänglich, aber rivalisierend (Fischgründe, Weideland, Grundwasser).
Tragik der Allmende: Jede:r Nutzer:in zählt nur den eigenen Ertrag und ignoriert, dass er die Ressource für alle anderen verknappt. Das Ergebnis ist Übernutzung bis hin zur Erschöpfung.
Einfach erklärt: Auf der Gemeindealm darf jeder Bauer so viele Kühe weiden lassen, wie er will. Jede zusätzliche Kuh bringt ihm Milch, die Kosten der kahlen Wiese tragen alle gemeinsam. Also treibt jeder mehr Kühe auf, bis nichts mehr wächst.
Der Fehler ist eine negative Externalität: Die zusätzliche Nutzung schadet allen anderen, ohne dass dafür jemand zahlt.
Lösungen:
Prüfungsfalle: Eine Allmende ist rivalisierend, ein öffentliches Gut dagegen nicht rivalisierend. Beide sind nicht ausschließbar, aber das Problem ist ein anderes: bei der Allmende Übernutzung, beim öffentlichen Gut zu wenig Angebot.
VertiefungCoase genauer: Transaktionskosten und die Menge der Verschmutzung
Transaktionskosten kippen das Ergebnis. Fabrik (Vorteil 100) und Fischer (Schaden 60). Verhandeln und Durchsetzen kosten zusammen 50 (Gutachten, Anwälte, Zeit).
Mit Transaktionskosten kommt es also doch auf die Rechtszuteilung an. Das zeigt, warum die Annahme vernachlässigbarer Kosten so wichtig ist.
Verhandeln über die Menge. Der Nutzen der Fabrik aus der -ten Einheit Abwasser ist , der Schaden des Fischers . Effizient ist → .
In beiden Fällen endet man bei . Nur das Geld fließt in die andere Richtung.
VertiefungAllmende mit Zahlen: Fischer am See
Die Fangmenge bei Booten ist . Ein Boot kostet 8 (in Fangeinheiten gerechnet).
| Boote | Fang | Netto (Fang − Kosten) |
|---|---|---|
| 8 | 128 | 64 |
| 16 | 128 | 0 |
Mit 16 Booten wird gleich viel gefangen wie mit 8, aber es braucht doppelt so viele Boote. Der Nutzen der Ressource ist komplett aufgebraucht. Das 9. Boot fängt für sich 15, für die Gesamtheit bringt es aber nur 7, während es 8 kostet.
VertiefungAllmende lösen: Erfahrungen mit Selbstverwaltung
Die Ökonomin Elinor Ostrom hat gezeigt, dass Gemeinschaften Allmenden oft auch ohne Staat und ohne Privatisierung nachhaltig nutzen. Typische Bedingungen:
Je größer und anonymer die Gruppe, desto schwerer ist das. Eine globale Allmende wie das Klima hat Milliarden Nutzer:innen. Dort braucht es staatliche und internationale Instrumente (Abschnitt 9).
9 CO₂-Bepreisung: EU-Emissionshandel, Carbon Leakage und CBAM ★★
CO₂ ist das Lehrbuchbeispiel einer negativen Externalität: Der Schaden trifft die ganze Welt, die Kosten tragen aber nicht die Verursacher. Der Weltklimarat (IPCC) schreibt die Erwärmung seit der Industrialisierung vor allem menschlichen Treibhausgasemissionen zu. Die Ökonomie liefert die Anreizinstrumente.
Das EU-Emissionshandelssystem (EU ETS)
Obergrenze (Cap)verkauft ZertifikateZertifikat ↔ Geldkauft ZertifikateCap and Trade: Die Gesamtmenge an Emissionen (Cap) wird begrenzt, und die Rechte (Trade) werden gehandelt.
Das ETS verbindet Mengensteuerung (Cap) mit dezentralem Handel (Kosteneffizienz). Es setzt die Theorie aus Abschnitt 7 praktisch um.
CO₂-Bepreisung gibt es mittlerweile weltweit, entweder als Emissionshandel oder als CO₂-Steuer. Sie ist aber weder flächendeckend noch einheitlich: Ausgestaltung, erfasste Sektoren und Preise unterscheiden sich stark.
Carbon Leakage und CBAM
CO₂-GrenzausgleichProduktion wandert abLand mit CO₂-PreisLand ohne CO₂-PreisCarbon Leakage: Weil CO₂-Preise je Land verschieden sind, wandern Produktion und Emissionen in Länder mit lockereren Regeln. Auch heimische Güter können durch emissionsintensivere Importe ersetzt werden.
Warum ist das ein Problem?
CBAM (Carbon Border Adjustment Mechanism): Die EU belegt ausgewählte emissionsintensive Importe mit einem CO₂-Preis, der sich am EU ETS orientiert. Ein im Herkunftsland bereits gezahlter CO₂-Preis wird angerechnet.
Damit sollen Preisunterschiede ausgeglichen und der Anreiz zur Abwanderung verringert werden. Eine international abgestimmte CO₂-Bepreisung würde das Problem direkt lösen, ist politisch aber viel schwerer durchzusetzen.
Prüfungsfalle: Carbon Leakage bedeutet Abwanderung in Länder mit lockereren (nicht strengeren) Klimaregeln.
VertiefungRechenbeispiel: was CBAM ausgleicht
Die folgenden Zahlen sind erfunden und zeigen nur das Prinzip. Für eine Tonne Stahl fallen 1,8 t CO₂ an. Das Zertifikat kostet in der EU 80 € je t.
Importstahl wird also auf das EU-Niveau verteuert. Der Anreiz zur Abwanderung sinkt, und Hersteller im Ausland haben einen Grund, selbst ein CO₂-Preissystem einzuführen (dann bleibt der Betrag im eigenen Land).
VertiefungWarum die Klimapolitik ein globales Problem ist
Klimaschutz ist ein globales öffentliches Gut: Die Vermeidung nutzt allen, auch denen, die nichts dafür zahlen. Daraus ergibt sich dieselbe Logik wie in Abschnitt 1:
Deshalb gibt es heute ein Nebeneinander verschiedener Systeme (Handel, Steuer, Standards) und Instrumente wie den CBAM, die die Unterschiede zwischen Ländern ausgleichen.
Grenzen des Emissionshandels: Der Preis schwankt (siehe die Überlegungen zu Mischformen in Abschnitt 6), und die Höhe des Caps bleibt eine politische Entscheidung. Die Ökonomie zeigt, wie man ein Ziel billig erreicht, nicht, wie anspruchsvoll es sein soll.